Ausgabe 
(22.12.1896) 105
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meine Ehre, mein größtes Glück sein wird, an DeinerSeite für das Wohl der Dir anvertrauten Untergebenensorgen zu helfen?" Sie schaute glücklich lächelnd zu demGeliebten auf.Und nun kein Wort mehr darüber."

Langsam schritt das Paar Arm in Arm dem nahenWanderziele zu.

Wir wollen den Anderen nichts von unserem seligenGeheimniß verrathen, bis meine Eltern die Einwilligunggegeben haben", bat Lily.

Amanda von Elz jedoch wußte sich sehr rasch zufassen, oder sie vermochte es meisterhaft, die Gefühleihres Innern zu verbergen. Auf der sechs Wochen späterstattfindenden Hochzeit des glücklichen Paares schien siedie munterste von allen Gästen. Georg Hesse, der aufihren Wunsch auch diesmal ihr Ritter war, konnte sichjetzt nicht über Gleichgiltigkeit und Unaufmerksamkeit be-klagen.

Die Hochzeit, welche im Elternhause der Braut ge-feiert wurde, war zugleich auch ein Freudenfestfür die ganze Herrschaft Saarstein. Man hatteimmer noch daran gezweifelt, ob der Majorats-herr nicht eines Tages einem neu erwachten Dränge,fremde Länder zu durchforschen, nachgeben werde.Die Vermählung des Freiherr» gab den Unter-thanen jedoch die freudige Gewißheit, daß erdas Feld seiner segensreichen Wirksamkeit nichtmehr verlassen werde.

-SSN-S-

Die drei Verschworenen. Nach dem Gemälde von G. LÜS.

Zweifelst Du daran?"

Gewiß nicht, Otto. Doch ich möchte, daß meineEltern die Ersten seien, welche von unserem Herzens-bündniß in Kenntniß gesetzt würden."

Du hast Recht, meine Lily; noch in dieser Stundesoll es geschehen", erklärte Otto feurig. Es war ihmfast lieb, daß er auf diese Weise genöthigt war, derschönen Wittwe persönlich seine Verlobung mit Lily zuverkünden.

Sattel iliid Lasso i» Mexiko .

Von Dr. E. Below.

Berittene Geistliche und berittene Richter,berittene Aerzte und auch sogar berittene Heb-ammen, berittene Almosensammler und Bettler nur nicht berittene Schreiber- und Schneider-Seelen trifft man überall in Mexiko , be-sonders auf den gebirgigen Hochländern, aberauch im flachen und Tieflande. In den Silber-minenstädten und deren Umgegend reitet Alles,auch die Frauen.

Ich wüßte kein Land der Welt, wo so vielgeritten wird, wie in Ungarn und Mexiko . BeideLänder gleichen sich sehr im Reiten wie im Fahren,im Essen wie im Trinken, in der Küche wie inder Kirche, im Singen wie im Lieben; in demFreier, der nicht reiten kann, sieht die Frau dortkeinen rechten Mann. Wer bloß Ritter von derFeder und der Elle ist, zählt nicht mit, er mußRitter mit Flinte, Sporn und Lasso sein, danngilt er.

Hat die Sache in Ungarn zuweilen einenetwas hunnischen Beigeschmack, so hat sie inMexiko einen arabischen, von den den Spa-niern beigemengten maurischen Elementen her,die durchCortez und seine Nachfolger als gut spanischin die eroberte neue Welt mitKreuz und Sattelübertragen wurden; denn diese beiden Sachenwaren dem alten, in einer eigenthümlichen Natur-religion von ihren weisen Priestern erzogenenKulturvolk der Azteken noch neu.

Sie betrachteten die ersten berittenen Spanier,die ihnen das christliche Kreuz und den spanischenSattel ins Land brachten, als Barbaren undCentauren und flohen vor ihren Pferden, die sienoch nie gesehen, und ließen sich taufen, wie die Sachsenunter Karl dem Großen. Wie es Bernat Diaz in seinerEroberung von Mexiko " beschreibt (siehe: Deutsche Zeitungvon Mexiko " (Januar 1896).

Die Liebe für Musik und Reiten, wie sie in derberühmtesten aller ungarischen Rhapsodien von Liszt aus-gedrückt ist, läßt sich auch im Lande Mexiko finden.

Arabisch ist am mexikanischen Sattel der großebreite tellerförmige, Sattelknopf, auf dem beim langen