Ausgabe 
(20.11.1896) 96
Seite
743
 
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Na, um ko tausend Guiden nimma! Da GeistHot scho g'wußt, daß i dem Pfoarra sei Schwein g'stoin hätt'."

Oha! Das hat er scho g'wußt? Da glaab i dirscho, daß d' nixen ausrichten ko'st."

Am andern Tage war die Heldenthat des Gimpl-Sepp schon im Schloß bekannt, und noch fürchterlicher,als sie in Wirklichkeit war. Wen lief eine Gänsehautnach der andern über. Keiner hätte mehr um alle gräf-lichen Reichthümer zum zweiten Mal die Erlösung gewagt.Was blieb dem Grafen übrig? Er mußte wieder seinerGemahlin nachgeben und das Schloß verlassen. DieFrauen behalten ja immer Recht, meinte der alte Kutscher-Schneider, als er mir die Geschichte erzählte. jDies Malmußte der Graf um so mehr nachgeben, weil auch diealte Kammerfrau nicht mehr im Dienst bleiben zu könnenerklärte, wenn man auf dem Schlosse bleibe.

Man war gerade am Rüsten zur Abreise am andernTage, als ein flottes Gräflein zum Schloß geritten kam.Es war Graf Hugo, ein Neffe des Schloßbcsitzers. Ersollte in Jngolstadt, wo damals die Hochschule noch war,die Rechte studircn, um sich dem Staatsdienst zu widmen.Sein Bater war im Kriege gefallen, und der Herr desSchlosses war sein Vormund. In den letzten Jahrenhatte das Gräflein seinem Vormund wenig Freude be-reitet durch seine tollen Streiche; aber er hatte doch eineStaatsprüfung gut bestanden und wartete jetzt auf eineAnstellung. Er wollte mit dieser Nachricht seinen Onkelund Vormund überraschen. Er kam nun gerade recht.Er staunte über das Durcheinander im Schloß und fragteeinen Diener. Da war er bald in die Geschichte ein-geweiht.

So, eine Geistergesch'chtc? Wie romantisch! Schade,daß die ermordete Kammerzofe nicht mehr lebt und nichteine Prinzessin ist, da würde ich als Held und Befreierauftreten können. Melde Er mich noch nicht der gnädigenHerrschaft, sondern rufe Er mir den Braumeister Dichtl.Versteht er mich?"

Jawohl, Herr Graf.

Gerade pfiff er ein Studentenliedl, als der Bräu-meister Dichtl eintrat unter tiefen Buckeln und demüthigenBegrüßungen.

Aber der Herr Graf treffen es gerade nicht gut;die gnädige Herrschaft gedenkt morgen abzureisen!"

So? Wegen der Spukgeschichte! Aber Herr Dichtl,wie wär's, wenn ich 'mal probirte, den Geist zu erlösen?"

Um Gottes willen, wagen Sie es nur nicht!"Jetzt erzählte er den fürchterlichen Hergang der Geschichtedes Gimpl-Sepp, wie er diesen noch gerade vom Todeerrettet habe.

Ja, ich bin aber doch kein Gimpl-Sepp! Ich willnun einmal die Sache probircn. Ich sag' Ihnen nur,daß Sie mich auf das verhexte Zimmer führen. SorgenSie für meinen Fuchs, und dann bringen Sie Wein undSpeisen auf das Zimmer. Verstanden! Aber das sag'ich Ihm, daß Er mir reinen Mund hält; der Herr Onkelund gnädige Frau Tante dürfen von mir und meinemVorhaben nichts erfahren, bis ich meine Aufgabe gelösthabe."

Der Braumeister mußte sich fügen. Er dachte aber,dem wird's wohl noch schlechter ergehen, daß er nichtmehr zum zweiten Mal die Geister zu erlösen verlangenwird.

Der junge Graf machte es sich bequem auf demZimmer. Er hatte Wein genug, um sich frisch zu halten,

und vertrieb sich die Zeit so gut es ging. Neben ihmlagen zwei geladene Pistolen. Endlich schlug es Zwölf,und die nämliche Geschichte wiederholte sich wie beimGimpl-Sepp.

Der Graf war aufgesprungen und hielt eine Pistolevor.Keinen Schritt weiter, oder ich schieße I" donnerteder junge Mann das Gespenst an. Aber das Gespenstkam näher und machte sich recht groß. Da schoß derGraf und traf eine Stange, welche davonflog; auf derStange war ein Hut aufgepflanzt gewesen, und darüberhatten lange, weiße Linncntücher gehangen. Jetzt warder ganze Umhang weggeflogen, und vor dein Grasen aufden Knieen lag der Braumeister Dichtl und flehteum Gnade.

Das war also der Geist! Vielleicht hätte der jungeGras sich durch die demüthigen Bitten des winselndenMannes auch erweichen lassen und hätte ihm das Ver-sprechen abgenommen, die Spnkcrei ein für alle Mal ein-zustellen; aber da stürmte auch schon der Herr Onkel,der noch wach gewesen war und den Schuß gehört hatte,herein im Schlafrock und mit blankem Degen, von einigenDienern und Bräuburschen gefolgt. Wie stutzte der Onkel,als er die Scene sah: seinen Neffen mit der Pistole inder Hand und den alten Dichtl vor ihm auf den Knieen.

Wir können uns nun kurz fassen. Der Graf über-gab den alten Betrüger seinem Kammerdiener in Ver-wahr und eilte mit seinem Neffen zu seiner geängstigtenGemahlin, um ihr das Ende des Spukes zu verkünden.Dieser Streich des Neffen machte alle andern Streichewieder wett, und der Neffe lernte die Huld seines Onkelsund Vormundes, der nur eine Tochter, aber keinen männ-lichen Erben besaß und ihm zeitlebens dankbar blieb,später genugsam schätzen.

-»-SWWS-«-

ALLerLei.

Sonderbares Neujahrsgeschenk. Ein PariserEhepaar beräth sich über das Budget der Nenjahrsgaben.«Waö habe ich Dir denn eigentlich letztes Jahr gegeben?"fragte er.Nun meinen Pelzmantel; Du hattest ihnaber auf Credit gekauft."Ja, ganz richtig! Nunweißt Du was? Als heuriges Neujahrsgeschenk werde ichihn für Dich bezahlen."

*

Verschnappt. Hanswirthin szu dem Wohnungsuchenden Studentenj:Die Miethe muß selbstverständlichpünktlich bezahlt werden .... nun, daS wissen Sie ja."

Studiosus:Natürlich.sonst hätte ich ja in

meiner alten Wohnung bleiben können!"

Boshaft.GeheimrathS Ludmilla ist ganz stolzdarauf, daß Studiosus Zippe! sie gestern aus dem Kasinoabgeholt hat."Na, der hat schon manchen Affennach Hause gebracht!"

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lZines äer ältesten Zeugnisse kür das Lebacb im iVbend-lando ist die Ueberlieferung, rvonaed im dabro 764 na cdDkristus kixin der Kleine dem Kloster LIaussac einLebaebspivl aus Kristall rum Oesebenk gemaebt bade» soll.Das älteste dandscdriktliede AeuZniss kür das Lebacb speriell