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k. I- I- Scheffmacher» 8. F., ControverS-Katechis-muS für Katholiken und Protestanten, indieser neuen Ausgabe vermehrt mit einem Nachtrag:Folgen und Früchte der Reformation; Protest. Schlag-wörter unv Entstellungen. Anhang: Die christliche Fa-milie, ein Sittenspicgel. Herausgegeben von einem Priesterder Diöccse Strahlung. Mit bischöflicher Approbation.Strahlung i. E., Le Ronx u. Co. 8°, 1894; 312 Seiten;Preis 2,00 M. gebunden.
L. Ein altes Buch nach Titel, Anlage und Einfluß, aberneu durch sehr bedeutende Erweiterungen nach den Häresien undBedürfnissen der Neuzeit, besonders durch das II. Buch! —Dieses Buch ist eine vortreffliche Waffe zur Abwehr, eine Fund-grube zur Vertiefung in die Wahrheiten deS Karcchismus. einRcpertorinm über die Untcrscheidungslehrcn zwischen der kathol.Kirche und den Sekten seit 350 Jahren in präciser, verständ-licher und erschöpfender Darstellung. Für unsere Zeit ist be-sonders wichtig das II. Buch, welches von den Folgen undFrüchten des Lntherthums und der sogenannten Reformationin socialer Hinsicht, von den protestantischen Schlagwörtern,dann von den Freidenkern, von der Freimaurerei u. s. w.handelt. Der Proceß der Entwickelung des Protestantismusbis herab zum Socialismus in seiner conscqnenten Phasen voll-zieht sich vor den Augen des Lesers. Die Ausstattung istsehr solid. _
Der große Tag der Ernte. Fastcnprcdigten von G.Diessel, 0. 8s. L. Mit Approbation des bischöfl.Ordinariats Königgrätz und der Ordcnsobern. Negens-bnrg, Pustet ; 1894; 8°; 176 Seiten.
8. Der Verfasser, welcher durch frühere Jahrgänge vonFastcnpredigteu bereits einen Namen hat, fesselt in diesen vor-liegenden den Leser nicht blos durch den an sich das Herz er-greifenden Gegenstand (das letzte Gericht), sondern auch ganzbesonders durch die Darstellung; denn er findet wohl durch-dachte, gut disponirte, durch passende Beispiele beleuchtete,sprachlich abgerundete, einfach stilisirte Verträge, an welchenJeder lernen kann.
Wilhelm Becker, 8. kk. Die christliche Erziehungoder Pflichten der Eltern. Freiburg i. Br. 1894.Herder'sche Vcrlagshandlung. br. 2 M., geb. 2 M.70 Pf. 8°. 282.
o. Drciunddrcißig Kanzclvcrträge führen aus, wie Elternihre Kinder zu guten, nützlichen Mitgliedern der menschlichenGesellschaft machen können, wie sie dieselben in die christlicheReligion einzuführen, vor Sünden und Jrrpfaden zu bewahren,nöthigenfalls weise zu bestrafen, durch das eigene gute Beispielim Guten zu befestigen haben. Die Sprache ist einfach und ge-meinverständlich, aber trotzdem oder vielmehr gerade deshalbwarm und überzeugend. Die Vortrüge, weil in Amerika gehalten,sind amerikanischen Verhältnissen angepaßt; jedoch, da die Gesetzeder Erziehnngskunst überall die gleichen sind, auch in der altenWelt recht brauchbar.
Joseph Seeber. Der ewige Jude. Episches Ge-dicht. Freiburg i. Br., Herder'sche VerlagShandlnng.1894. br. 2 M., kl. 8°. 216.s. Die Erzählung beginnt mit den Ereignissen in denletzten Tagen der antichristlichen Weltherrschaft und endet mitihrem Sturze. Der ewige Jude ist aufgefaßt, als der Ver-treter des altgläubigen Judemhnms, das seine national-politischeAnschauung vom Messias bewahrt hat und darum dem inChristus erschienenen feindlich gegenübersteht, welche Auffassungvor allem eine großartige Grundlage schafft und dann aucheinen gewaltigen Ausbau der Erzählung ermöglicht. In Je-rusalem , das zur modernen Weltstadt geworden, thront derAntichrist als mächtiger Fürst; das Feldherrntalent, die ListAhaSver'S hat ihm Orient und Occident unterjocht; der FelsPetri scheint endlich durch die Gefangennahme des StatthaltersChristi überwältigt. Trotz dieser Erfolge sieht sich AhaSver undsein Volk von der Stelle verdrängt, die einzunehmen er geboffr;ein Nichtjude, ein verhaßter, abgefallener Christ hat die Gunstdeö Antichristes für sich gewonnen. Alle Bestrebungen, dieselbezurückzuerobern, mißlingen nicht blos, AhaSver muß sogar denHaß seines Herrn fühlen, der ihm durch ein Scheinwnuder dasAugenlicht raubt, und wird mit seinem Volke vom fürstlichenHofe in Schanden verstoßen. Aufnahme findet er bei den ver-folgten Christen; das Oberhaupt der Kirche pflegt ihn persön-lich. Diese Liebe besiegt seinen Haß, er läßt sich taufen, erhältdas Augenlicht wieder, wird ein zweiter Paulus und führt sein
unglückliches Volk zum wahren Gott zurück, während unter-dessen die Herrschaft des Antichristes, der sich als Gott huldigenläßt, durch göttliches Einschreiten ihr Ende erreicht. Diesegedrängte Inhaltsangabe läßt einigermaßen ersehen, welch ge-waltigen Stoff der Dichter sich ausgesucht. Er ist aber auchMeister über denselben geworden. Die Sprache ist fließend;mit Meisterschaft der fünffüßige Iambus behandelt; öfters er-freuen den Leser überraschende Bilder; die Spannung wächstvon Gesang zu Gesang. Wir lasen das Gedicht sozusagen aufeinen Sitz, um eö sofort — wieder von vorne zu beginnen,und haben seitdem manche Stelle schon wiederholt gelesen.
Ein Blick in die heutige Rechtsanwaltschaft hinein.
Commissions-Verlag von Georg Weiß in Heidelberg .
38 Seiten.
O In volkSthümlicher Sprache sind die bedenklichen Miß-stände der heutigen Ncchtsanwaltschaft recht sachkundig be-sprochen und ihre Ursachen erörtert. Diese findet der Verfassermit Recht in der unbeschränkten und in der Zulassung praktischnoch ungeschickter, unerfahrener Bewerber, in Mängeln derProzeßordnung, die dem Richter nur einen sehr geringen Ein-fluß auf den Gang des Verfahrens gestattet und ihren Vor-schriften durch die Unterlassung von Strafandrohungen auf dieNicktbeachinng den Nachdruck und Erfolg benimmt. Mit Un-recht scheint uns der Verfasser dem mündlichen Verfahreneinige Schuld beizumesseu; denn gelogen wird auch in denSchriftsätzen, und noch mehr wurde gelogen im frühern schrift-lichen Verfahren. Was sonst der Verfasser alles sagt und be-klagt, hat nicht bloß für Baden, sondern im AllgemeinenGeltung, und wiro ihm jeder mit der streitigen Rechtspflegebefaßte Richter bestätigen, jeder aufrichtige Anwalt zugestehen,und könnte in mancher Hinsicht z. B. durch ein Kapitel überdie Ausscheidung von Schreibgebühren ergänzt werden.
k. O. Ningholz 0. 8. P. Der selige Markgraf Bern-hard von Baden . Mit einem Titelbild in Farben-druck und 7 weiteren Abbildungen. Volksausgabe.Herder'sche Verlagsbandlung. Freiburg i. Br., 1894.brosch. 50 Pf., Leinw. 60 Pf., ganz Leinw. 1 Mark.XII», 93.
o. Vorliegendes Büchlein, bearbeitet nach dem größeren,glcichbctiteltcn Werke desselben Autors, enthält in edler, sehransprechender Form die Lebensbeschreibung eines Gliedes desbadensischcn Herrscherhauses, des Markgrafen Bernhard, der1458 im Alter von 30 Jahren starb und 1769 von PapstClemens XIV. selig gesprochen wurde. Ein Anhang bringtGebete zu Ehren deS Seligen aus alter und neuer Zeit. DieAusstattung, sowie die Bilder verdienen Lob. Für Volks-bibliothcken sehr zu empfehlen.
F. C. Bacrnrcitbcr, Bonfilia oder gutgemeinteWorte an katholische Töchter. Approbirt undempfohlen vom Hochw. Bischof von Linz. Einsiedeln ,Benziger, 1894. 279 S. Fein geb. 3 M.
-cl- An guten Rathgcbcrn für Mädchen aus gebildetenGesellschaftskreisen, welche im Begriffe stehen, in das gesellschaft-liche Leben eingeführt zu werden, bat die katholische Literaturkeinen Mangel. Die betreffenden Schriften der Frauen vonLicbenau, von Lindcmann, Albini-Crosta — um nur die be-kanntesten zu nennen — sind aber trotz ihrer Vorzüge nochuicbt^ im Stanoe gewesen, die protestantische und die religiösindifferente Literatur auf diesem Gebiete von den katholischen Familien gänzlich ferne zu halten. Es wird dies auch der vor-liegenden Schrift nicht gelingen, weil die „gebildeten katholischen Kreise" von der katholischen Literatur vielfach nicht Notiz zunehmen lieben. Gegenüber solcher Indolenz ist cS schon vonmoralischem Gewichte, auf eine stattliche Zahl concurrenzsäbigerkatholischer Leistungen wenigstens hinweisen zu können. Bonfiliawird übrigens ihren Weg finden. Das Büchlein ist unter diebelehrende, nicht unter die erbauliche Literatur einzureihen. Umes kurz zusammenzufassen, cS zeichnet sich gleichmäßig aus durchvornehme Sprache, durch weise Beschränkung auf das praktischErreichbare unter Fcrnhaltnng aller Einseitigkeitcn und durcheine wirklich gründliche, auf reiche Erfahrung gestützte Kennt-niß des Franeuhcrzcns. Der Emancipation wird die echte Weib-lichkeit in ihrer ganzen Würde und Schönheit gegenübergestellt,doch nirgends polemisch, sondern rein positiv-apologetisch. Anpackenden Vergleichen und Bildern, an anregenden Gedankenwird eine Fülle geboten. Aber alle diese Vorzüge treten zurückhinter dem der warmen Liebe zu den Angeredeten, wie sie derganze Ton der Schrift verräth. Die Liebe reicht diese Gabe,