Ausgabe 
(20.11.1896) 96
Seite
742
 
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zimmer, wo die Tagwerker gerade ihre Maß Schöps, dasheißt Nachbicr, tranken zumDreibrod". Die Bedienstetenwaren nämlich meistens Dorf-Eingesessene, die ihr HäuSlund ihre Familie hatten.

Da war nun der Gimpl-Sepp, ein gewaltiger Sprecher,der 'mal einige Jahre ein paar Stunden weit weg als Knechtgedient und dann sechs Jahreg'spielt" hatte, das heißtSoldat gewesen war. Ader man erzählte sich, daß manihn bei den Soldaten nach einem halben Jahre wegenUnbrauchbarkeit fortgeschickt hatte. Er sprach indeß immervon vollen sechs Jahren. Der wußte nicht genug Aben-teuer aus seiner Burschen- und Soldaten-Zcit zu er-zählen. Man lachte zu seinen Aufschneidereien, aberglauben that sie ihm niemand. Dann war da der Ochs'rer-Pcter; er war der erste Fuhrmann bei den Ochsen, einguter, langer und steifer Gesell, der manches von seinensteten Begleitern, den Ochsen, angenommen hatte. Dannwar da derVorgcher" oder Vorarbeiter, schon etwaspfiffiger. Er stand im Gerede, daß er mit dem Brau-meister an einem Seil zog. Er wohnte neben dem Brau-meister innerhalb der Schloßmauer. So saßen sie zu-sammen, dieG'schlMer", wie man die Schloßarbeiterjnannte, und dieOchs'rer", die mit den Ochsen fuhren.Gimpl-Scpp spielte natürlich wieder die erste Violine.Man sprach gerade über die Waizcn. Gimpl-Sepp er-zählte, wie er einmal als Knecht in einem Walde siebenGeister erlöst hätte, aber keiner wollt's ihm so recht glauben,obgleich er es hoch und theuer verschwor.

Nun, wenn du schon sieben Geister erlöst hast,wüst leicht einen erlösen," sagte der Braumeister ein-tretend und dem Gimpl-Sepp auf die Schulter klopfend.

Glauben's ebba not, Vraimoaster?"

O g'wiß, i woaß ja, was du für a Schneid hast.I sog ja, wenn du sieben Geister erlösen ko'st, do ko'stvan oanz'gen leicht erlösen."

Natürli ko dös da Sepp," ließ sich kichernd derVorgcher vernehmen.

,Dös moan i a," kam hintcndrein der Ochfrer-Petcr.

Scherz bei Seit', Sepp! Der Herr Gras wünscht,daß du den Geist erlösen sollst."

Was net goar! Da Franzus? Na, der vcrdient'suet. Der soll nur waizen. Warum hat er die JnugscrKathi Gott hab' s' selig um'bracht!"

Ja aber der Herr Graf wünscht es, hörst, Sepp,und hundert Guiden kriegst, wenn's der gelingen thut."

Oho! hundert Guiden. Die wären schon recht!"meinte der Sepp.

Woas, hundert Guiden! Dös is vni (viel)," meintelauernd der Vorgcher,dafür thu i's a."

Na, der Sepp soll's alloan verdien«. Also moagstoder net? Fünf Guiden kriegst glei und die andern nacha,wenn d' G'fchicht guat außageht."

Do wär i glei dabei," grunzte der Ochs'rer-Peter.

Ja das Geld wär scho recht, aber . . und dakreiste der Sepp sich hinter den Ohren.

Aber sie ließen ihn nicht mehr aus.Schau! siebenGeister will er erlöst hoben, und jetzt fürcht' er oanoanz'gn," hieß es von allen Seiten.Host cbba koanSchneid net?"

Geh' weiter und blamir di uet," nahm wieder derBraumeister daS Wort. ,,J bleib scho bei dir. Freund!;wennst schreist, do stimm i und helf dir. Kurasch mußthob'n; surrst sogn'S glei: Sprccha ko a scho, aber Knraschi

Hot a net für koan Hella. Schau, fünf blanke Guidei.und noch a ganz Sackl vui blanki Guiden sind bei,wenn's guat außa geht."

Endlich nach langem Schlucken und Krcilen warder Sepp bereit, das Wagniß zu übernehmen.

Mit einer halbblinden Laterne ausgerüstet, geht Seppin später Abendstunde, vom Bräumeister begleitet, ganzverzagt aufs Thurmzimmer. Selbst mehrere Maß Bier,die ihm der Braumeister zur Stärkung hatte vorher ein-schenken lassen, hatten seine Stimmung nicht zu verbessernvermocht.

Da sitzt nun der Sepp allein im kalten, düsternZimmer und wartet knieschlotternd auf den Geist, den ernach seinem Begehr fragen soll, wie ihn der Bräumcisterangelernt hat. Er hat jetzt Zeit zum Nachdenken, undda findet er manchen schwarzen Punkt in seiner Ver-gangenheit. Einmal hat er, nebst andern Unthaten, dieer jetzt der Reih' nach laut bekennt, sogar dem Pfarrerein Schwein gestohlen. Es wird ihm immer schwerer zuMuth, je mehr die zwölfte Stunde näher rückt. Lautsagt er, wie ihn der Braumeister unterrichtet hat, her:Alle guaten Geister loben ihren Monster", und da erschnell und immer schneller spricht, macht er die Ver-wechselung:Alle gute» Moaster loben ihre Goaster."

Endlich beginnt die Thurmnhr auszuholen, um Zwölfzu schlagen. Sie schlägt eins, zwei, drei bis zwölf. Mitdem letzten Schlag entsteht ein gewaltiges Gepolter undGerassel, und an einem alten Kastenschrank springt dieThüre auf, und ein Geist, mit weißen Tüchern behängen,tritt heraus und langsam näher. Er macht sich großund wieder klein furchterregend anzusehen.

Wer bist du, Fremdling, der du es wagst, dieGnstcrrnhe zu stören," spricht der Geist mit dumpfer,hohler Stimme.

I bin ... i bin da Gimpl-Scpp!"

Gimpl-Scpp, was willst du? Sprich!"

I soll . . . i soll di erlösen!"

Du willst mi erlösen und hast dem Pfarrer einSÄwciu gestohlen? Zurrst mußt du büßen für deineFrevelthat."

I . . . i . . . will ja gern."

Lege dich aus dein Angesicht."

Der Sepp gehorcht.

Wenn du dich rührst, dann bist du verloren."

Nun wirft der Geist eine große Decke über ihn, sodaß der arme Sepp kaum schnaufen kann; er wagt nichtdas geringste Muckser! zu thun. Es entstand nun eingewaltiges Gerassel und Gepolter um den armen Seppherum. Plötzlich war alles wieder still, und der Spukwar vorüber. Der Sepp blieb aber noch immer wietodt liegen.

Endlich trat der Bräumcister ein.Nun, Sepp,wo bist denn?"

Keine Antwort.

Er hebt die Decke auf.Ah, da bist ja. Wiekommst dahin? Nun, hast den Geist erlöst?"

Der Sepp stöhnt nur.Ah, Sie sind's, Herr Brai-moaster? Scind's auch wirkli?"

Ja, i bin's schon. Narr! Hast den Geist erlöst?"

O, der wollt' sie goar net erlösen lassen," meinteSepp, nachdem ihm der Muth etwas wiedergekehrt war.

Na, dann mußt's noch a anders Mal probiren, daßdein, hundert Guiden verdienst!"