Ausgabe 
(6.12.1894) 49
 
Einzelbild herunterladen

Die Entfernung Roms gibt er nach Breitegraden (6'/z)an und findet (2 Breitegrade zu 15 geographischen Meilen 30 Stunden genommen) eine Wcgsentfernung von195200 Stunden, läßt Willibald täglich 8 Stundenzurücklegen, auf einem Pferde oder Maulesel reiten undin 25 Tagen das Ziel seiner Reise (Freising ) er-reichen.^)

Woher weiß denn aber Hirschmann, daß WillibaldsReiseziel Freising gewesen? Wo Herzog Odilo damalsresidirte, wissen wir nicht. Vermuthen läßt sich etwa,daß er in Negensburg oder Osterhasen an der Donau (Altenmarkt, (Zuintianis) Hof gehalten. Die Nonne sagtnur, Willibald sei zu Odilo und Suitgar gekommen,habe sich bei jedem 1 Woche aufgehalten und sei dannmit Suitgar nach Lindhard zu Bonifazius fortgereist.^)Für Liudhart (Ober- und Niederlindhart, B.-A. Mallers-dorf in Niederbayern) habe ich Markt Lindenhardt in Ober-franken (B.-A. Pegnitz) vorgeschlagen, weil, wenn Suitgarnicht bloß Hoswürdenträger (satallöZ?), sondernGraf im Nordgau gewesen, an dieses eher gedacht werdenkann, als an die beiden Lindhart an der großen Laber.

Außerdem ist nicht zu übersehen, daß in dem un-richtigen, von Hirschmann angenommenen Reisejahre 740Ostern auf den 24. (17.) April gefallen ist, was er an-zugeben unterlassen hat, denn daß Willibald seine Reisenicht nach der Luftlinie, sondern auf Umwegen überLucca und Pavia (lioeiruw) an den Gardasee vollzogund die Tiroler Hochalpen überstieg, wie sein BruderWunibald^) im Jahre 735. Sodann hat Willibald gewiß nicht vor dem 26. April (Osterdinstag), sonderndarnach die Reise angetreten (in xuscfia), Sonn- undFeiertage sicher Rast gehalten und sich als erprobterTourist auch weder eines Pferdes noch Esels bedient(die Nonne wenigstens sagt nichts davon). Unter so be-waudten Umständen wird man es wohl begreiflich finden,daß nicht bloß 25 Tage verbraucht wurden, um an denweit entfernten, nicht näher bestimmten Hof Herzog Odilo'svon Bahern zu gelangen, sondern sicher l'/z Monate.Nimmt man hinzu, daß Willibald sich bei Odilo undSuitgar je eine Woche aufgehalten, so war der MonatJuni zur Neige gegangen, bevor die Reisen Willibaldsvon Odilo zu Suitgar, von diesem zu Bonifazius nachLindenhart, von hier nach Eichstätt , von dort nachlängerem Aufenthalte nach Freising und von danach abermaligem Verzüge wieder nach Eichstätt unter-nommen und ausgeführt worden sind.

Der Aufenthalt in Eichstätt vor der PriesterweiheWillibalds war ohne allen Zweifel von ziemlich langerDauer, und ich muß mich nm so mehr für die LesartLlicfuantum tcuuporuia iiräueirnn aussprcchen, wennich erwäge, daß mit der Auswahl eines Wohnplatzes ander verwüsteten Stätte eigentlich nichts gedient war,vielmehr allererst eine Wohnung gebaut und hergestelltwerden mußte, um sich aus den Empfang der Priester-weihe vorbereiten zu können??)

Wunibald wurde nicht mehr im Neisejahre735 zum Priester geweiht, sondern erst nach der

-") SlugSb. Postztg. 1894 Nr. 18 S. 139.

0°) Das iteruw perAsbaut (Brückt oap. 36 und Holder-Egger p. 104, 39) bezieht sich wohl nur all Lonikaeium, nicht IstiZstsinAUm.

lll. (3. 88. XV, 109 eng. 4 per irräu» ^Ipium alt».Wunibald reiste 735, nickt 7 38, wie Holder-Egger angegeben.

°') Warum wobt hat Holder-Egger I. o. x. 104 zu »li-guantulum tewporis inäuoinm seiner Ausgabe die insGewicht fallende Variante nicht angemerkt?

Zurückkunft des Bonifazius aus Italien , sohin wahr»scheinlich erst im Jahre 7 36 nach vorausgegangenerlängerer Vorbereitung, Prüfung und Erprobung.^) Eingleiches Verfahren scheint bei Willibald eingehalten wordenzu sein, und ich kann mich unmöglich dafür erklären, daßer noch im wirklichen Reisejahre 7 41 zum Priester ge-weiht wurde, wenn ich bedenke, daß er nach der Be-rechnung der 8a,uetivaonia.1i8 ganz gewiß erst am20. Oktober 743 Bischof geworden ist und1 Jahr zuvor die Priesterweihe in Eichstätt erhalten hat. Acht und ein halbes Jahrhatten sich die Brüder Willibald und Wuni-bald nicht mehr gesehen, als sie im Herbste743 in Sulzebrücke zusammenkamen; Greiserund Hauck haben die Stelle oato ainroruin 8putio abvono äiraiäio ebenfalls mit 8'/? Jahren übersetzt, dierichtige Consequenz aber haben sie nicht gezogen, daßBonifazius 735 zum letztenmale in Rom und Italien anwesend war und den Wunibald veranlaßt hat, sich ander thüringischen Mission zu betheiligen.

Hirschmann beharrt auf der falschen Anschauung,daß die Brüder sich vor der Orient reise Willibaldsim Jahre 723 zuletzt gesehen haben, allein ich muß imHinblick auf das bestimmte Zeugniß der HeidenheimerKlosterfrau darauf bestehen, daß sich dieselben um Ostern735 gesehen und gesprochen^) haben und derAusdruckooto urmorura sxatio st nono äiraiäio"nur mit 8?/z, nicht mit 16'/z oder 17'/, Jahren über-setzt werden darf. Sechzehn ein halb oder siebzehn einhalb Jahre zu der Orientreise 723 hinzugerechnet, würden7 39 oder 740 ergeben, in welchen Jahren Willibald unmöglich Bischof geworden sein kann, und wenn Hirsch-mann (I. e. Nr. 17 S. 140 und sonst) immer von18'/^ Jahren redet, so geht er mit Holder-Egger undPopp (N. 6. 88. XV, 105 A. 2) von der Ansicht aus,ein Abschreiber habeäeosin ob" vor ooto anaorum8patio weggelassen. Allein mit welchem Rechte wirddem ersten Bischöfe von Eichstätt bezw. der 8aaoti-iaonia1i8 hier ein Irrthum unterschoben, die Stelle cor-rumpirt") und die Zusammenkunft der Brüder im Jahre735 in Abrede gestellt? Die hier vorgenommene Kor-rektur unserer Schriftstellerin ist eine Versündigung ander historischen Wahrheit und die Uebersetzung der frag-lichen Stelle mit 16'/z oder 17'/z Jahren dem Wort-laute und der Darstellung der angelsächsischen Jungfraustracks entgegen.

Hirschmann behauptet, Willibald und Wunibald haben sich 735 weder gesehen noch gesprochen,womit der Grund hinwegfällt, die dritte Nomreise deshl. Bonifazius in das Jahr 735 zu verweisen?') Da-gegen ist zu erinnern, daß sich die Nomreise des hl.Bonifazius im Jahre 735 nicht bloß aus der vita,'Mlliioaiäi und IVunibaläi der Nonne von Heidcnheim,

LI. (3. 88. XV, 109. Ouingus transaeto »Istgurrn to tewporis spatio srreer itle ...» srrnoto Bons't'atio in prssbirsratum eonseorrrtus est §raäuin

2°) Oonksstimgns krntrsin suaw proprium, seä stalias oognrrtos rrtgus rrwieos sobriis srrlntatiornm vsrbissonpsllrrvit rrtgus lieentirriu postulrrvit. lll. <3. 88. XV,109 eap. 4. Weder Holder-Egger (I. o. A. 3), welchem Hirsch-mami folgt, noch Nctkberg (Ki-G. Deutschlands II, 358) kannbeigepflichtet werden.

") Brückt eap. XXXVII u. Bruchstücke I, Holder-Eggcrs:blror in numero, lumä cludis nonuisi seridas orrore ortus.Bsgenäuin est X st VIII annormn muß entschieden zurück-gewiesen werden.

") Beilage z. Augsb. Postztg. 1894 Nr. 19 S. 150.