die unlängst in unserem Hause abgegeben wurde", warfder Professor lachend ein.
„Frau Wieser lud mich zu dem Mittagessen", lächelteFrau Waldhausen, „um mir eine Freude zu machen,und ich muß gestehen, daß dieses der glücklichste Tagmeines Lebens wurde. Ich hörte, daß Erich Waldhausennoch lebte, er war der Bruder meiner Wirthin, undhier sah ich zum ersten Mal nach langer Zeit sein Bildwieder. — Ganz unerwartet kehrte er nach Deutschland zurück wir sahen uns, beschlossen eine baldige Hoch-zeit, und bis zu diesem Tage wollte ich wein Jncognitobewahren."
„Seit wann bist Du wieder verheirathet?" warfTante Lina mit verächtlicher Kopfbewegung ein, denn esverdroß sie, daß jetzt auf keine Erbschaft mehr zu hoffen war.
damit Alle die Einzelheiten der letzten Wochen aus meinemMunde hören konnten."
„Das war wirklich für uns alle eine großartigeUeberraschnng", rief der Major erstannt.
„Wenn Ernst vorhat, ein neues Leben zu beginnen,so will ich ihm behilflich sein", nahm jetzt Herr Wald-hausen das Wort. „Ich glaube, die letzten Wochen sindihm segensreich gewesen, und ich bin überzeugt, daß erein nützliches Glied der menschlichen Gesellschaft werdenkann, wenn er nur will. Ein Ingenieur in Amerika hat bald sein Glück gemacht; an Kenntnissen mangelt esihm nicht, und was ihm noch fehlt, kann er sich leichtaneignen. Ich habe drüben noch viele Freunde, die sichgern seiner annehmen ; übergeben Sie ihn meiner Obhut,Herr Major, und es wird bald die Zeit kommen, daß
Großvaters Friseur. Nach einem Originalgemälde von W- Roegge.
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„Die Trauung fand gestern in aller Stille statt",versetzte die Angeredete. „Schon seit Wochen hatte ichvon dem schweren Verdacht gehört, der auf meinem NeffenErnst lastete; ich allein konnte ihn davon befreien undbenachrichtigte die Polizei durch meinen Freund Almer,daß ich noch am Leben und das Feuer in der Villa zu-fällig ausgebrochen sei. Mein Neffe wurde nicht belästigt,und daß kurze Zeit der Verdacht auf ihm ruhte, hat ihnhoffentlich dazu veranlaßt, in Zukunft sein leichtsinnigesLeben zu ändern. Die an jenem Abend mitgenommenenfünfhundert Mark lasse ich ihm gern; es genügt mir zuwissen, daß er noch in derselben Nacht in einem Briefean mich die That bekannte und um Verzeihung bat, dieihm gern gewährt wird. Schließlich bat ich Herrn Almer,alle Glieder meiner Verwandtschaft heute hierher zu bitten,
Sie mit Stolz und Freude zu ihrem Sohne Hinaufblicken."— Der alte Major war sichtlich bewegt, stumm reichteer seinem neuen Freunde die Hand.
„Ich will ein neues Leben beginnen und mich desVertrauens würdig zeigen", gelobte ernstlich der jungeMann.
Jetzt wandte sich Frau Waldhausen an den Major.„Nun komme ich als Fürsprecherin für meine liebe Nichte",begann sie bittend. „Sie wissen, wie sehr sich die beidenjungen Leute lieben, aber ohne Ihren Segen können sienie glücklich werden. Geben Sie Ihre Zustimmung, da-mit Sie nicht das Lebensglück zweier Herzen untergraben.Meine zerstörte Villa soll in früherer Schönheit undPracht wieder aufgebaut werden, und reichlich ausge-stattet zieht dann das junge Paar ein, und sicherlich