Ausgabe 
(25.9.1896) 80
Seite
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hörte man oft die Frage:Wo tst Mr. Rhodes?" (DieserHerr sspr. Noihdsj ist eine Art Napoleon , der Dirigentder Nhodefia, die größer ist als Deutschland und Oester-reich zusammen, und zugleich Premierminister von derCap-Colonte.) Dieser läßt sich nirgends sehen noch hören;sobald aber der Cap-Gouverneur nach Johannesburg eilt, Frieden zu vermitteln, resignirt Rhodes seine Stellein Capstadt, ein Beweis, daß ihm ein solcher Friedenicht konvenirt. Bald nach dem Nummel taucht er aufin Kimberley, der Diamantenstadt. Da wird er mitJubel empfangen, wie sein Statthalter Jameson alsGefangener in Natal. Was er da sagt, ist kurz, aberviel, nämlich:Man hat geglaubt, meine öffentlicheCarriere (Laufbahn) sei zu Ende, ich glaube aber, siefängt erst an".

Meine Ansicht ist: Von nun an schauen in Süd-afrika noch viel mehr auf RhodeS als zuvor, undwer zuletzt lacht, lacht am besten. Es wird nicht zu langegehen, dann wird man sehen, was in Südafrika los ist.

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A L s e V L s ll.

I^x. Der Barometer als Wetterprophet imverflossenen Sommer. Wohl in keinem Jahre habendie Wetterpropheten so viel Spott und Hohn, aber auchZank und Tadel, ja sogar Verwünschungen über sich er-gehen lassen müssen, wie im heurigen Sommer. DieAckerbau und Viehzucht treibende Landbevölkerung hoffteoft tage-, ja wochenlang zur Verrichtung der Feldarbeitengeduldig auf gutes Wetter. Doch manchmal riß der Ge-duldfaden der guten Leute, wenn sich alle Vorher-sagungen der Wetterpropheten und Kalendermacher, vonFalb angefangen bis zu den reimvollen Bauernregelnherab, nicht erfüllen wollten. Es ist dem Landvolkenicht zu verübeln, wenn es bei fortgesetzter Enttäuschungund anhaltender naßkalter Witterung. übler Laune wurdeund mißgestimmt Aeußerungen machte, wie die folgenden:Ich könnte meinen Barometer gleich 'runterhau'nl" oderDer Kempter (Kalender) errathet Heuer auch nichts." Wenn der erstbezeichnete drohende Ausspruch erfülltworden wäre, so hätte es dem leblosen Luftdruckmesseran der Wand am schlimmsten ergehen müssen; denn zutausend Theilen wäre die Glasröhre mit dem Queck-stlberinhalte zerstückelt worden, und blos deßhalb, weilder Barometer so hartnäckig war und niein die Höhe"wollte. Jedoch zur wirklichen Vornahme eines solchenVernichtungsaktes ist es nicht gekommen, denn man wußtewohl, daß dieser Wetterprophet ein sehr empfindsamesMobiliarstück sei und vielleicht später noch ganz verlässigeDienste leisten könnte. Wenn nun das Quecksilber nureine geringe Steigung auswies und die Sonne durch dendüsteren Wolkenschleier zu blicken sich würdigte, so legtesich auch der Aerger und die Mißstimmung des Haus-herrn, und siehe I eS wurde auch bei ihm besser Wetter,indem sich in seinem Herzen eine heitere Stimmung undeine freudige Hoffnung regte. Aber mit dem Steigen desGemüthsbarometerS wuchs auch die Achtung und Be-wunderung vor dem Queckfilberbarometer, als dem ver-lässigsten Vorherbestimmn des Wetters. Ja, man zollteihm wieder wie früher den ihm »gebührenden Respekt",denn die schwache AufwärtSbewegung »brachte", wenn auchnur für kurze Dauer, doch gutes Wetter, und man konntevMrW mit. der Fcjdgrhejt einen Schritt vorwärts

kommen. Und sind nächstens die Arbeiten auf dem freienFelde vollendet, so kommt der Barometer wieder eher inGeltung, als eL im heurigen nassen Sommer der Fallwar. Er, als sicherster und verläsfigster Wetterbestimmer,mußte die feindseligsten Beschuldigungen erdulden. Undwie wäre es ihm in einem trockenen Sommer ergangen?Der Hartnäckige wäre nicht gesunken (wie im Sommer1893), und es wäre der dienstbare Witterungsverkündervon Undankbaren desgleichen gescholten worden. Möchtenun dieser leblose Wetterprophet unter allen Kalender-machern und Verfassern von Witterungsregeln wie bisherauch fernerhin der sicherste und ver lässigste bleiben!

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Grabsteine aus Glas. In Amerika ist soebeneine Gesellschaft auf Aktien gegründet worden, welcheGrabsteine aller Art aus Glas anfertigen will. So sonder-bar dies im ersten Augenblick auch klingt, darf man dochnicht außer Acht lassen, daß man aus auf eine eigeneArt gehärtetem Glase bereits Eisenbahnschienen angefertigthat, und daß die dicken Glasplatten, welche die Kabinen-fenster der Dampfschiffe schließen, der stürmischsten SeeWiderstand leisten und beinahe unzerbrechlich sind. Glasist unzerstörbar, wenn nicht großartige Kräfte daraufwirken, und die gläsernen Lrlchenstetne werden folglichnach Hunderten von Jahren noch eben so neu aussehenals am ersten Tage, während man nach 50 Jahren kaumnoch die Inschrift an Grabmonumenten aus Stein ent-ziffern kann; denn Regen, Schnee, Wind, Hitze und Kälteüben einen großen, zerstörenden Einfluß darauf cuts.

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Keröst.

Im Spotlicht tanzet ein Mückenschwarm,

Es schien die Sonne so wohlig warm,

Roth zittert es über die Halde.

Hoch in den Lüften die Schwalben flieh'n,

Ein gelbes Blatt fährt wegwärts hin,

Der Herbst kommt, wie balde, wie balde!

Vom Baume fallet die reife Last,

Sie reißt mit herunter den dürren Ast,

Fort muß das welke, das alte.

Die Astern am Hause blühen noch roth,

Vielleicht eine Nacht nur, dann sind sie tobt,

Der Herbst kommt, wie balde, wie balde 1

Im Dörflein schlagen die Glocken an,

Es ging eine Seele die letzte Bahn,

Die Baume rauschen im Walde.

Jetzt sind wieder Glocken und Bäume still,DaS Herz erschauert, was werden will,

Der Herbst kommt, wie balde, wie balde!

Das Leben hat wenig Sonnenschein,

Oft bricht das Sterben mit Macht herein,

Wie drüben über die Halde.

Hienieden die Lust wie ein Hauch vergeht,

Die Blüthe stirbt und der Duft verweht,

Der Herbst kommt, wie balde, wie balde!

Adolph Müller .

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Auflösung der Kreuzcharade in Nr. 79:

Weiber, gehe! (Gehe), Geber, Heber, Weihe, Berge, GeweihsGehege.

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