Ausgabe 
(22.9.1896) 79
Seite
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Zum Verständnisse der äußern Geschichte müssen wirnachholend bet Alexander, dem katholisch gebliebenenSohn des Reichsmarschalls Wolfgang, anknüpfen. Dieserstarb als kaiserlicher Rath und Oberster, ein altlöblicherRegent, 1612. Seine Tochter Anna hatte sich 1611 anPhilipp von Rechberg verheirathet, nach dessen Tod abermit Otto Heinrich Fugger , Ritter des goldenen Vließes,und ihn, weil aus dieser Ehe auch kein Leibeserbe vor-handen war, zum Universalerben ihrer Güter eingesetzt.Dieser Fugger hat auf Seite der katholischen Liga unddes Kaisers den 30 jährigen Krieg bis zu seinem Tode1635 mitgemacht und sich durch Tapferkeit ausgezeichnet.Von Otto Heinrichs Nachkommen kaufte den Besitz Roten-stein 1693 und Grönenbach 1695 um 100,000 st. derunermüdliche Fürstabt von Kempten , Ruppert v. Bodmann,dessen Wappen noch den Kirchthurm der kathol. Pfarr-kirche ziert. Unter diesem umsichtigen Regenten wurdeauch das hie-sige Bräu-haus erbautund das im16. Jahr-hundert er-baute Schloßerweitert.FürdieFörderungder Land-wirthschaftwurde auchvondenFürst»übten hierortsdie Verein-ödung durch-geführt. Grö-nenbach be-kam auch vondenselben einPflegamt",wozuGrönen-bach, Altus-ried, Lachen,

Zell, Jttels-burg, Herbis-ried undZiegelberg

als einzelne Gemeinden gehörten, deren VorsteherHauptmann" hießen, wie dieses jetzt noch ver Hausnameauf einem Anwesen in Ziegelberg bekundet. DiesesPflegamt hatte auch eine eigene Landschaftskasse,die gemeinsam von einem katholischen und reformirtenKassier verwaltet wurde; dasselbe hatte auch eine zehn-köpfige Landschaft, welche die ehedem pappenheimischenUnterthanen desselben mit Berücksichtigung der beiden Kon-fessionen 7 katholische und 3 reformirte Pflegeaus-schüsse wählten.

Bezüglich des Collegiatstiftes kam zur Hebung undFestigung desselben zwischen dem Fürstabte Honorius vonKempten und Clemens Wenzeslaus , Bischof vonAugsburg , am 1. Mai 1784 ein Uebereinkommen zustande,wornach das Stift niemals auf den Stand einer ein-fachen Pfarrei hätte reducirtwerden können; aber dieunersättliche Säkularisation erklärte 1804 dasselbe füraufgelöst, und das reich dotirte Stift Ludwigs von Roten-stein zerfloß im Staatssäckel, wie auch am 19. März 1873

sein Schloß Rotenstein den Hügel daselbst hinabkollerte.Wohl hat die katholische Pfarrgemeinde 1814 und 1843unterm Vicar , dem späteren Prälaten Merkle das Pfarr-vermögen, welches mit dem Stifte seinerzeit unirt worden,durch wiederholte Vorstellungen zurückerhalten wollen, alleindieses wiederholte Untertauchen zur Holung desgoldenenBechers" blieb erfolglos. Auch für den Chorregenten warendie täglichen 3 Glas Bier aus dem ärarialischen Bräu-hause verloren, indem solche Bezüge als bloße gratis,krinoipiZ des Fürstabtes vom Aerare erklärt wurden.

Von diesem Schicksalsschlage der Säcularisaiion istaber die mit dem hiesigen Collegiatstifte incorporirte PfarreiZell mit ihren Groß- und Kleinzehnten verschont geblieben.

Von den Decanen des Stiftes verdienten der Mitweltzum dankbaren Andenken besonders erwähnt zu werden:Andreas Weiß, 15891613, welcher die Bibliothek sehrbereicherte; Georg Megglin, welcher 1663 die Stiftskirche

restaurirte;Georg Huber,welcher beiseinem Tode1762 bet3000 fl. zumsalestanischenSeminare inDillingen vermachte,da-mit von derenZinsen Stu-dirende derkatholischenPfarreiunterstütztwerden, einefür eineLand-gemeinde sel-tene und nochjetzt wohl-thätig wir-kende Stift-ung. Auchdie noch inunserer Ge-gend existtr-enden Ge-schlechter derDodel* undEpple" hatten Decanats- undCanonikersitze in Grönenbach inne. Desgleichen gabGrönenbach auch der Kunst und Wissenschaft seinen Zoll,z. B. in dem theologischen und kanonischen SchriftstellerBenedict Schmier , 1682 1744, und in dem KupferstecherJohann Gottlieb, welcher 1739 daselbst geboren und dessenWerke seinerzeit beliebt waren.

An diese geschichtlichen Notizen sollen sich zum Schlüsseeinige Züge von dem Bilde reihen, welches das jetzige,1485 zum Marktflecken erhobene Grönenbach darbietet.Oben auf dem Berge steht weithin im Jllerthale sichtbardie dreischiffige, gothische, neu restaurirte Hallenkirche miteiner geräumigen romanischen Krypta, auf deren Kreuz-gewölbe der Chor ruht und die 1884 wieder dem gottes-dienstltchen Zwecke zurückgegeben wurde. Auch die reformirteKirche, früher Spitalkirche, hat seit 1880 durch einenneuen Thurm mit pfarrlichem Geläute eine Verschönerungerfahren. Wenn auch 1879 das Landgericht aufgehobenwurde und in dem Schlosse eine Lehranstalt für Photo-

Grönenbach.

Original-Aufnahme von Gustav Baader, Photograph in Arumbach (Vervielfältigungsrecht vorbehattenf