Ausgabe 
(3.11.1896) 91
Seite
697
 
Einzelbild herunterladen

« 91 .

1896 .

Augsburgrr Poftxeitung".

Dinstag, den 3. November

Für die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg .

Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg (Borbefitzer Dr. Max Huttler ).

Allerseelen.

Was bleibt uns noch in diesen Herbstestagen?

Daß wir an Gräbern um die Todten klagen,

Mit Astern rings ihr friedlich Haus besteckenDas schwarze Land mit Immergrün bedecken,

Darein die Liebe letzte Rosen flichtWie einst im Licht.

In Menschenseelen steigt's dann auf und nieder,

Und die Vergangenheit kehrt geisternd wieder,

Und Töne rauschen wie aus alten Zeiten.

Und wenn die Nebel durch den Abend schreiten,Manch' lieber Mund in Treuen zu Dir sprichtWie einst im Licht.

Ihr stillen Schläfer tief im schatt'gen Grunde,

Frei ist ein Wort an euch in solcher Stunde:

Grau kommt der Tag, denn ihr habt uns verlassen,Geschrei und Streit füllt uns'res Lebens Straßen,Nicht linde mehr weht's uns um's AngesichtWie einst im Licht.

Die Liebe starb, die's fromm mit uns gemeinet,

Das Auge brach, das für uns oft geweinet,

Die Hände modern, die in TrauerstundenDen Balsam legten auf die Seelenwunden;

Die Menschen trösten, doch so ist es nichtWie einst im Licht.

D'rum, Welt, fahr' wohl mit Deinen bunten FarbenKurz währt Dein Glück, trugvoll sind Deine Garben,Laß einsam mich um meine Todten weinen,

Süß wird Entsagung nur an Leichensteinen,

Wo durch's Gewölk der Liebe Sonne brichtWie einst im Licht.

Adolph Müller .-SÄ88NS--

Magd a."

Zwölf Monate eines modernen Lebensbildes.

Der Wirklichkeit nacherzählt von Beda v. Ballheim.

(Fortsetzung.)

Juli. Zu spät erkannt.

Auf dem Grunde einer engen Thalschlucht, welchedurch hohe, theils dicht bewaldete, theils nackte und scharf-kantige, eng ineinander geschobene Berge gebildet wird,liegt das Bad H. Ringsum hatten die Gnomen ihreSchätze ausgestreut. Der Reichthum der Berge an Silberund Blei war indessen anscheinend erschöpft und die Aus-beutung der Werke seit langer Zeit eingestellt, weil derErtrag nicht einmal mehr die Betriebskosten deckte. Dieromantische Lage des Ortes aber, ein ziemlich starkerSäuerling, verbunden mit der kräftigen, reinen Wald-luft, hatten das Städtchen zu einem beliebten Gesund-heitsorte, vorzugsweise für Norddeutsche, gemacht. Be-sonders kam es als Sommeraufenthalt der Städter inMode, seit der Fürst des Ländchens alljährlich einigeWochen daselbst zuzubringen pflegte.

Die diesjährige Saison war durch zahlreichen Be-such besonders glänzend, ohne doch dem Leben der Gesell-schaft den ungenirten, familienähnlichen Charakter zunehmen. Auch die Redaktion desStachelschweins " fin-den wir unter den Namen der Badegäste vertreten. Derjunge Dauß war mit der Ausführung einer neuen Bahn-linie durch das Ländchen betraut wie gewöhnlich unterdem mächtigen journalistischen Protektorate seines Vatersund dessen Freunde, was die öftere Anwesenheit der-selben in H. veranlaßte.

Wir haben schon gesehen, wie das edle Redaktions-Triumvirat die Machtstellung, welche es in der Presseeinnahm, zur Grundlage ausgedehnter Unternehmungenzu machen wußte, bestimmt, den übermäßigen und unge-ordneten Luxusbedürfnissen der Chefs zu dienen. Sowaren es auch weitgehende und großartige Pläne, welchediesen kleinen Badeort gegenwärtig als Operationsbastsgünstig erscheinen ließen.

Seit einiger Zeit befand sich die ganze Gegend inAufregung. Der alte Reichthum der Erde kehre wieder,hieß es. Der Ingenieur Dauß, ein geschickter, in allerArt ober- und unterirdischer Meßkunde, mehr aber nochin findiger Benützung gegebener Verhältnisse erfahrenerTechniker, hatte, wie man erzählte, eine nächst H. andurch die neue Bahnlinie für den Verkehr besonders