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werden sie dort ein glücklicheres Leben führen, als wieich eS gethan habe."
Der alte Major konnte nicht länger widerstehen.„Sei glücklich mit dem Manne Deiner Wahl", sagte erfeierlich und drückte seine vor Freude weinende Tochterfest an sein Herz, dann reichte er auch dem Professordie Hand, die er nach alter Soldatenart kräftig schüttelte.
„Wenn später der Lag kommen wird, daß im vollenErnst mein Testament verlesen wird, so soll es rechts-kräftig in meinem Nachlasse gefunden werden", nahmzum Schluß Frau Waldhausen das Wort. „Damit sichaber Niemand trügerischen Hoffnungen hingibt" — hier-bei warf sie einen Blick auf ihre Schwester Lina —„und da ich Gelegenheit hatte, in den letzten einsam ver-lebten Wochen meine wahren Freunde kennen zu lernen,so verkündige ich hiermit feierlich, daß meine Nichte Ma-thilde von Schalldorf oder deren Kinder und die Wittwemeines Bruders Herbert, Frau Wendtland, oder ihr SohnWilly meine Haupterben sein werden. Ein neues, voll-giltiges Testament soll bald verfertigt werden, und essoll keinerlei Veranlassung zu Uneinigkeiten geben durchein fehlendes Wort!"
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Ueber das Heben gesunkener Schiffe.
8.-8.-0. Es bestehen z. Z. zwei Hauptmethoden zumHeben gesunkener Fahrzeuge, die je nach der Beschaffen-heit der zu hebenden Wracks und der Lage, in der sie sichbefinden, angewandt werden. Ist der Schiffsrumpf nurwenig beschädigt, so daß eine provisorische Dichtung des-selben durch Taucher ausführbar scheint, so'wird das Wrack,nachdem es zuvor so gut wie angängig wasserdicht ge-macht ist, ausgepumpt und zum Schwimmen gebracht.Bei dieser Art des Hebens muß besondere Rücksichtdarauf genommen werden, ob das Deck den auf ihmruhenden Wasserdruck auszuhalten vermag. Um ein Durch-brechen zu verhüten, wird dasselbe, nachdem man zuvorso viel wie angängig von der Ladung gelöscht, durchStreber abgestützt. Luken und andere Dccksöffnungenmüssen durch dicke Bohlen verschlossen und vorsichtig ab-gedichtet werden; ebenso darf die Oeffnung, durch welchedas Saugrohr der Pumpe hindurchgeht, nur gerade großgenug sein, um dieses durchzutasten. Die Luftzufuhr ge-schieht mittelst kleinerer bis über die Wasseroberflächeemporreichender Röhren. Sind alle Vorkehrungen getroffen,so werden die Pumpen, die auf in der Nähe der Wrack-stelle verankerten Fahrzeugen aufgestellt sind, angesetzt. GehtAlles gut, so hebt sich das Schiff; besondere Sorgfaltmuß indessen beobachtet werden, um ein Umschlagen zuverhüten.
Liegt das Schiff in beträchtlicher Tiefe, so wird derWasserdruck so groß, daß das Deck ihn nicht auszuhaltenvermag. Man baut alsdann eine wasserdichte, bis andie Oberfläche reichende Kammer aus schweren Balken undBrettern über dem Wrack und bedeckt sie mit einer Platt-form, auf der die Pumpen aufgestellt werden. DasWasser wird hierauf ausgepumpt und das Schiff, in demMaße, wie es sich hebt, höher auf den Strand hinauf-gezogen. Wenn das Deck über Wasser kommt, so entferntman den Aufbau, setzt die Pumpen auf das Deck, umdann mit dem Auspumpen des Wassers aus den Schiffs-räumen fortzufahren. Auf diese Weise sind große Schiffe ausbeträchtlicher Tiefe gehoben worden, wie z. B. das vor
mehreren Jahren im Hafen von Gibraltar gestrandeteAuswandererschiff „Utopia". Die Methode ist allerdingsumständlich, kostspielig und nicht ohne Gefahr, es ist aberdie einzig mögliche Art, um große Dampfer wieder andie Oberfläche zu fördern. Ist die Wassertiefe so groß,daß die Anbringung und Befestigung einer Kammer andem Wrack nicht mehr ausführbar ist, so hört natürlichdie Möglichkeit des Hebens mittelst dieser Methode aus.
Handelt es sich um das Heben von Fahrzeugen ausgroßer Tiefe, so wird neuerdings mit Erfolg eine zweiteMethode angewandt. Dieselbe besteht darin, daß dickeStahldrahttaue unter dem gesunkenen Schiffe hindurch-gezogen werden, und zwar, je nach der Größe und demGewicht des gesunkenen Sckiffes, in mehr oder mindergroßer Zahl. Ueber dem Wrack werden Pontons ver-ankert und nach diesen die Drahttaue hingeleitct. Liegtdas Wrack an einer Stelle, wo Ebbe und Fluth auf-tritt, so benutzt man das Steigen des Wassers, um dasgesunkene Schiff zu heben. Die Trossen (Taue) werdenbeim niedrigsten Wassersland steif gesetzt und an den Pontonsbefestigt. Steigt dann das Wasser, so werden diese letztenhochgehoben, und mit ihnen hebt sich das in den Stahl-trossen hängende Wrack. Bei Hochwasser werden Schiffund Ponton nach einer paffenden flachen Stelle am Strandegeschleppt und an Grund gesetzt. Mit der nächsten Ge-zeit wird dann das Experiment wiederholt, das Wrackwieder um eben so viel höher gefördert, als der Unter-schied zwischen Ebbe und Fluth beträgt, und weiter sohoch nach dem Strande hinaufgebracht als wie nur mög-lich. Ist man auf diese Weise so weit gelangt, um dasSchiff bei Niedrigwaffer trocken legen zu können, so wirdes provisorisch reparirt, worauf es bei der nächsten Fluthflottgemacht und in ein Trockendock zur endgültigenReparatur gebracht wird.
Selbstverständlich müssen die Pontons zusammenge-nommen genug Tragfähigkeit besitzen, um das Gewicht desWrackes im Wasser heben zu können, ebenso müssen die Stahl-trossen von genügender Stärke und Zahl sein, und fernersoll eine möglichst gleichmäßige Vertheilung des Gewichtsauf sämmtliche Hebcfahrzeuge und Taue stattfinden, eineAufgabe, deren Lösung namentlich bei unruhiger See,oder wenn sonstige hindernde Umstände obwalten, durch-aus nicht leicht ist. Tritt an der Unfallstelle Ebbe undFluth nicht auf, oder ist der Unterschied zwischen Hoch-und Niedrigwaffer nur gering, so ist man bei dieserMethode zum Höherbringen des Wracks auf Maschinen-kraft angewiesen. Die zu diesem Zwecke anwendbaren Vor-richtungen sind in den letzten Jahren bedeutend vervoll-kommnet worden. Namentlich die Fortschritte, die manin der Herstellung von bieg- und schmiegsamen Draht-seilen gemacht hat, haben es ermöglicht, daß man heuteweit größere Gewichte zu heben vermag, als früher, woman für diesen Zweck ausschließlich Ketten benutzte.Die Drahtkabel werden durch Schächte, die in der Achsedes Pontons liegen, nach unten geführt, sodaß die Kraftstets in der Mitte wirkt und das volle Deplacementnutzbar gemacht werden kann. Die Pontons sind durchLängs- und Querwände (Schotte) in eine Anzahl wasser-dichter Kammern getheilt, welche theils als Maschinen-kammern und Aufenthaltsräume für die Mannschaft, theilsals Wafferkammern zur Regelung des Deplacementsdienen. Jeder Ponton hat elektrisch bewegte Winden,welche senkrecht zu seiner Längsachse verschoben werdenkönnen. Die seitliche Verschiebbarkeit der Winden ist noth-