Das Raubthier aber hatte dem Pferde kein Leid zugefügt,sondern war wieder in den Wald zurüägckehrt."
Die sogenannten Bärenführer, die sich frühervielfach auch in Deutschland , in der Regel in Begleitungeines Kamecls und einiger Affen, in den Straßen derStädte producirten, sind fast ganz verschwunden. Dieveränderten Zeitläufte, wohl auch die jetzt schwere Be-schaffung des Haupt-Matadors ihrer Gesellschaft, eben desTanzbären selbst, haben ihrem Gewerbe ein Ende gemacht.Das liebe Publikum weiß aber die Sache anders zu er-zählen. Danach verboten die Regierungen das Umher-ziehen der Bärenführer, weil die braunen Künstler unter-wegs manchmal einen Handwerksburschen aufgegriffen unddiesen dem ewig hungrigen Bären als Futter vorgeworfenhaben! — Es gab auch wirklich einfältige Leute genug,die diese Schauermär glaubten. Unwillkürlich kommt mirhierbei die Geschichte eines Ningkampfes mit einem Bärenin's Gedächtniß. Ein ausgezeichneter Schwinger aus denAlpen erbat sich gelegentlich von einem Bärenführer dieErlaubniß, mit Meister „Braun", der allerdings schonalt und abgemattet war, einen Ringkampf vornehmenzu dürfen. Nachdem die unerläßlichen Vorsichtsmaßregelngetroffen, begann der Kampf. Der starke Mann gingfurchtlos auf seinen Gegner los und wirbelte ihn kunst-gerecht zu Boden, und zwar mit solcher Gewalt, daß esnur so krachte. Der Bär mußte selbst wohl nicht wissen,wie ihm geschah, denn ein paar Sekunden blieb er, offen-bar verdutzt, auf der Erde liegen. Dann aber erhob ersich plötzlich und nahm den Mann an. Diesmal warfder letztere das erregte Geschöpf nicht; wohl aber schlangMutz seine Pranken um den Leib des hart Kämpfenden,daß diesem bald Hören und Sehen verging und nur dieschleunigste Intervention des Führers ihn vor etlichenNippenbrüchcn schützte. — Früher ließ man Doggen mitgefangenen Bären, zum Ergötzen der Zuschauer, kämpfen.Im Dresdener Schloßhofe wurden im Jahre 1650 binnenacht Tagen drei Bärenhatzen abgehalten. In den beidenersten mußten sieben Bären mit Hunden, im dritten abermit großen Keilern kämpfen. Auaust der Starke pflegteden gestellten Bären gern den Kopf abzuschlagen. Ersoll dies bei einer Hatze im Jahre 1690 sogar mit zweiHieben fertig gebracht haben.
Im Juli d. I. berichteten österreichische Blätter voneurem Bären, der sich in Oberkrain zum Schrecken allerTouristen und Hochweideubesitzer herumtrieb. In kurzerZeit hatte er den letzteren 23 Schafe und 3 Ziegen ge-raubt. Eine veranstaltete große Jagd, an der sich zwanzigMänner betheiligten, hatte keinen Erfolg. — Noch im17. Jahrhundert war der Bär in Deutschland ein häufigerGast. Meister Petz war früher auch in Thüringen rechthäufig. Wurden doch z. B. in der Stadkwaldung vonAllendorf a. d. Werra allein im Jahre 1471 sechs Bärengctödtet, und noch im 17. Jahrhundert erjagte man imalbertinischen SaLsen — in den Jahren 1611 bis 1665— neben 5093 Wölfen und 305 Luchsen nicht wenigerals 324 Bären. Gewöhnlich wird das Jahr 1686 alsdasjenige genannt, in welchem Meister Petz zum letztenMale in Thüringens Wäldern seine Pranken gegenMenschen erhoben habe. Diese Ansicht ist aber eine irrige,denn erst im Jahre 1797 ist der letzte Bar aus der Hett-städter Flur bei Kursdorf erlegt worden. Daß es vor 100Jahren in Thüringen noch Bären gab, scheint durchausnickt unmöglich, wenn man bedenkt, daß in Böhmen von1760 bis 1800 ein einziger Rcvicrsörster in den Wal-
dungen zwischen Rache! und Arber 37 Bären erjagte. —Wölfe waren bis ein gut Stück in dies Jahrhunderthinein in DeutschläUd keine außergewöhnliche Erscheinung.Brehm läßt sich darüber so aus: „Innerhalb der GrenzenPreußens wurden im Jahre 1819 noch 1080 Wölfegeschossen. In Pommern allein wurden erlegt im Jahre1800 hundert und achtzehn Stück, 1801 HundertneunStück, 1802 Hundertzwei, 1803 sechsnndachtzig, 1804Hundertzwölf, 1805 sünfundachtzig, 1806 scchsundsiebzig,1807 zwölf, 1808 siebenunddreißig, 1809 dreiundvierzig.Sie wurden dann seltener, folgten jedoch im Jahre 1812den sich aus Rußland zurückziehenden Franzosen undkamen nun wieder in sehr großer Menge vor. So wurdenim Kösliner Regierungsbezirk im Jahre 1816 bis 1817hundertdreiundfünfzig Stück gctödtet. Im Großherzog-thum Posen wurden im Jahre 1820 neunzehn Erwachseneund Kinder von Wölfen zerrissen, und doch hatte diepreußische Regierung in den vorhergehenden Jahren 4618Thaler Schußgeld für erlegte Wölfe bezahlt. Die Zahlder Wölfe, welche jährlich in Rußland erlegt und vonden Behörden ausgelöst werden, ist nicht genau bekannt;jedenfalls ist es aber eine sehr erhebliche Menge. Inder russischen Provinz Livland wurden in dem Jahre1823 bei den Behörden als den Wölfen zur Beute ge-fallene Thiere angemeldet: 15,182 SLafe, 1807 Rinder,1841 Pferde, 3270 Lämmer und Ziegen, 4190 Schweine,703 Hunde und 1873 Gänse und Hühner."
Der freundliche Leser wolle diese kleine Abschweifungentschuldigen! — Wie mir Herr Hotelier Arquint in SchulSerzählte, wird seit Monaten wieder in den dortigen Ge-birgsschluchten ein Bär gespürt, ohne daß man seinerbisher hätte habhaft werden können. Die Leute sägen, essei das ein Mutz minder schädlicher Art, der sich ebenmehr an Pflanzenkost: Waldbeeren, Wurzeln, Baum-knospen u. s. w., halte. Der Bär ist überhaupt — nachBrebm — mehr Pflanzenfresser; geräth ihm aber zufälligim Walde oder sonstwo irgend ein Thier in die Pranken,so ändern sich seine Gewohnheiten, und er wird ein ganzgefährliches Raubthier
Ein äußerst interessanter Fund wurde übrigens voretlichen Decennien unweit Unterammergau in Bayern gemacht. In einer neu entdeckten Höhle fand sich dasvollständig wohl erhaltene Gerippe eines Höhlenbären vor,in dessen Schädel noch ein Eisenbolzen steckte. Dasriesige Thier ist also noch mit der Armbrust erlegt. —In Oberschlefien wurde der letzte Bär im Jahre 1770geschossen.
Auch die großen Raubvogel werden in denAlpen, Folge der weittragenden Jagdgewehre, immer sel-tener. Im Garten des „Hotels zur Post" in SchulSbefindet sich jetzt in einem festen Käfig ein junger Adler,der im Engadin aus einem Neste genommen wurde.Dos schöne Tbier hat alle Scheu vor den Menschen ab-gelegt. Sehnend schaut er aber oft durch die Gitterseines Gefängnisses nach dem Aether hinauf. Wenn erso heraus könnte!
Vom Bart- und Lämmergeier hört man eigentlichnoch weniger wie vom Adler, obwohl er auch noch aufden höchsten Gebirgen von Bern , Granbünden, Tessinund Wallis vorkommt. In den deutschen und öster-reichischen Alpen scheint er gänzlich ausgerottet zu sein;verlorener Weise besucht er nochmal einzelne Gebirgszügevon Süd-Tirol. Der Lämmergeier wird sehr viel alsder Räuber kleiner Kinder angeklagt. Brehm nimmt -ihu