Ausgabe 
(9.10.1896) 84
Seite
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rothe Farbe der Kirsche, der Vogelbeere ruft die Vogeldes Himmels herbei, daß sie sich nähren sollen von diesenGaben der allsorgenden Mutter Natur. So kommendie Samen dieser Pflanzen, die Kerne der Früchte tndie Verdauungsorgane der leicht beschwingten Gäste;dort wird ihre Keimkraft nicht nur verringert oder zer-stört, wie es scheinen könnte, sondern sogar, wie bestimmteVersuche bewiesen haben, noch vergrößert, und wo sieabgesetzt werden und die Bedingungen ihres Daseinsfinden, sprossen Pflanzen und Blumen auf, selbst aufunzugänglichen Felsen und Mauern. Die anlockenderothe Farbe auf dunkel« Untergründe der Blätter zeigendie Kirschen, die Preißelbeere, die Stechpalme u. a.; inder Reife blaue Beeren machen sich bemerkbar auf gelbwerdendem Laub der Waldbesrs, des Holunders, deswilden Weines; in leuchtendem Weiß, einer sehr seltenenFruchtfarbe, schimmert auf grauem Strauchgeäste dieSchneebeere am St. Petrusstrauch. Von ganz besonderemInteresse ist ein Farbentvn in der Blumen- und Pflanzen-welt, der zwischen Gelb und Noth steht und in derPflanzenkunde den Namen Anthokyan (Blumenblatt) er-halten hat. Am auffallendsten macht er sich bemerkbaran den absterbenden Blättern des Ahorns, bcS wildenWeines, des Götterbaumes, der Eiche. Wem ist nichtdas wunderbare Farbenbrld des im Herbste seines Lebensstehenden Laubwaldes bekannt, und wer hat sich nochnicht die verwunderte Frage nach Grund und Zweckdieses seltsamen Farbenschcmspiels vorgelegt? Allbekanntist, daß der junge Spargeltrieb, wenn er sich aus derErde hervorhebt, am Kopfe sich bläulich färbt, daß jungesEichenlaub, das im Juni sich bildet und Johannistriebgenannt wird, bräunlich erscheint. Gewisse Flechtenarienfärben sich zu heißer Sommerszeit roth hoch oben in denAlpen . Alles das ist Anthokyan. Wozu diese ganzeigenthümliche Farbenbildung?

Zum Gedeihen fast aller Blumen und Pflanzen istunbedingt nothwendig das sogenannte Chlorophyll, Blatt-grün oder Pflanzengrün, ein Stoff, der, bei passenderBeleuchtung, aus den unorganischen Nährstoffen, nämlichaus Kohlensaure und Wasser, organische, aus Kohlenstoff,Wasserstoff und Sauerstoff zusammengesetzte chemischeVerbindungen unter Ausscheidung von Sauerstoff erzeugt.Die Pflanze ist nur, weil sie, und nur, wenn sie Chlor-ophyll besitzt, zu dieser für sie charakteristischen Ernährungs-weise geschickt. Dieses so unbedingt nothwendige Blatt-grün leidet nun unter allzugrcller Beleuchtung, und des-halb deckt, wie schon oben gesagt, das dunklere Anthokyan(Blnmenblau) dasselbe ab bei jungem Spargeltrieb,frischem Somsrereichenlaub und gewissen Flechten in denvon der Sonne allzugrell bestrahlten Alpen. Bei ab-sterbenden Blättern bewirkt Anthokyaik, daß durch diedunkler gefärbten Blattrippen und Blattstiele die Nähr-stoffe leichter zurückgelettet werden zu Zweigen, Achtenund Stamm, e§ begünstigt, indem es Licht in Wärmeumsetzt, die Aufspeicherung der Nährstoffe in der eigent-lichen Pflanze. Aus demselben Grunde bildet sich An-thckyan, wenn im Wachsthum der Pflanzen besondersstarke Zubereitung der Nährstoffe nothwenoig ist, wiedas deutlich erkennbar ist tn der röthlichen Färbung derjungen Nhabarberstengel und der jungen Nußbau»:Rätter.Möglichst starke Ausnutzung des Lichtes, Umsetzung des-selben in Wärme ist bei vielen anderen Pflanzen Zweckder Anthokyanbildung. Während die aus dem Wasserschwimmenden Blätter der Teichrose auf der Oberfläche

dunkelgrün und lederartig hart sind, damit sie gegenauffallende Schädlinge geschützt erscheinen, ist die Unter-seite des Blattes röthlich gefärbt, weil sie das nur ingeringem Maße zu ihr gelangende Licht auffangen undzu Wärme entwickeln will. Dieselbe Erscheinung findetsich noch bei vielen anderen Pflanzen, besonders solchen,die im Wasser oder im Schatten des Waldes ihr Daseinfristen. Eine röthliche Schicht auf der Unterseite derBlätter ist auch zu bemerken bei kurzlebigen Pflanzen,die also mit größter Intensität ihre Lebenssäfte zurAusgestaltung bringen müssen. Als Beispiel fei genanntdas allverbreitete und vielgeliebte Alpenveilchen.--

ALLsrrZsr.

Die Erfinder deS Fahrrades Eine alte Nürn-berger Chronik berichtet, daß dort im Jahre 1649 einvon einem gewissen Hans Hautsch hergestellter Kunstwagenaufgetaucht ist,welcher in einer Stunde 2000 Schrittegeht, man kann still halten, wenn man will, man kannfortfahren, wenn man will, und ist doch alles von Uhr-werk gemacht". Kurze Zeit darnach fertigte gleichfallsein Nürnberger Uhrmacher, Stephan Farflex, nachdem erzuerst einen solchen vierrädrigen Kunstwagen gebaut, einenmit drei Rädern. Das dürste das älteste Dreirad fein.Nürnberg kann also in der Erfindung von Fahrwerk-zeugen, die man ohne Zuhilfenahme irgend welcher thier-ischer oder sonstiger Naturkraft fortbewegen kann, dasVorzugsrecht in Ansprnch nehmen. Daß auch das ersteZweirad in Bayern gemacht und praktisch benutzt wurde,ist nachweisbare Thatsache. In Schweinfnrt verfertigtesich der 1812 geborene Jnstrumeritenmacher P. MoritzFischer zu Anfang der 50er Jahre em Aweirad mit Tret-kurbeln, welches er zu seinen Geschäftstouren benutzte.Fischer, der schon vor vielen Jahren gestorben ist, theiltedas LooS aller Erfinder; nur ein kleiner Kreis zeigteInteresse für sein Zweirad, von der Mehrheit wurde erverspottet und ausgelacht.

Verrathen. Gatte:Alle Wetter, nun Labe ichdie Schlüssel zu meiner Kassette tm Bureau gelassen undvon Dir paßt auch keiner, nicht wahr?" Gattin:Nein, ich habe mich auch schon darüber geärgert."

^Lllo Reedts vordeLslierr.)

ÄAsselrivIrtO <?«8 Kestaelrsjtivl«.

I.

Der Ursprung dos Lestaelispiels ist so in Laxen nullmärestenstatte Brzästlungen gestüilt, dass das Liter des Lestaestsanest niestt einigermassen mit Licsterstoit bestimmt werdenstaun. Doest ist zweifellos, dass es aus dem Orient stammtnnd seine Gründung in sestr fräste leiten zurückzuversetzenist, anest darf als siester angenommen werden, dass als Lus-gaugspunstt des Lekaekspiels das seston in grauer Vorzeitbei den morgsnländiseken Oulturvüistern beliebte Brettspielbvtracsttet werden staun. Darauf weisen neuerdings auf-gefundene äg^ptiseste Orabäsnstinäler bin. welcsto aus demdritten dastrtausend vor Lstristus stammen und bildliebs Dar-stellungen entstaiten, auf denen Bsrsonen veranscstauliekt sind,wolcsts auf einem sestacstästulieksn Brett Bigurev bin- undkerzielisn. Llit dem eigentliesten Lestacst stallen diese Lpiel-darstellungen wostl niedts zu sestailen, es dürfte aber anderer-seits staum einem Zweifel unterliegen, dass aus diesem, liezw.ästnliestsu Brettspielen, siest allmälig das Lestacst steraüsgg-stildst stat. LIs erste eigentllcste Bilanzstätte des Lestaestspielsist indes» viestt Legxpten, sondern Indien zu bctraesttöll.