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Euer Wohlwollen nicht nur zu bewahren , sondern mich
desselben in noch höherem Grade würdig zu machen .
Der Allerhöchste möge Eure Hoheit noch auf viele Jahre
dem christlichen Staate gesund erhalten . " Die Zuschrift
datirt von Nürnberg aus , wohin Orlando wohl in Be¬
gleitung des Herzogs gekommen war , als sich dieser mit
Gefolge zur Königswahl Maximilians II . nach Frankfurt
begab . Der Kaiser verlieh unserm Meister und seinen
Nachkommen beiderlei Geschlechts auf dem Reichstag zu
Spcyer unangesucht die Adelswürde und das ritterliche
Wappen . In dem Diplom , das datirt ist vom 5 . De¬
zember 1570 , ist nicht nur Orlando uugcmein gelobt ,
sondern sowohl der kirchlichen als profanen guten Musik
und dem Gesang höchstes Lob gespendet . Es mag hier
sofort auch der Auszeichnung Orlando ' s seitens des hl .
Vaters Gregor XIII . in Nom Erwähnung gethan sein ,
obwohl wir dadurch der Zeit etwas vorgreifen . Der
Meister widmete dem Papste einen Band Messen , und
zwar den zweiten Band der Prachtausgabe in fünf großen
Foliobänden , die der Herzog Wilhelm auf eigene Kosten
drucken ließ . Der erste Band , Motetten , ist dem Herzog
selbst gewidmet . Er reiste persönlich nach Nom , über¬
reichte sein Werk persönlich . Papst Gregor empfing ihn
auf das wohlwollendste und verlieh ihm die Würde eines
Ritters des goldenen Sporus — äo rmrirsro xaitü -
vipantiuin — und ließ ihn durch zwei Ordensritter in
der päpstlichen Hofkapelle mit dem Sporn und Schwerte
feierlich bekleiden und umgürten . Reise und Aufenthalt
in Rom ließ der Herzog durch Max und Hans Fugger
erlegen laut Rechnung : „ Dem Orlando di Lasso in
Rhom 400 Cronen . " Bevor er dieser Auszeichnungen
zu Theil wurde , haben wir noch zu bemerken , daß er
in den Jahren 1564 — 1569 nicht weniger als 32 Bände
schrieb , die allermeist in der königlichen Bibliothek in
München aufbewahrt sind . Orlando war nicht nur ein
genialer Mann , sondern ungcmcin fleißig , fast zu fleißig ,
handelnd nach dem Grundsatz : uutlg , äi68 sins linsn ,
er rastete nie , rostete aber auch deßwegen nie .
Geehrt von Fürsten , geehrt vom Volke , drang sein
Ruhm auch in das Ausland , so auch an den Hof des
Königs Carl IX . von Frankreich . Dieser Fürst wollte
ein Musik - Akademie errichten . Sei es nun , daß der König
selbst Orlando rief , um seinen Rath in Anspruch zu
nehmen , sei es , daß Orlando aus eigenen Stücken nach
Paris ging , um die Begnindung dieses Instituts zu
prüfen , sei es , wie einige auch vermuthen , daß der König ,
welcher durch das Andenken an das vergossene Hugenotten¬
blut ungemein wehmüthig gestimmt war und die Klage¬
töne der Bußpsalmen Orlando ' s von ihm selbst dirigirt
hören wollte , um für sein krankes Herz Linderung zu
finden — kurz , Orlando ging nach Paris , wohin es ihn
schon länger zog , wie er selbst sagt „ suin sx Havarier
liutstiam , susus ur ' ois invisanäaa oupictitats äiu
La ^ raraw , xervsnisosrn " rc . , und wohnte bei dem vor¬
trefflicher : Tonküustler Adrian Leroy , der auch als Buch¬
drucker und Musikalienhändler einen großen Ruf hatte .
Durch Leroy wurde Orlando dein Könige vorgestellt und
von diesem derart mit Gunstbezeigungen überhäuft , daß
Leroy ganz naiv in einer Dedication eines Werkes an
den König sagte : „ Du hast den Orlando auf eine solche
Weise ( wovon mehrere Personen Zeugen gewesen sind )
empfangen , daß er sich rühmen kann , von Dir mehr
Ehrenbezeigungen und Beweise der Herablassung und
Freigebigkeit erhalten zu haben , als der größte Theil
derer , welche in diesem Jahre aus dem AMande ge¬
kommen sind , um Dir ihre Huldigung darzubringen . "
Nach Leroy wurde Orlando vom König auch reichlich be¬
schenkt „ baesam nauusrg . xlans rs § ia . , gug . s tu Or -
lauckuw . oontulisti " , und nach Philipp Vosguier hat der
König Orlando durch das Äalteser - Kreuz geadelt . Es
könnte scheinen , als ob in den angeführten Worten Leroy ' s
etwas Eifersucht enthalten sei , was bekanntlich auch bei
Künstlern sehr gern mitspielt ; wir glauben , dies ent¬
schieden verneinen zu müssen , denn Leroy schreibt über
Orlando : „ Dieser große Meister und ausgezeichnete
Künstler mit seinem Talente und seiner Gelehrsamkeit
könnte allein als Gesetzgeber für die Musik gelten , denn
feine bewunderungswürdigen Erfindungen , die sinnreichen
Combinationen , die Lieblichkeit , die Naivität , die charakter¬
istische Zeichnung , die kühne Ungezwungenheit , die gefälligen
Harmonien bieten Grund genug , seine Musik als ein
Muster zur Nachahmung aufzustellen . " Gewiß schöne
Worte über einen Meister aus dem Munde eines
Meisters ! Ein Dichter aber singt begeistert :
„ Thiere hat Orpheus , Felsen Amphyon , Arion Delphine
Nach sich gelockt , doch Orlando : Erde und Meer im Vereine .
Er hat sie nach sich gezogen mitsammt dem Gewölbe des Himmels .
Also , um wie viel ist dieser allein doch größer und stärker
Denn jene drei zumal : Amphyon , Arion und Orpheus . "
Dem König Carl IX . widmete Orlando in Paris
ein Buch fünfstimmiger Chansons mit zwei 8stimmigen
Dialogen , die in der Dedication eine Ode auf den Mon¬
archen enthielten . Trotz der Gunst des Königs , trotz der
liebevollsten Aufnahme in allen Künstlerkreisen , trotzdem
er sich durch seine Kunst bei den Franzosen den unbe¬
strittenen Ehrenplatz errang , vergaß der dankbare Mann
Orlando seine Heimath und seinen hohen Gönner , den
Herzog , nicht , er ließ in Paris eins Reihe fünfstimmiger
Lieder , componirt für den Herzog , drucken und sandte sie
mit einer Widmung und einem französischen Gedicht an
ihn , die Dedication ist wieder ganz und gar vom dank¬
barsten Herzen dictirt .
( Schluß folgt . )
Die Könige von Preußen und die Fürsten von
Hohenzollern sind Abenverg - Zollern , nicht
Zollern - Abenberg .
In einer Recension mit der Ueberschrift : „ Die Her¬
kunft der Hohenzollern " , veröffentlicht in der Beilage der
Allgemeinen Zeitung vom 6 . Oktober 1893 Nr . 277 , ist
ausgeführt , daß Professor Schmid in seiner neuesten
Schrift : „ Die Könige von Preußen sind Hohenzollern , nicht
Abenberger " ) , seinen Gegner , Archivrath Or . Christian
Meyer in Breslau , welcher 1889 behauptet hatte , die
Burggrafen von Nürnberg , die Ahnherren des deutschen
Kaiserhauses , stammen von dem Grafengeschlecht der Aben -
berg im Nangau ab ( Ausbach bei C . Brügel u . Sohn ) ,
gründlich widerlegt habe . Es wird sogar behauptet ,
Pros . Schmid habe an der Hand des spärlich vor¬
handenen Urkundenmaterials alle Zweifel
mit größter Sicherheit gelöst und den Leser
durch die zwingende Logik seiner Thatsachen -
gruppirung vollkommen zu seiner eigenen
Ueberzeugung zu bringen gewußt , so daß Meyer
seine frisch aufgewärmte Theorie gegenüber einem an
Gründlichkeit und Genauigkeit der Forschung , überhaupt
an gelehrtem Rüstzeug so unendlich überlegenen Gegner
nicht weiter zu verfechten vermag .
' ) Berlin 1892 bei I . A . Stargardt .