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das ganze Gemach, und Heller Feuerschein machte die Nachtzum lichten Tage. „Feuert Feuert" schrie er in Todes-angst und stürzte auf den Hausflur, wo in diesem Augen-blick sämmtliche Dienstboten schreckensbleich erschienen.Sie schliefen alle in den unteren Räumen. Nur dieHerrin allein hatte ihr Schlafgewach in der oberen Etage.Das ganze obere Stockwerk stand bereits in hellen Flam-men, schon die Treppe war von dem entfesselten Elementergriffen, aber mit unerschrockenem Todesmuth stürzte deralte, treue Diener hinauf und erreichte mit Gefahr seineseigenen Lebens die fest verschlossene Thür des Schlaf-zimmers seiner Herrin.
„Frau von Schalldorf — gnädige Fraut UmGotteswillcn, öffnen Sie die Thür — das ganze Haussteht in Flammen!" rief er mit der ganzen Kraft seinerStimme. Vergebens — es erfolgte keine Antwort, undnur mit Mühe konnte der treue Diener das eigeneLeben retten.
Die Feuerwehr war schnell zur Stelle. .Dort sinddie Fenster des Schlafzimmers", riefen die Diener durch-einander, „rettet Frau von Scholldorf l"
Die erfahrenen Feuerwehrleute schüttelten ihr Haupt.„Da ist jede Hilfe zu spät", erklärten sie, „in jenenRäumen arhmet kein lebendes Wesen mehr. Gerade dortist der Herd des Feuers, es muß dort ausgebrochen sein."Sie arbeiteten rastlos und mit aller ihnen zu Gebotestehenden Kraft, aber sie konnten des Feuers nicht Herrwerden, und schon nach wenigen Stunden standen nurdie rauchgeschwärzten Außenmauern um einen dampfendenTrümmerhaufen. (Forts, folgt.)
Kunstmaler Merkte
vr. 8. L. Aus Schwaben . Am 21. Augustlfd. Js. entschlief der in weiten Kreisen wohlbekannteund allgemein geachtete Kunstmaler Herr AndreasMerkte in seiner Hcimath Hammel bei Augsburg . Erwar geboren am 22. November 1822 in Hammel alsSohn der Söldmrsehcleute Johann und Fravziska Merkte.In seiner Jugendzeit leb.'e in Ottmarshausen, zu dessenPfarrgcmeindc Hammel gehört, ein Dorfkünstler, NamensCornelius Hipp (si 1. Januar 1834), welcher bei demberühmten Huber in Wcißenhorn eine Zeit lang gelernthalte und sich sein Brod damit verdiente, daß er Heiligen-bilder, Scenen aus der hl. Schrift rc. an die Häuserwändeal Irvsoo malte. Derselbe hatte entschiedenes Talent, frischeFarben, kecken Pinsel und kräftige Zeichnung, wie man andem Kreuzweg, dem Abendmahl rc. in der Kirche von Ottmars-bausen seken kann. Leider blieb sein Talent unausgcbildet. Derjunge Andreas hat oft diesem Dorstenie zugeschaut, wiees in 1—2 Stunden die Giebelwändc mir Fresken zierte.Das erweckte in ihm das Verlangen, auch Maler undzwar Kunstmaler zu werden. Merkte bewahrte ihm daherein pietätvolles Andenken. Nachdem Merkte in Kricgs-bader die allerersten Handgriffe seiner Kunst erlernt hatte,bezog er 1844 im Herbst die Akademie in München .1894 feierte er in oller Stille dre 50. Wiederkehr jenesfür ihn so bedeutungsvollen Tages. Nach Absolvirungder Akademie, wo er sich zuweist dem Porträlfache ge-widmet hatte, erweiterte er seine Kenntnisse durch Reisen.Leider waren ihm zum Besuche Italiens kaum 2 Monategegönnt.
Als die Pdotographie allgemein wurde, verlegte ersich auf die religiös Malerei, und wir sehen ihn von daan in den verschiedensten Kapellen, Kirchen und Klöstern
thätig, sei es, daß er neue Compofitionen lieferte, sei es,daß er alte Gemälde mit pietätvoller Hand restaurirte, seies, daß er seinen geschätzten, kunstverständigen Rath er-tbeilte. Die letzten Jahre seines Lebens hat er größten-teils bei den Benediktinern in Augsburg gearbeitet, unddurch die Liebenswürdigkeit des hochw. Hmn Abtes undder hochw. Herren Patres ist ihm das Kloster St. Stephanzu einem Tuskulum geworden. In seiner Heimathkirchehat er 1858 die Fresken an der Decke angefertigt, 1879wurden die drei neuen, von dem Söldner SebastianMahler (si 14. Sept. 1876) mit 5000 fl. gestiftetenAltäre unter seiner Leitung bezw. Mitwirkung (das Altar-blatt und die übrigen Gemälde sind von seiner Hand)sehr schön und kunstvoll hergestellt. Und damit er auchnoch nach dem Tode für die Zierde seiner Pfarrkirchethätig sei, hat er 1895 der Kirchenstiftung 500 M. über-geben, deren Zinsen von Zeit zu Zeit zur Reinigung undRestaurirung der Gemälde, Schnitzereien rc. verwendetwerden sollen.
Daß die Kirche von Ottmarshausen einen so hüb-schen und freundlichen Eindruck macht, ist ihm zu verdanken.
Besonders ist weiterhin sein Kunstverständniß her-vorzuheben. Wie viele Kunstqegenstände hat er vor Ver-nichtung oder Verschleuderung seitens der unkundigen Be-sitzer bewahrt!
Trotz all seiner Kenntnisse und seiner angesehenenLcb-nsstellung blieb Merkte immer der einfache, schlichte,bescheidene Mann, der aus sich nichts machte. Darumwar er auch bci Allen beliebt, die mit ihm verkehrten.Seine Begeisterung für die Kunst war warm und auf-richtig und verließ ihn selbst in den Tagen der Schmerzennicht. Dabei war Merkte ein überzeugter Christ undKatholik, und ist auch als solcher wohl vorbereitet durchein langes, schmerzliches Krankenlager und gestärkt durchden öfteren Empfang der beiligen Sacramcnte im Altervon 74 Jahren in die ewige Ruhe eingegangen.
Einst schrieb Merkte über die Thüre seiner Heimath-kirche die Psalmenworte: „Herr, ich habe lieb die ZierdeDeines Hauses und den Ort, wo Deine Herrlichkeitwohnt." Er hatte Recht: diese Worte sprechen das aus, wasder Inhalt seines Lebens, Wirkens und Schaffens war.
Möge es ihm nun vergönnt sein, den Urquell allesSchönen, die Herrlichkeit Gottes, von Angesicht zu An-gesicht zu schauen! R. I. k.
Memmin gen.
(Mit Illustrationen.)
Memmingen , eine unmittelbare Stadt, liegt in hübscherfruchtbarer Gegend an der Ach, einem Zufluß der Jller,eine Stunde von diesem Flusse entfernt. Die Stadt hatüber 10,000 Einwohner, darunter gegen 3000 Katholiken;der größere Theil der Bevölkerung ist evangelisch.Memmingen ist Sitz eines Landgerichtes, HauptzollamteS,Landbauamtes und sonstiger Behörden. Die BayerischeNotenbank, sowie die Deutsche Reichsbank haben dortFilialen. Die Stadt ist eingetheilt in zwei protestantischeund eine katholische Pfarrei. An Bildungs- und Er-ziehungsanstalten besitzt Memmingen eine sechskursige Real-schule, Progymnasium, eine höhere Töchterschule und inVerbindung damit eine Präparandinnenanstalt und einVolksschullchrerinnenseminar; an Wohlthätigkeitsanstaltenweist die Stadt außer einem Pfründespital und einemwohleingerichteten Krankenspital viele milde Stiftungenauf, welche neben sehr bedeutendem Kapitalvermögen ins-