Ausgabe 
(6.10.1896) 83
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639
 
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besondere Besitzer großer Waldcomplexe sind. An indu-striellen Etablissements sind zu verzeichnen eine mechanischeLeinenspinnerei und Weberei (System Prälat Kneipp),eine Tuch- und Jacquarddeckenfabrik, Eisengießerei undFabrik landwirthschaftlicher Maschinen, Glockengießereiund Brückenbaugeschäft, Pulverfabrik u. s. w. Besondersblühend sind die Kunstmüblen, Gerbereien, Bierbrauereien,sowie die Seifen- und Bürstenfabrikation. Besonders zuerwähnen ist der sehr ansehnliche Hopfenbau im Stadt-gebiet, sowie der Getreidebau in der Umgebung. Memmingen treibt starken Handel mit Hopfen, Butter, Käse, Wolle,Leder und Getreide; jedes Jahr findet im Oktober großerJahrmarkt, im Juni Wollmarkt statt; die allwöchentlichstattfindenden Schrannen, sowie die Viehwärkle sind stetssehr gut besucht.

Memmingen ist eine mittelalterliche, hübsche, fast ganz

Meisters Julius v. Roeck, gestorben 1884, ausgeführtvon Bildhauer L. Müller zu München . Das Ralhyausbeherbergt auch das städtische Museum, eine sehr geord-nete Sammlung der herrlichen und besten ErzeugnisseMemminger Gcwcrbcfleißes.

Die bedeutendste Kirche ist die St. Martinskirche,protestantische Hauptkirche, im gothischen Stil ausgebaut1791, mit 67 Cborstühien in reichster spätgothischer Holz-sculpiur von Memminger Meistern, welche bei der fana-tischen Bilderstürmerei im Jahre 1531 leider zum Theileverstümmelt wurden.

Außer der Martinskirchc ist zu erwähnen die prote-stantische Pfarrkirche zu Unser Frauen, von hohem Alter.Herrliche Freskogemälde wurden in der Reformaiionszeitübertüncht und erst in den letzten zwei Jahren mit un-geheurer Mühe wieder ans Tageslicht geföroert. Die-

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Großer Markt in Memmingen mit dem Gtockenthurm der katholischen Kirche im Hintergründe.

Original-Ausnahme von iSusta» Baader, Photograph in Nrumdach. süjermllsüiligungsriHr oordehali-n.s

mit Mauern umgebene Stadt und bildet den Knoten-punkt für die Bahnlinien KemptenUlm einerseits, sowieMünchenBuchloeMemmingen und AulendorfMem-mingen andererseits. Von der Stadt und den umliegendenHöhen aus bietet sich nach Süden ein imposanter Aus-blick auf die vorlegende Alpenkette.

An hervorragenden Gebäuden hat die Stadt einesehr große Anzahl. Das Ralhhaus am Hauptmarkt wurde1589 mit einem Kostenaufwand von 30,000 sl, erbaut.Dasselbe enthält in den Gewölben zu ebener Erde dasreichhaltige, wohlgeordnete städtische Archiv mit jausendenvon Urkunden, Copialbändcn, Nechnungsbüchern u. dergl.Die Zahl der älteren Urkunden (vom Jahre 1010 bis1599) beträgt allein 4052. Ueber 2 Treppen sind diegroßen Sitzungssäle des Stadtwagistrats und der Ge-meindebevollmächtigten ; im ersteren befindet sich die Büstedes um das Gedeihen der Stadt hochverdienten Bürger-

selben (besonders ein Bildercyclus den Marienkultus dar-stellend) bilden eine Perle der mittelalterlichen Malerei.

Die in die Häuserreihe eingebaute katholische Kirche (ehemalige Augustinerkirche) enthält hübsche Fresken. DenKatholiken ist der Thurm der ehemaligen Kreuzhcrrnkirche(nunmehr Zollhalle) zur Benützung zugewiesen.

Die Stadt besitz! eine reichhaltige Bibliothek imehemaligen Münzgebäude, dem sogenannten Sleucrhnuse.Die Anfänge dieser Bibliothek gehen bis zum Jahre1479 auf den Hochmeister des Antonius-O^denS Llibsa. Oaprurus in Memmingen zurück; dieselbe enthält gegen300 Jncunabeln, viele Werke theologischen, juristischen,medicinischen, philosophischen und historischen Inhalts undin durch Schenkungen und Ankäufe bis auf etwa 11,000Bände angewachsen.

Sehenswerth sind auch der Begräbnißplatz mit denDenkmälern alter Patriziergeschlechter, die verschiedenen