Ausgabe 
(12.7.1894) 28
 
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an bis Beyruth und noch weiter sind fast alle vornehmeren 'Häuser aus alten Quadern der früheren Zeiten erbautund schauen daher ganz mittelalterlich aus, wenn mandie Bauart abrechnet.

Es war ein langer, mühsamer Weg von Cäsarea bis Kaifa, d. h. zum Berg Karmel . Fast immer amMeere oder in der Nähe des Meeres, gab es oft vielSand, zweimal mußte ein Fluß passirt werden. Natür-lich, Brücken baut die Türkei keine, und so mußte manzu Pferde hinüber, was mit einiger Mühe gelingt.

Am Abend grüßt uns von der Spitze des Karmelzwischen Kloster und Leuchtthurm die deutsche Fahne aufmeinem Zelte.

Mein Zelt ist an einem schönen Punkte, von meinemTische aus sah ich den Golf von Akka. Das Klosterbietet außer dem Gnadenbilde und der Grotte des hl.Elias (habe auf beiden Altären celebrirt) nichts Beson-deres. Es ist in italienischem Stil erbaut und nicht alt.

Am Fuße des Berges liegt eine große, viereckigeKammer, in Felsen gehauen, mit einer rechteckigen Neben-kammer. Die Kammer ist sehr groß und führt nicht mitUnrecht den Namen Prophetenschule. Ich besuchte auchKaifa, eine verhältnißmäßig junge Stadt, gegründet imvorigen Jahrhundert. Es ist dort eine protestantischeKolonie von Württembergern und Badensern, und auchder katholische Palästinaverein hat ein Hospiz daselbst.Ich besuchte den Direktor; er war nicht daheim. DieKlosterfrauen, die mich empfingen, sowie das Dienst-personal hielten mich in meiner arabischen Kleidung füreinen Juden aus Samaria.

Am nächsten Tage wollte ich mir den Karmel näheransehen. Um 6 Uhr celebrirte ich in der Eliasgrotte,wo der hl. Elias und Elisäus gelebt haben sollen. Dannkaufte ich Melissengeist und Skapuliere und Medaillen rc.und ging zu meinen Pferden. Ich hatte im Sinne, zuder Stelle zu reiten, wo der Prophet Elias Feuer vomHimmel herabgebetet hat auf sein Opfer und wo danndie Baalspricster von ihm geiödtet wurden und daraufhinder ersehnte Regen kam. Das Kloster steht am nord-westlichen Ende, gerade da, wo der Karmel auf dreiSeiten vom Meere bespült wird, während die Opferstätteam südöstlichen Ende des Karmel liegt; ich mußtealso den ganzen Karmel der Länge nach abreiten. Ich zog esvor, auf der Höhe zu bleiben, und fünf Stunden langritt ich durch lauter Grün und Blüthen. Wilde Birn-bäume mit rothen Blüthen, Pinien mit ihren hübschenZapfen, Johannisbrodbäume mit noch grünen Früchten,wilde Eichbäume und alle möglichen Blüthen und Farben,dazwischen der Blick bald auf die grüne Ebene Esdralon,bald auf das Bteer ließen mir die 5 Stunden auf Berges-höhe kurz erscheinen.

Der Ausläufer des Karmel, wo Elias einst dieBaalspriester zu Schanden machte, ist von einem Kapellchenund einem unbewohnten Klösterchen der Karmeliten ge-krönt. Im Schatten dieses Kapellchens nahm ich meinMittagsmahl und Mittagsschläfchen ein.

Nach Befriedigung dieser Lebensbedürfnisse schauteich mir unbehindert von Hunger, Durst und Schlaf dieAussicht an. Gegen Osten und Nordosten lag zu unserenFüßen die gewaltige Ebene Esdralon, wo fast alle be-deutenden Schlachten, die über Wohl und Wehe vonganz Palästina entschieden, geschlagen wurden, von denältesten Zeiten an bis in das Mittelalter. Der kleineBach Kison, der so harmlos dem Meere zuplätschert, istgar oft vom Blute der Gefallenen roth gefärbt worden;

auch damals, als Elias über 400 Baalspriester tödtete.Jenseits der Ebene schaut ernst in den Formen desVesuvs der Berg der Verklärung, der Tabor, herüber,auf dem Elias einst Zeugniß für die Gottheit Christivor den erstaunten Jüngern ablegte. In dieser Richtung,durch Berge verhüllt, liegt Nazareth .

Ich stieg in die Ebene Esdralon hinab, überschrittden Bach Kison, um nach 56 Stunden nach Schef Amar,wo bereits die Zelte standen, zu gelangen. Der Tages-ritt von 1011 Stunden war lange; man hatte mirin Karmel und Kaifa gesagt, von Muhaka (dem Opfer-platze) bis Schef Amar seien es nur 23 Stunden, eswaren aber doppelt soviel, und die letzten 2 Stundenmußten bei Dunkelheit zurückgelegt werden.

In Schef Amar erwarteten mich bereits die beidendortigen Missionspriester, sehr gemüthliche Franzosen.

Am andern Tage, PfingstsamStag, hatte mein Dra-goman das Fieber; ich schickte die Zelte nach Akka undschaute nach der hl. Messe unter Führung des Pfarrersdie sehr schön ornamentirten alten Felsengräber an.

Ich besuchte auch die Missionsschule und wurdeü 1a. Patriarch empfangen. Man erwartete nämlich denPatriarchen und hatte für ihn allerlei einstudiert, undich hielt nun die Hauptprobe ab. Der Lehrer überreichtemir in Goldschrift den arabischen Text des Willkommsund deS Liedes, welche für den Patriarchen bestimmtwaren, aber auch für mich galten. Ich durfte den Textbehalten, den ich natürlich konoris ouusa, entsprechendbezahlen mußte.

(Schluß folgt.)

War Kaspar Häuser ein Betrüger?

(Schluß.)

II. Zeugen gegen Kaspar Häuser,rrrs 15) Philipp Heinrich, Graf von Stanhope, lernteKaspar Häuser zuerst am 29. Mai 1831 kennen undinteressirte sich alsbald so sehr für ihn, daß er am2. Juni 1831 500 fl. zur Entdeckung des Urhebers desan Kaspar Häuser verübten Verbrechens aussetzte (M.266 f.). Auch bestrick er die Kosten einer Reise desKaspar Häuser (in Begleitung von Hickel und von Tücher)nach Ungarn im Juli 1631, da er sich zu der Meinunghatte verleiten lassen, daß Kaspar Häuser ein ungarischerMagnat sei; die Reisenden mußten jedoch wegen derCholera schon in Preßburg wieder umkehren, ohne dasZiel ihrer Reise erreicht zu haben. Durch verschwenderischeGeschenke und die Vorspiegelung hoher Abkunft verzogStanhope den Kaspar Häuser derart, daß ihm Frhr. v.Tücher bald darauf ernste Vorstellungen machte (sieheseinen Brief an Stanhope vom 11. November 1831bei M. 278 f.). Dadurch gekränkt verlangte Stanhope,daß ihm Kaspar Häuser ganz zur Erziehung überlassenwerde, und erbot sich, die Kosten derselben wie seinesUnterhalts auf sich zu nehmen (siehe seine Eingabe andas kgl. Kreis- und Stadtgericht Nürnberg. Ansbach ,21. November 1831, bei M. 268 f.), worauf Tücherum Enthebung von der Vormundschaft bat (M. 272 f.),die ihm auch am 7. Dez. 1831 gewährt wurde. KasparHäuser wurde an Stanhope ausgeliefert und am 10. Dez.1831 dem Lehrer I. G. Meyer in Ansbach zum Unter-richt und zur Pflege übergeben, der Lord dagegen reisteam 19. Januar 1832 von Ansbach ab und ging überKarlsruhe, Mannheim nach England zurück. Währender im persönlichen Verkehr mit Kaspar Häuser nicht dengeringsten Zweifel an der Wahrheit der Aussagen des»