Ausgabe 
(25.9.1896) 80
Seite
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Jügendkraft und die beglückende Thatsache, daß sie endlichNudolf's Weib sei, bedingte daS.

Es kam ein Tag, wo sie zusammen sitzen konnten.Sie sprachen, wer weiß, wovon? Zwei Seelen und einGedanke, zwei Herzen und ein Schlagt

Vierzehn Tage später begaben sie sich auf die Hoch-zeitsreise, drei Wochen wollten sie im Süden verweilenund zu Trixy's Hochzeit zurückkehren.

Weihnachten kam und brachte August Hammond,der sein Bräutchen in's friedliche Schottland entführenwollte. Es war eine prächtige Hochzeit, bei der JulieSeton als erstes Brautfräulein glänzte. Mr. und Mrs.Hammond reisten sofort nach Europa ab; Rudolf, derseine Frau vergötterte, begab sich mit ihr noch einmalnach Florida . Seine Mutter sollte mit Julien zusammen-wohnen, bis die beiden jungen Paare sich häuslich nieder-gelassen hätten, worauf sie immer sechs Monate beiRudolf und sechs Monate bei Trixy verleben sollte.

Auch Rudolf und Edith wollten ganz nach England übersiedeln, dort war Ediths Vermögen und beide liebtendas schöne Land. Im Mai verließen sie die alte Hei-«ath, um zunächst ein Wanderleben auf dem Kontinentzn beginnen.

An einem prachtvollen Sommertage betraten sie diealtgothische Kirche, in der die Gebeine der Chateronsruhten. Der Sonne Licht vergoldete die hohen Fenster,ein Mädchen entlockte der Orgel klagende Accorde.

Trauer erfüllte Ediths Herz, als sie vor dem Grabestand, dem letzten in der langen Reihe, in dem Victorschlummerte. Sie zog den Schleier über das Gesicht undweinte die ersten Thränen seit ihrer Trauung mit Rudolf.

Auf einem Piedestal von schwarzem Marmor stehtein gebrochener Säulenschaft aus kanarischem Marmorund darunter in goldenen Lettern:

Sir Victor Chateron,

Baronet,

gestorben am 3. Oktober 1867, im 27. Jahreseines Lebens.

Seine Sonne versank noch am Tage."

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Was ist denn los in Südafrika?

Wir hofften vom letzten Christbaum allerlei goldeneFrüchte zu pflücken und glaubten, wie gute Kinder, un-fehlbar sie zu bekommen. Aber Herr Papa hat sie unsverweigert. Ich sage: wir; denn mit Arisnahme eineskleinen Bruchtheiles wünschen alle Europäer sowohl alsAfrikaner (in Afrika Geborne), eine große Familie in Süd-Afrika zu bilden, in der alle Kinder die gleichen Rechtegenießen, sowohl in sozialer als religiöser Beziehung.Wozu denn diese Grenzpfühle, diese Zolle, diese verschiedenenNationalfarben? Diese Beschränkungen, Ungleichheitenund stiefmütterlichen Verkürzungen fühlen die Europäerbesonders in der Bauern-Nepnblik Transvaal , aber auchin den extremsten Theilen dieses neuen Afrika fühlt manUnbchaglichkeiten von Blutstockungen und Beengungen;z. B. auch Missionäre finden Widerstand betreffs religiösenLebens innerhalb der Grenzpfühle dieser Bauernwirth-schaft. Um nur Eines zu erwähnen, in Transvaal sinddie Katholiken mit Juden auf eine Stufe gestellt. Wederdie Einen noch die Anderen dürfen Aemter verwalten.Wahlrecht haben blos die Boers (Bueren), alle Einge-wanderien aber erst nach vierzehn Jahren der Ansässigkeit.

Nun sind aber in neuester Zeit in der Bueren-RepubltkGoldgruben entdeckt worden, wahrscheinlich die reichstender Welt, und von allen Welttheilen strömen die Gold-gräber und Eolddurstige zusammen in dieser Republik ,besonders von Europa, Amerika und Australien . DasCentrum dieser Goldfelder ist Johannesburg geworden.Wo vor 10 Jahren noch keine Hütte stund, liegt jetzt eineStadt, die bei der letzten Volkszählung über 136,000Einwohner ausweist. Paläste, Kaufgewölbe, Bank- undKaffeehäuser wetteifern an Pracht mit den schönsten vonEuropa . Da drinnen wohnen viele Millionäre und über-haupt Herren, die in ihrem Leben gewohnt sind, ein großesWort mitzusprechen. Kleinere Goldstädte, wie z. B. Baber-ton, gibtS noch mehrere im Lande, die alle von Fremdend. h. Nichtbueren gegründet wurden. Den Grund undBoden aber haben sie den Bueren theuer bezahlt. VorEntdeckung der Goldfelder war die Republik bettelarmund nahezu bankerott; seit der Eröffnung dieser goldenenFelder macht die Republik jährlich Millionen xlus. Daskommt daher, daß dieser Buerenstaat den Fremden daSgoldreiche Land, das die Bueren selbst umsonst den Kaffernabgenommen, um hohe Preise verkauft und seither denGoldgräbern große Steuern abnimmt. In letzter Zeithat der Staatspräsident eine neue empfindliche Steuerden Einwohnern der großen Goldstadt auferlegt, nämlichfür die Einfuhr aller Lebensmittel in die Stadt, die ohne-hin schon fabelhafte Preise hatten.

Gegen diese Verpflichtungen weigern sich die Fremdenoder Ausländer (holländisch Uitlanders) nicht, wenn siemit den Inländern (Boers) auch dieselben Rechte genießenkönnten. Das ist aber durchaus nicht der Fall.

Denn die BoerS gewähren den Uitlandern erstenskein Stimm- und Wahlrecht in das Parlament (Volks-raad von den Bueren genannt), zweitens gewähren sieden Ausländrrn nicht dasselbe Recht der Sprache, nochgewähren sie nicht holländischen Schülern einen Grant,d. h. Unterstützung. In wie weit diese Klagen der Uitlandersberechtigt sind, ist mir nicht genug bekannt. Da aberunter den 136,000 Bewohnern von Johannesburg nur15,000 Holländer sind, so kann Niemand verlangen, daßalle Schulen die holländische als Unterrichtssprache haben.Und wenn alle Ausländer zn den Schulgeldern beitragen,warum soll nicht auch Allen Schulgrant gewährt werden?Wo in der Welt ließe sich ein civilistrtes Volk eine solcheUngleichheit gefallen, zumal wenn die Civilifirten Unter-thanen sind, und die Nichtcivilisirten am Staatsruderfitzen? Ich nehme zum Beispiel die Deutschen in Bosnien.Das Verbosthal ist meistens von Deutschen besetzt. Ichsetze den Fall, sie hätten sich auch so schnell vermehrt, wiedie Fremden in Transvaal . Ließen diese dann sich daSgefallen, daß sie blos Verpflichtungen und Abgaben gegeneine uncivilisirte türkische Regierung, aber keine Rechtehaben?

Man erlaube mir einen Vergleich zwischen einemholländischen Boer inTransvaal und einem mohamedanischenBosniaken. Weder der Eine noch der Andere hat als Bauerso viel Bildung, daß er lesen und schreiben könnte. Sitzter aber im Volksraad, oder in Medschlis, so ist der Grundvielleicht blos der, daß er mehr Geld hat und es neben-bei zum Lesen und Schreiben gebracht hat. Es gibt aberauch im türkisch-bosnischen wie im holländischen Volks-raade solche, die weder lesen noch schreiben können. Währendmeiner vielen Reisen in Deutschland fand ich so Viele sobegeistert für diese südafrikanischen Holländer. Ist dem»