keit und des lange (oft 8 Monate) dauernden Wintersdas bayerische Sibirien genannt. Verkehr sehr ungünstig,besonders im Winter. Grenzstation mit Wachpersonalund kgl. Forststelle. Nächster Arzt in Lingenau (österr.,4 Stunden).
Nachbar Pfarreien: Hittisau (österr.) 3 St. süd-westlich, Fischen 4*/z St. östlich und Maiselstcin 3 St.südöstlich.
Wahrlich eine beschwerliche Station für einen Pfarrer,der ca. 3—4 Stunden weit marschiren muß, bis er wiederunter Amtsbrüdern weilen kann. 8 Monate Winter und4 Monate dürftigen Sommer, das bezeichnet genug Leidens-stationen für Seele und Leib. Und das ist im Allgäunicht blos bei dieser einen Pfarrei der Fall. Gibt esdoch Pfarreien, die zerstreut in den Alpen -Vorbergen32 —70 Filialen — mit einem, höchstens 2 Priestern —haben! Hieraus ist ersichtlich, mit welch großer Müheund Noth oft der Seelsorgskierus zu kämpfen hat, wiean seine Gesundheit und Kraft die höchsten Anforder-ungen gestellt werden. Manch einer, der zu Thal oderin der Ebene lebt (wo, wie der Volksmund sagt, einePfarrei der anderen „pfeifen" kann), hat keine Ahnungvom Ovferleben der Gcbirgspfarrer, die, lange Monateeingeschneit, lediglich auf sich selbst angewiesen sind! Ehreund Lob daher diesen „Gcbirgspfarrern", die im Sommerallerdings von Vielen beneidet werden, die man aberganz getrost sich selbst überläßt, pocht der achtmonatlicheWintersturm an die Fensterladen der weitaus meisten„hölzernen" Pfarr-„BIockhänser". Wie erst, wenn infolgeder Anstrengung den Körper des Pfarrherrn eine Krank-heit durchwühlt! Drei bis vier Stunden ist der nächsteArzt zu treffen; wie lange dauert es, bis dieser zurStelle ist! Wahrlich, hier erst bekommt man einen Be-griff von Opfern und Entsagung! Dazu die geradezubescheidenen Einkommcnsvcrhältnisse. Ein Taglöhner undFabrikarbeiter in der Stadt stellt sich oft besser, als derHerr Pfarrer oder Kaplan im Gebirge. Rechnet mandazu, welche vielfachen Ansprüche an die Geistlichkeit vonSeite mancher charitativen Vereine (und hierin geschieht— zum Ruhme der Augsbnrger Diözesangeistlichkeit seies gesagt — gerade von Seite des Klerus ungcmeinviel!) gemacht werden, so läßt das tiefblicken. Dazukommt die sehr kostspielige Derproviantirung. VieleGeistliche des Flach- und Gebirgslandes sehen oft wochen-lang kein Fleisch, und wenn im Sommer es ermöglichtwird, ein Stück Rindfleisch zu erhalten, so kommt esoft verdorben an. Das sind die Schattenseiten der ab-seits von den Eisenbahnen befindlichen Pfarrhöfe. Unddabei doch die frohe Genügsamkeit des Clerus, dervom 6. bis 24. Jahre die Schulbänke gedrückt hat.Schreibt doch so ein genügsamer Pfarrer in dieserPfründestatistik, daß der Pfarrhof zwar hölzern, hochgelegen und die Verbindung mit den Nachbarn sehrschlecht und die häufigen Winde sehr rauh seien, aberein Schönes habe sein Pfarrhof doch, nämlich: dieprächtige Aussicht auf die Gebirgskette, deren An-blick ihn über alles Erdhafte hinweg zu heben und alleUnbequemlichkeit vergessen zu lassen scheint. — Ganzindividuell! — Welch eines Opfergeistcs ist doch derkatholische Clerus fähig! —
Um zum Werke selbst zurückzukehren, so ist dessenEintheilung adäquat nach dem jährlich erscheinenden Sche-matismus eingerichtet. Jedem der 40 Kapitel geht einekurze historisch-topographische Beschreibung mit Aufzählung
der in jedem Kapitel beschriebenen Pfarreien und Scel-sorgsstellen vüraus.
Der I. Band enthält nur ein alphabetisches Registerüber die darin enthaltenen Seelsorgsstellen, während derII. Band noch folgende Beilagen birgt:
1) Zusammenstellung der Klöster und Institute,
2) Emeriten-Benefizien (deren sind es 71),
3) Eehaltsverhültnisse der Pfarrpfründen, wobei zubemerken, daß die Zahlen sich ohne Abzug der Lasten(die oft bedeutend sind) verstehen, .
4) Uebersicht der Seclenzahl der Pfarreien,
6) Verzeichnis der Patrone der Pfarrpfründen,
7) eine Gesammtnbersicht,
8) alphabetisches Ortsregister für den I. undII. Band,
9) Uebersicht der inserirenden Firmen, zusammen-gestellt nach kirchlichen Branchen.
Die Ausstattung des Werkes ist sehr befriedigend;der klare, ticfschwarze Druck hebt sich vom schönen weißenund kräftigen (ganz holzfreien) Papier sehr gut ab, die3 Tafeln (Porträt des hochwürdigsten Bischofs Pan-crntius, die Kathedrale und die St. Ulrichskirche) zeich-nen sich durch saubere Ausführung aus, wie auch derhübsche Originalcinband aus der bekannten Buchbindereiund Prägeanstalt Karl Simon in Augsburg , mit demgoldgeprügten Bilde des hl. Ulrich im Vierpaß, alle An-erkennung verdient.
Fassen wir unser Urtheil zusammen, so bekundenwir. daß hicmit ein monumentales Werk geschaffenwurde, würdig der großen Diöcese Augsburg , das aufJahre hinaus dem Seelsorgklerus eine höchst wünschens-werthe Handhabe bietet und in allen Fragen der Pa-storirung die wünschenswerthen Auskünfte gibt.
Dem Verfasser des Werkes sei herzinniger Dankgesagt, daß er dem Klerus einen so wichtigen Wegweiserund Rathgeber gegeben. Fortan hat kein Bewerber umeine Pfründe es nöthig, weite Reisen zur Besichtigungder „Erwählten" zu machen. Hopp's großes zweibändigesWerk ist ihm zuverlässiger Führer und Nathgeber.
Von l)r. Seb. Euringer.
(Fortsetzung statt Schluß.)
Zwei Tage darauf kam ich nach Cäsarea ; hier hatder Hauptmann Cornelius gelebt und wurde vom hl.Petrus sammt seinem Hause als der erste der Heidengetauft, hier war der hl. Paulus zwei Jahre Gefangenerund hielt eine seiner schönsten Reden voll Kraft undEnergie; von hier schiffte er sich nach Nom ein; hierpredigte der hl. Philipp.
Zahlreiche Trümmer der alten Stadt sind vorhanden,namentlich die am Hafen sind sehr malerisch; ein Amphi-theater läßt sich nachweisen; mein Führer hat mir einealte griechische Inschrift gezeigt, die bis jetzt noch keinervor mir gesehen hat; auf dem Rücken liegend habe ichsie abgeschrieben, denn sie bildet das Dach einer sehrniedern Vertiefung im Schutt.
Jetzt ist Cäsarea eine Kolonie von Vosniaken, welcheOesterreich, einer christlichen Macht, nicht Unterthan seinwollten und daher als fanatische Mnhammedaner aus-wanderten und hier eine Kolonie gründeten. Sie handelnauch mit den Quadern der alten Ruinen. Von Cäsarea