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Dieser Passus ist eine glänzende Apologie der kirchlichenSchulaussicht.
Der IV. Abschnitt bespricht das Fortbildungsschnl-wesen von der frühesten Zeit bis heute. Hier verdienendie Ausführungen über „die Sonntagsschule" und „denHandfertigkeitsunterricht für Knaben" besondere Be-achtung.
Im V. Abschnitt werden die öffentlichen und pri-vaten Anstalten (mit katholischem und evangelischem Cha-rakter) zur Erziehung und Bildung schulpflichtiger Kinderaußerhalb der öffentlichen Volksschule vorgeführt. Es istwohlthuend, das hier entworfene Bild der staatlichen undkirchlichen Fürsorge für verwahrloste, blinde, taube, schwach-sinnige und epileptische Kinder zu betrachten.
Zur Vervollständigung der Abhandlung über dieKleinkinderschulen in Württemberg möchte Recensent hin-weisen z. B. auf „Blätter für das Armenwcsen", Stutt-gart 1888 Nr. 39 und 40, und die dort angegebeneLiteratur.
Betreffs des letzten (IV.) Abschnittes: „von denVerhältnissen der Lehrer im Mittelalter bis heute" (Heran-bildung und Fortbildung, Anstellung, soziale Stellung,ökonomische Lage) ist zu wiederholen, was über die Be-handlung der Geschichte der Volksschulaufsicht gesagt wurde:sehr interessant, sehr instruktiv!
Vorstehende Schrift ist in hohem Grade geeignet,eine Blenge von Vorurtheilen und Einseitigkeiten zuzerstören, welche wir Katholiken fast in jeder größernErziehungsgeschichte finden. Sie ist von hohem Interessenicht bloß für die württcmbcrgischen Geistlichen undLehrer, sondern auch für Schulfreunde und Lehrer allerdeutschen Gauen, für Männer politischer Laufbahn, für«lle, welche für kulturhistorische Forschungen und historischeWahrheit überhaupt sich interessiren — zumal da, wieman oft sagen hört, das württembergische Schulwesen zuden Musterhaftesten aller zivilisirten Länder gehört.
Die Druckfehler, welche sich dann und wann vor-finden sind untergeordneter Art und lassen sich leichtverbessern. Einigemal hätten wir genaue Literaturan-gabe gewünscht (z. B. S. 8 zum Satz: „wie urkund-lich nachgewiesen ist", S. 37 zur Behauptung: „Thatsache ist, daß" rc.).
Schließlich empfehlen wir vorstehende Schrift aufswärmste und wünschen und hoffen, daß sie recht vieleLeser und Freunde finde.
Dann wird der geehrte Verfasser mit um so größererFreude seine volksschulgeschichtlichen Studien fortsetzen.Gegenwärtig arbeitet er an der Geschichte des Schul-wesens Neuwürttembergs, d. h. der zu Anfang diesesJahrhunderts an Württemberg gekommenen katholischenLandcstheile — eine Arbeit, welche sich ausschließlich aufarchivalische Ausbeute gründet und welche äußerst interes-sante Resultate zu Tage fördern wird. Es ist sehrwünschenswerth und erfreulich, daß dieses Stück derGeschichte unseres Volksschulwesens einmal recht einläß-lich behandelt wird. Wir sehen diesem II. Theil derGeschichte des Volksschulwesens in Württemberg mitgroßer Spannung entgegen.
Zeitgemäße katholische Literatur.
Bon Theodor Habicher.
CorDlila Mähler.
Wie ein Veilchen anspruchslos und verborgen lcht unddichtet die Sängerin heiliger Liebe Frau Cordula Wühler, die
durch ihren Lcbensgang sowie durch ihr Dichten vielfach anLonise Hcnsel erinnert.
Sie ist 1815 zu Machlin (Mecklenburg-Schwerin ) geborenals Tochter des nun pcnsionirten lutherischen Pastors W. Wühler,der selbst ein episch-lyrisches Epos („Hobenstein") verfaßte, kon-vertirte 1870, ehelichte in der Hafenstadt Bregenz am Herr»lichen Bodensee den geistreichen Privatier Joseph Schneid, lebtaber schon längere Zeit in meinem Geburtsort Sebwaz (Tirol).— Eine wahre Natbanaclsscele singt in all ihren frommenLiedern, die dem Urtheile des Literarhistorikers Brngier gemäßwahre Perlen deutscher Poesie sind. Gleichwie die Sonnen-blume ihre Krone stets der Sonne zuwendet, so neigt ihre Museimmer und immer wieder dem Heiland im Sakramente zu.Eine große Anzahl ihrer Lieder dürfen den Perlen geistlicherLyrik zugezählt werden.
Von ihren Dichtungen sind im Druck erschienen: „DieGeschichte der heiligen Notbburga, poetisch erzählt"; „Wasdas ewige Licht erzählt" (Gedickte, über das heilige Altars-sakrament, 7. Auflage, 1888, unter dem Pseudonym CordulaPcregrina); „Bausteine" (zwei Bündchen, die Lieder überdie Sonntagsevangelien und Festtagsgeheimnisse enthalten,und deren Erlös die an irdischen Gütern nickt reiche Dichterindem Bau einer neuen Kirche zuwandte); „Katholisches Haus-nnd Familienleben"; endlich eine „Tiroler Dorfgeschichte", worindie himmlische und irdische Liebe in ihren Zielen, Opfern undin ibrcm Glücke geschildert ist; außerdem schrieb sie »erschienetreffliche, durchaus poetisch angehauchte religiöse Bctrachtungs-bücker mit eingelegten Gedichten, die sehr zu empfehlen sind.(„GebhardnSbuck", „Weg nach Golgatha", „Krippe undAltar".) Von den drei Bündchen wirklich guter, zum Theilreckt volkSthümlichcr und darum schnell beliebt gewordener Er-zählungen nennen wir mit Auszeichnung die literarischen Erzeug-nisse: „Die Lilie des hl. Antonius von Pcwua", „VincentiuSund Paula", sowie „Das Sonntagskind".'*)
Gar bald sind Cordula Wübler's Name und ihre gedie-genen Schöpfungen in der deutschen Lescrwelt bekannt geworden.Erfüllt von Eindrücken und Erscheinungen aller Art, in derfrischen, unverbrauchten Kraft und mit feuriger Phantasie be-gabt, schuf sie ein Werk nach dem andern mit bewunderns-werthcr Prodeirtivitär. Sie ist daher eine Autorin von jenerkräftigen Art, die darauf hindrängt, die Bilder und Gestaltender vom Christenthum vollständig erfaßten Phantasie in knappenStrichen auf daö Papier zu werfen, eine Autorin, der einweiter Gesichtskreis und ein sicherer Blick für die Auswahlihrer Stoffe und ihrer Durchführung im Einzelnen zu Gebotesteht, und die es gerade dadurch versteht, ihren Werken denStempel einer geschlossenen Eigenart aufzudrücken.
Eines ihrer besten Werke, „Krippe und Altar", er-scheint soeben in dritter Auflage und eignet sich dasselbe in-folge seines gediegenen Inhaltes und billigen Preises — 3 Mk.7ö Pfg. — sowohl als Betracktungsbnch für die heil. Advent-zeit sowie auch als Weihnachtsgeschenk.
Möcktcn daher recht viele Familien, besonders aus denBcamtenkreisen, nach dem Büchlein greisen, welches auch inseiner äußeren Ausstattung viel Lob verdient. Sie werden esnicht ohne die mannigfachste Anregung aus der Hand legen.
Hätten die Cordula Wöblcr'schen Werke nur den vorüber-gehenden, zweifelhaften Werth, wie ihn leider Gott Hunderte moderner Erzählungen und Dichtungen haben, dann würde dieAutorin an dieser Stelle nicht genannt fein.
Eine kurze Prüfung einer einzigen hier angeführten, demWerke „Krippe und Altar" entnommenen Strophe mögegenügen, oben angeführte Worte zu bekräftigen: —
Vorahn ung.
Ihr Vöglein, laßt euch fragen,
Was singt ihr heut' so holv?
AlS wen» ibr mir was sagenTief in die Lreelc wollt!
Ich möchte init euch singen,
Wenn ich's so lieblich könnt'!
— Auch dein Lied soll erklingen,
Herz — morgen ist Advent!
Recensionen und Notizen.
D Handbücklein der kathol. Presse. HeinrichKcitcr, der unermüdliche Förderer der Interessen der kathol.Presse und Literatur, Redacteur des „Deutschen Hausschuhes" in
*) Sämmtliche hier angeführte Werke sind stets vorräthigund zu beziehen durch daö Litcrarische Institut von vr. MHnttlcr (Michael Seih), lL 160.