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seinen Weg dorthin, und am Christabende erstrahlte eineherrliche Tanne im Lichterganz und erinnerte an diedeutsche Heimath. Bei einbrechender Dunkelheit er-schienen die Kinder und die jungen Burschen, welche zurPußta gehörten, und sprangen wiederholt um das Herren-haus herum. Sie hatten Schellen anhängen, oder Glöck-chcn in der Hand, und nachdem diesem Weihnachtsbrauchgehuldigt war, wurden sie mit Aepfcln, Nüssen undkleiner Münze beschenkt.
An den langen Winter-Abenden kam die Jugendregelmäßig, um sür die Herrin Federn zu schleißen; derLohn dafür war der sogenannte „Federnball", welcherseinem Namen alle Ehre machte, denn die ganze Dekora-tion des Raumes deutete schon daraus hin.
Zieht dann der Frühling wieder in's Land undmit ihm das schöne Osterfest, so wird man mit einemneuen Brauche bekannt gemacht. Am ersten Feiertagemüssen sich's die Damen gefallen lassen, von denHerren begossen oder doch wenigstens angespritzt zuwerden, und man darf sich's sogar noch zur Ehrerechnen, wenn man nicht umgangen wird, denn es giltals Zeichen von Werthschätzung. Da gibt es manch-mal heiße Schlachten, wenn beim muntern Frühstückdie Wassergläser erhoben werden und die Damen zu ent-fliehen trachten. Der Ostermontag ist übrigens der Tagder Rache; da wird von der anderen Seite offen odermit List gekämpft. In Städten trägt man Ringe, andenen kleine Gummibälle, gewöhnlich mit Eau-de-Cologne gefüllt, befestigt sind.
Ganz entgegen dieser Art des Osterbrauches machenes die Landleute. Da kommt nicht selten der Burscheund läßt es auf diesen Probierstein ankommen. Ist ihmder Gegenstand seiner stillen Verehrung nicht gewogen,so läßt sich das Mädchen nicht finden; soll er aber er-muntert werden, so wird ihm das Suchen sehr erleichtert,und mit Jubel geht's dann zum Brunnen, um diesenBund gleich recht kräftig zu besiegeln. — Der Sitte desMaibaumes wurde aus der Pußta auch gehuldigt.
In Ungarn wird die Landwirthschaft und Viehzuchtgroßartig betrieben. Ein Magnat theilt nicht selten seinenBesitz in verschiedene Pachtungen, und jeder Pächter be-herrscht wieder einen ausgedehnten Wirkungskreis. Aufder Pußta wurden an einem Tage gleich Hunderte vonSchafen verkauft; auch die Schweinezucht wurde in großemMaßstabe betrieben. Wenn in Zwischenräumen die Schweinefür den eigenen Bedarf geschlachtet wurden, dann gab esalle Hände voll zu thun mit Sprckfchneideu, und Allesdrängte sich zu dieser Arbeit, welche unter heiterem Ge-plauder vor sich ging.
Das Federvieh war auf der Pußta reichlich vertreten,und ich hörte da etwas aus dem Leben dieser Thiere,was nicht allgemein bekannt sein dürfte. Die Kapaunewerden nämlich nicht selten dazu benützt, Eier auszubrüten.Man gibt dem Thiere eine unschädliche Dosis einesgeistigen Getränkes, um es zu betäuben, und in diesemZustande wird es aus die Eier gesetzt. Nüchtern ge-worden, bleibt der Kapaun dann ruhig sitzen und führtspäter die Küchlein spazieren trotz der sorgsamsten Henne.
Einmal wurde das patriarchalische Leben auf derPußta durch einen jähen Schrecken unterbrochen. Einheftiges Gewitter entlud sich zur Nachtzeit, und der Blitzzündete; ein großes VorrathShaus wurde ein Raub derFlammen. Nach Jahren mußte ich in Ungarn zumzweiten Male alle Schrecknisse eines nächtlichen Brandes
miterleben; auch das trostlose Bild einer durch Hagel-schlag vernichteten Ernte war mir nicht erspart.
(Schluß folgt.)
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Quacksalberei in vergangenen Tagen. WaSdie „Aerzte" in alter Zeit ihren Patienten zu verschluckenzumutheten, davon legen die Verordnungen zweier SöhneAeskulaps, der Leibärzte Gustav Wasa's , Zeugniß ab.Als am 29. September 1560 der Schwedenkönig GustavWas« auf dem Sterbebette lag, wurden ihm von MeisterJakob und Meister Lukas Brahe, seinen Aerzten, im Ver-lauf von 24 Stunden folgende „Heil- und Stärkungs-mittel" in abwechselnder Aufeinanderfolge dargereicht:Veilchensyrup, Granatapfel, Endivienwasser, Cichorie,purgirender Trank, Mandelmilch, weichgerührte Eier,Pomeranzen-Confect, gesottene Haselhühner. Da der Magendes Kranken, wie leicht erklärlich, dieses Durcheinandervon Medizinen und Speisen nicht bei sich zu halten ver-mochte, so klagte der König noch kurz vor seinem letztenAthemzuge, wie traurig eS sei, daß er sich mit allemseinem Reichthum nicht einen „geschickten Arzt" erkaufe»könne.
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Unerwartete Wendung. Sie: „Du glaubstalso an nichts?" — Er: „Ich glaube nur das, was ichverstehe." — Sie: „Nun, das kommt auf dasselbe hinaus."
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III.
Nasser dem sebaebliobenäen Lalikeu Ilutasim Dillak sinduns indessen aueb noob andere Hamen von bervorragevden8cbaebsxielern aus jener Lpocbe arabisebsr 8okaobkunst er-baltsn geblieben. 8o erfreute sieb namentlieb äer imäabro899 neck 6kr. rn Lagäaä verstorbene Xrrt LbulL,bbas, äer sogar eins 8cbrikt über das 8ebaebspiel ver-fasst baben soll, unter seinen scbacbfrsunälicben Danäsleuteneines uiebt geringen ^nsebsns. Die Vorliebe äer Xraber küräas 8xis1 sobeint rismlieb lange angeäauert ru baben, äaaus äer Zeit von 930—950 naeb Obristus uns nocb niedrere8xielor von Ruf, wie Ldali, ^1 8uli unä Lajlaj, mit äeinausärücklioben Demerken benannt werden, äass sie sieb auobliterariseb mit äein 8obacb bescbäktigt bätten unä so go-wissermassen als äie Debrmeister ibrer Volksgenossen ?.u bs-traebten wären. Zweifellos ist, äass äie 8araoeoen aufibren Lriegsrügsn äas 8obaeb in äas Lbenälanä ver-pflanzt baben, worauf sebon der Umstand binweist, äassäie erste Dlütbereit äss 8ebaebs in bluropa aufspanisebem unä italioniscbem Loden, also geraäsin äev beiäen Dänäern sieb entfaltete, welebe am längstenvon äer Invasion äer 8araoenen beimgesucbt waren. Xussorin arabiseben Landsebrikten ilnäot jeäoeb äas 8ebaob umjene Zeit aueb in äer incliscben Ditsratur mebrfacbs Dr-wäbnung, so bei äein Lasmirer Latnakara in äer ersten Hälfteäes neunten äabrbunäorts naeb Obristus unä bei Ludrata inäer rweiten Hälfte äes glsiobvn äabrbunäorts. Unter äenbleupsrsern feiert um äas äabr 1000 äer ^nnalvnsebreiberDiräusi in sebwungvoller V/eise äas 8ebavb unä äer anno1030 verstorbene Diebter Dnsuri widmete dem ObaswanidenNabmuä ein sinnreicbes 8ebaebgeäiebt. — Vls Lsweis dafür,äass äas 8ebaeb wabrsebeinlieb durek bobes 8pielen um6elä, damals aber aueb ru ^ussebreitungen kübrto, kannandererseits wobl die Vbatsaebo gelten, dass ru derselben Zeit,um welebo die obsngsnannton Diebter das 8pisl feierten, derXalik Dakun su Xairo dasselbe allgemein unä strenge verbot.
(Dortsetruug dieses ^bsebnittes in 14 Vagen.)