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Unrechts bewußt", entgegnete Otto. „Mein Beginnenist unedel, niedrig, abscheulich, ich weiß es wohl; aberes liegt für mich ein Zauber in dem Buche, der michunwiderstehlich lockt. Weßhalb läßt sie auch ein Manu-skript in meinen Händen, weßhalb führt siemich in Versuchung? Sie selber hat es sichzuzuschreiben, wenn ich in den Tantalus-qualen erliege. Gönne mir nur noch wenigeWorte ungestört zu lesen." Er heftete dieAugen wiederum auf die zierliche Handschrift.
und erhob meine unbedeutende Person zum Helden ihresersten Romans", konnte sich Otto nun doch nicht ent-halten, dem Freunde mitzutheilen.
„Blaustrümpfe und kein Endel" knurrte der Päda-
Die Worte aber, welche seine Aufmerksamkeitfesselten, welche er erst mit der Hast einesbösen Gewissens überflog, dann aber, kühnergeworden, wieder und wieder las, lautetenalso: „Heute vertiefte ich mich noch einmalin Saarsteins Reisebilder. Ich habe diese un-vergleichlichen Land- und Sittenschilderungengelesen in den verschiedensten Stimmungenund unter den verschiedensten äußeren Ver-hältnissen, im stillen Kämmerlein des Eltern-hauses und mitten im Getümmel der Eisen-ahnreise, — immer und überall haben siedenselben tiefen Eindruck auf mich gemacht.
Seine Gedanken und Gefühle treten an michheran wie alte Freunde, wie herzliche Ver-traute. O, ich liebe den Mann mit seinemwarmschlagenden Herzen für alles Edle undSchöne, mit seinem offenen Auge für dieWunder der Natur. Mit welch' entzückenderPracht malt er die üppige Tropenwelt, diewilde Schönheit der Gebirge, die unermeß-lichen Prairien, das vom Sturme gepeitschteMeer! Wie machtvoll ergreifend schildert erdie todesstarre Einöde des Polarmeers, diegefahrvollen Gipfel der Alpen, die furchtbarenGluthwüsten Afrika 'sl Es war nicht eitlerEhrgeiz, der ihn dorthin in jene Gefahrentrieb, es war der Drang, Eroberungen fürdie Wissenschaft, für die Wohlfahrt der Völkerzu machen. Alle seine farbenreichen Schilder-ungen haben einen ernsten Grundton, die buntenAcußerlichkeiten sollen eine geschichtsphilosoph-ische Idee illustriren. — Und dieser Mann, derdie Bewohner zweier Hemisphären begeisterte,dem alle Welt ihre Huldigung darbrachte,zieht sich in das Stillleben der ländlichenHeimath zurück, um hier, wenn auch in an-derer Weise, segenbringend zu wirken. DerBeweggrund seines Handelns ist stets reine,edle Nächstenliebe. Ich verstehe diese hoheMcnschennatur, ich glaube, sein innerstes Wesenerfaßt zu haben. Das Ideal, das mir imHerzen lebte, das erst in unbestimmten Um-rissen mir vorschwebte, verdichtete sich undnahm Gestaltung an, als ich ihn kennen lernte.
Ich habe versucht, von seinem groß und edelangelegten Charakter ein schwaches Bild zu ent-werfen in meinem Roman, zu dessen Schöpfungmich die Begeisterung für ihn anregte. „Aufder Höhe" betitelte ich diese Erstlingserzähluug,weil mein Held auf der Höhe jener Lebcnsanschauung steht,die das wahre Glück nur darin sucht, Gott zu dienen undden Menschen nach Kräften zu nützen."
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„Aotofr", das größte Segelschiff
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^ goge. „Ich habe heute gerade genug von dieser Spezieskennen gelernt, um einen gründlichen Widerwillen dagegen
„Denke Dir, Georg, die Dame ist Schriftstellerin
zu verspüren. Die Brille auf spitzer Nase, Tintenfingerund den Kopf voll Dünkel I"