Ausgabe 
(20.10.1896) 87
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wendig, um bei verschiedenen Breiten des zu hcbendcnWracks stets eine vertikale Zugkraft in den Kurbeln zubehalten und zu verhindern, daß die Pontons sich ein-ander nähern.

Man hat neuerdings in England solche Pontonsbis zu einem Deplacement von 1000 Tons hergestellt,sodaß vier derselben, an einem Wrack angebracht, ein Ge-wicht von nahezu 4000 Tons zu tragen vermögen. BeimHeben werden je zwei Pontons nebeneinander gelegt unddas Wrack mit Hülfe elektrischer Winden bis nahe anden Boden derselben aufgewunden; dann werden letztereum die Breite des zu hebenden Fahrzeuges von einanderentfernt und dieses alsdann weiter in die Höhe gefördeitund in seichtes Wasser gebracht.

Die beiden vorstehend e> wähnten Metboden des H bcnsmittelst Auspumpens und unter Anwendung von Stahl-trossen dürften in der Mehrzahl der Fälle, wo eineHebung überhaupt möglich ist, heute zur Anwendungkommen. Versagen beide Auskunftsmittel, sei es, weilder Boden des zu hebenden Fahrzeuges gänzlich offen ge-rissen ist, auch Kabel aus irgend welchen Gründen nichtunter dem Kiel hindurchgezogen werden können, oderschließlich das Gewicht zu groß ist, um mittelst Pontonsgehoben werden zu können, so bleibt nur noch das Mitteldes Einbauens einer Plattform in das Schiff und nach-herigen Auspumpens des darüber befindlichen Raumesübrig. Dasselbe ist indessen nur dann angängig, wenndas Wrack nicht tief liegt und bei Ebbe das Deck ausdem Wasser kommt. Die Methode erfordert sorgfältigeBerechnung, ohne die der Bcrger leicht großen Schadennicht nur an Gut, sondern unter Umständen auch anMenschenleben erleiden kann. In erster Linie muß be-kannt sein: das Gewicht des Schiffskörpers, der Ladungund der in das Schiff gebrachten Bergungsgeräthschaften,dann der Kubikinhalt des Theils des Raumes, sofern einsolcher vorhanden ist, der durch Leerpumpen zum Hebendes Schiffes beitragen kann, und schließlich der Kubik-inhalt der Ladung, die oberhalb der Plattform aus demLaderaum herausgeschafft werden muß, um dem Schiffgenügenden Freibord zu geben, wenn das Auspump-nstattgefunden hat. Große Schwierigkeiten erfordert dasAnbringen einer tiefen Plattform, und wo immer ge-nügende Schwimmkroft erzielt werden kann, legt man sieso hoch wie möglich. Es bleibt dann mehr Zeit zwischenSteigen und Fallen des Wassers, um die Arbeiten aus-zuführen. Die Plattform muß in der Form den erforder-lichen Umständen des Falles angepaßt werden, genau andie Schiffsseite anschließen und überhaupt wasserdicht sein.

Erwähnung verdienen noch einige veraltete Methoden,die heute kaum mehr angewandt werden dürften, oderwenigstens nur da, wo moderne Hilfsmittel nicht zu-gänglich sind. Es ist dies zunächst die Anwendung vonLuftsäcken, die im Raum der Schiffe befestigt und als-dann ausgepumpt werden. Die Erfolge, die man damit er-zielt hat, sind nicht bedeutend. Das größte Fahrzeug, das aufdiese Weise gehoben wurde, war der RaddampferPrinceConsort" von 607 Brutto-Registertons, der im Hafenvon Aberdecn gesunken war. Das System hat den Nach-theil, daß es nur bei leeien oder fast leeren Fahrzeugenanwendbar ist, und ferner sind die Säcke sehr der Be-schädigung durch scharfe Gegenstände, wie vorstehendeBolzen rc., ausgesetzt. Aucki mst der Anbringung vonCaissons , die außen am Schiffe befestigt werden und ausdenen dann das Wasser durch Luftpumpen ausgetrieben

wird, hat man selten gute Erfolge erzielt. Die Befesti-gung der Behälter durch Taucher gelingt selten so, wieman es wünscht.

Aus den vorstehend beschriebenen Methoden desHebens gesunkener Schiffe wird der Leser eine oberfläch-liche Vorstellung von der Art und Weise, wie derartigeArbeiten ausgeführt werden, wie von den Schwierigkeiten,mit denen man bei diesen Arbeiten zu kämpfen hat, zugewinnen vermögen. So groß auch die Bergelöhne sind,die zeitweilig für das Heben gesunkener Wracks bezahltwerden, so lassen sie doch selten für den Bcrger einenentsprechenden Profit. Die Anschaffung und Erhaltungdes Materials stellen hohe Anforderungen, zudem werdendie Bergungskontrakte stets auf der Basiskein Erfolg,keine Bezahlung" abgeschlossen. Gelingt es dem Unter-nehmer nicht, das Wrack zu heben, so hat er all' seineMühe und die großen Kosten umsonst gehabt.

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Der Pelz in der Mode.

Pelz auf den Hüten, an Mänteln und Kleidern,Pelz an den Handschuhen, den Stiefelchen und Pan-toffeln, Pelz an Fächer, an Handtasche und Porte-monnaie!

Die Preise selbst der kostbarsten Felle sind herab-gegangen, die Nachahmungen zu lächerlich billigenPreisen zu haben, so daß selbst die weniger Bemitteltensich eine wärmende Umhüllung anzuschaffen vermögen.Die luxuriösen Kreise haben wohl noch niemals sicheinem derartigen srnbarras ckv rlokosos in Bezug aufPelz gegenüber gesehen, wie in der abgelaufenen Winter-saison.

Vor Allem ist zu erwähnen, daß man sämmtlichePelzarten nicht mehr, wie früher, lediglich zu Besatzoder Futter verwendet, sondern sie als Außenseite derKleidungsstücke (Oberzeug) trägt, was reich und prächtigaussieht.

Für den Salon hat die Mode ein Rauchwerk inden Vordergrund geschoben, das lange Jahre hindurchlediglich Repräsentationszwecken bei Hoff und Staats-actionen diente: den Pelz der Kaiser und Könige, denFürstinnen über das Parkett von Schloßsälen schleifen:den Hermelin. Die kaum handgroßen Fellchen sindvon außerordentlicher Kostbarkeit. Sie sehen schneeweißaus und tragen auf schwefelgelber Ansatzstclle das kohl-schwarze Schwänzchen des reizenden kleinen Thieres.Nicht nur zur Verbrämung von Prunk-Toiletten undAbcndmänteln wird der Hermelin verwendet, ganzeKragen und Capes, sowie weitärmelige Jacken vonwahrhaft fürstlichem Aussehen stellt man daraus her.Das Futter wird in lichter, abstechender Seide, in Da-mast, Brokat mit metallflimmernden Blumen gewählt,oder aber und das ist der Gipfel der Eleganz esbesteht ebenfalls aus Hermelin.

Nächst diesem Pelz gilt als das kostbarste Fellwerkder echte Kamtschatka -Biber (See-Otter), von demein tadelloses Fell 2000 Frcs. im Preise steht. Seinfein dunkles Haar hat einen fabelhaften, beinahe glitzern-den Schimmer.

In dritter Reihe erst folgt sibirischer Zobel;dies weiche, duftige,^ entzückend kleidsame Pelzwerk, dasdurch die dichte Stellung seiner seidenfeinen Haare er-wärmt, wie kein anderes. Zobelfutter (als Neuheit wird