Ausgabe 
(12.7.1894) 28
 
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Mage zur Iiigskorger

12. Juli 1894.

Ein neues Diözesanwerk.

L. Eine historisch-topographische Beschreibung hatunsere Diözese Augsburg nach ihrem jetzigen Beständeschon durch den Benediktiner Placidus Braun im Jahre1816 erfahren. Ihrer Anlage nach war sie in kurzemund knappem Nahmen gehalten. In den jüngsten De-zenien begann der sei. Dowprobst Steichele sein monu-mental angelegtes Werk, das durch den bischöfl. ArchivarDr. Schröder würdig fortgeführt wird. Aber dessenVollendung wird wohl erst nach Ablauf einer Anzahlvon Jahren zu erwarten sein, vorausgesetzt daß, wie wirherzlich wünschen, der jetzige Bearbeiter Herr Archivarvr. Schröder in ungehemmter Kraft so rüstig und freudigdaran fortarbeiten kann, wie das bisher der Fall war.

Es ist demnach begreiflich, daß der Klerus der Diö-zese sich nach einem Buche sehnte, das langgehegtenWünschen wenn auch ohne Beigabe historischer Daten entspreche; dieser Wunsch ist nun erfüllt worden durchdie mit dem soeben erschienenen II. Band abgeschlossenePfründestatistik der Diözese Augsburg" des HerrnPfarrers Jakob Hopp in Krumbach. *) Vor vier Jahrenbegann der Herr Autor seine umfangreichen Vorarbeitenund erholte sich von jedem einzelnen Pfründebesitzer dienöthigen Aufschlüsse. Schon um deßwillen darf die Re-daction auf Authenticität Anspruch machen, wenn aucheinige topographische und bauliche Angaben individuellausgefallen sind. Wer da weiß, daß es schon schwerhält, von einigen hundert ähnlichen Stellen die Frage-bogen ausgefüllt zu erhalten, wird umsomchr die unge-mein große Aufgabe zu schätzen wissen, daß von über1200 Stellen die nöthigen Daten einzuholen waren, beimanchen war erst bet Drucklegung des betr. Bogens dasnöthige Material zu erhalten, wodurch der Druck argverzögert wurde, und dock ließ sich der Autor nicht ab-schrecken, trotz dieser sich thürmenden Hindernisse. Aberdas sei anerkennend hervorgehoben, daß weit über dreiVierttheile des Klerus diesen Gedanken einer Pfründe-statistik freudig begrüßten und mit Eifer und Geschick dienöthigen Aufschlüsse mit herzlicher Bereitwilligkeit zurVerfügung stellten.

Wenn wir nun das Werk einer eingehenden Durch-sicht unterwerfen, so waren für dessen Anlage anscheinendfolgende Gesichtspunkte maßgebend:

1) Lage des Pfarrortes, seine Zugehörigkeit zumbetr. Regierungsbezirk, Bezirksamt, Rentamt, Post- undBahnstation, Seelenzahl, Patron (Verleihung), die zumPfarrort gehörigen politischen Gemeinden, Zahl derAkatholiken.

2) Genauer Beschrieb der Kirche nach Bau undinnerer Ausstattung und namentlich auch Akustik (fürPrediger), deren Vermögen und Lasten (gestiftete Gottes-dienste), Anlage und Entfernung des Gottesackers vonder Pfarrkirche.

3) Pfründe-Einkommen, Pfründe-Vermögen und-Lasten, Widdum.

4) Beschrieb der Lage und baulichen Beschaffenheitdes Pfarrhofes und der Annexgebäude, der Bequemlich-

*) Hopp I., Pfründestatistik der Diöcese Augsburg . Lex.-8°.I. Band. IV u. 372 Seiten mit 2 Tafeln. II. Band, IV. 403u. 22 Seiten mit 1 Doppel-Tafel. Augsburg 1894. Liter. In-stitut von Dr. M. Huttlcr (Michael Seitz). Preis brosch. proBand M. 7,-, eleg. gebd. M. 8,50.

keiten oder, so man will, auch Unbequemlichkeiten, Bau-last, Reluitioueu.

5) Beschrieb der Schulen und Lehrerzahl und dereingepfarrten Gemeinden und Filialen nebst deren Ent-fernung von der Mutterkirche, Kaptäne und deren Unter-halt, Klöster, Bruderschaften und kath. Vereine, sowieEntfernung der nächstangrenzeuden Pfarreien (Beicht-gelegenheit.)

6) Verkehrsverbältnisse (Post, Telegraph, Eisenbahn-station und Botengelegenheiten, Entfernung des nächstenArztes vom Pfarrhof).

Die bequemste und beste Pfarrei zu benennen, isthier nicht der Platz, beqnem und höchst angenehm hat'ssicher kein Pfarrer der großen, umfangreichen Diözese.Um aber auch den auswärtigen Lesern dieses Artikels nureinen Begriff zu geben, wie unbequem es manche Pfarrer(namentlich des Allgäu's) in ihren Holzkästen ( Pfarr-hof) haben, mag der Beschrieb der Pfarrei Balder-fchwang dienen.

Balderschwang. Pfarrei, Kreis Schwaben ,Bez.-A. Sonthofen, Rentamt Jmmenstadt, Post- undBahnstation Oberstaufen; von da 7 8 Stunden überdie Berge. Von der Bahnstation Blaichach aus 5 6Stunden. Patron S. K. M., 70 Katholiken, im Som-mer infolge der Alpenbewirthschaftung 300500 Katho-liken. Aber im Winter ein bayerisches Sibirien .(Damit ist viel gesagt!)

Kirche: z. hl. Antonius, kleines, aus Holz gebautesLandkirchlein; einige Schritte vom Pfarrhofe. Feste:Patrozinium ohne Aushilfe. Vermögen: M. 2636,57.Gestiftete Gottesdienste: 29 zu M. 24,08.Gottesacker: bei der Kirche.

Pfründe-Einkommen: M. 827.03. Pfründe-Vermögen: M. 14582,84 mit M. 632,28 Zinserträgnißund M. 94,58 von der Gemeinde. Widdum: Gemüse-garten 0,04, Wiesen 20,27, Wald 1,50 21,81 Tagw.,veranschlagt zu M. 84,43; zu verpachten. (Lasten:M. 22,83.)

Pfarrhof: in schlecht baulichem Zustande, Neubau in Aussicht, kleines Holzgebäude; 2 heizbare und3 unheizbare Zimmer, Keller, Brunnen. Die Oekonomie-gebäude dem Pfarrhofe angebaut. Baulast: dieGemeinde.

Schulen: 1 im Orte mit 1 Lehrer für die ganzePfarrei.

Filialen: Die Pfarrei besteht aus lauter Filialen,zerstreut im Balderschwangthale und an den dasselbe um-gebenden Berghöhen, in einer Ausdehnung von 3 Stunden.

1. Au (30 Bit.), Weiler v. 6 Anwes. m. 29 Kathol.

2. Gschwend (15 Mt.), W. v. 5 A. mit 16 K. 3. Jung-hausen (1 St.), E. o. 1 A. m. 4 K. 4. Lappach (5 Mt.),E. v. 3 A. m. 9 K. 5. Lengen mit Schelpbach (1 St.),E. v. 2 A. m. 2 K. 6. Schlipfhalden (45 Mt.), W.v. 9 A. m. 27 K. 7. Scheine (4'/^ St.), Alphütte,E. v. 1 A. mit 9 K. 8. Schwabenhof (30 Mt.), E.v. 1 A. m. 2 K. 9. Wüldle (30 Mt.), W. v. 8 A.m. 26 K. Außer diesen sind noch einige Anwesen öster-reichischen Gebietes hier eingepfarrrt. Die Pfarreiaußer den österreichischen Anwesen bildet eine politischeGemeinde für sich.

Pfarrort: Weiler v. 6 Anw. m. 29 Einw., ineinem von hohen Bergen eingeschlossenen Thale , an derösterr. Grenze, einsam gelegen und wegen dieser Einsam-