Ausgabe 
(20.12.1894) 51
 
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Gustav Adolf.

Nach seinem Leben, seinem Charakter und seinenThaten geschildert von A. G.

(Schluß.)

Der Sieg von Breitenfeld hatte Nachdruck gegeben,der Schwede sandte seine Boten aus an die deutschen Reichsstädte, z. B. Nürnberg, Ulm, Straßburg , und ausFurcht vor dem Schweden unterwarfen sie sich. Wiebrutal er zu Werke ging, beweist Nürnberg , welcherStadt er sagen ließ:wenn die Stadt sich nicht einesanderen und besseren besinnt sie wollte neutralbleiben, so werde ich sie und ihre Unterthanen mitSchwert, Mord und Brand wie die ärgsten Feinde ver-folgen, so werde ich die Bürger und Einwohner, wo ichsie finde, niederwerfen, ihre Güter preis machen." Istdies die Sprache einesBefreiers"? Nein! Das istdie Sprache eines Usurpators, der nach dem Satzehandelt:und gehst du nicht willig, so brauch' ich Ge-walt" brutale Gewalt! Gerade so hat Napoleon I. gehandelt mit seinem stereotypenDas Haus X hat auf-gehört, zu regieren!" Napoleon wird von den Deutschendeßwegen mit Recht verurtheilt, Gustav Adolf wegen desGleichen von einem Theil der Deutschen heute nochverhimmelt und verherrlicht mitunter merkwürdigesDeutschthum!

Durch verschiedene Städte, welche eingenommenwurden, ging der Schwede nach Frankfurt und zog mitgrößter Pracht in die alte Kaiser- und Wahlstadt ein.Dort kam der vertriebene Pfalzgraf Friedrich V. zu ihm,wurde gnädigst empfangen, erhielt aber keine Hoffnungauf Wiedereinsetzung in seine Staaten; Gustav Adolfwollte wohl die Pfalz für sich behalten. Bei strengerKälte ging er dann nach Darmstadt und beschloß, beiOppenheim über den Rhein zu gehen. Am jenseitigenUfer befanden sich spanische Truppen, welche der Kur-fürst von Mainz zum Schutze seines Bisthums aus demLuxemburgischen gerufen hatte; sie wurden geschlagen undfünfhundert niedergemetzelt, Oppenheim siel, Mainz mußtesich ergeben, und der König bezog die Winterquartiere.Dem Kurfürsten machte der König den Vorschlag, seinenSohn mit seiner (des Schweden ) Tochter zu verheirathenund ihn nach Schweden zu senden, um in der lutherischenReligion erzogen zu werden; das Anerbieten aber wurdestatt zurückgewiesen. Nun wandte sich der Kaiser wiederan den schmollenden Wallcustein, welcher gleichsam alsPrivatier herrlich lebte und mit Sem Astrologie trieb.Nach langem Zögern die Unterhandlungen näher zuverfolgen, liegt außerhalb des Bereiches unserer dies-maligen Aufgabe zauberte er gleichsam aus der Erdeein großes Heer hervor die Aussicht auf Beute undzugleich auf Ruhm war eben zu verlockend und wurdesinn Generalissimus des Kaisers ernannt und zum Ober-befehlshaber in uUsolutissiina, torina, der Ehrgeiz desErzürnten war wieder befriedigt! Die erste That desHerzogS von Friedland war die Vertreibung der Sachsenaus Böhmen . Wir haben kurz Gustav Adolf in Süd-deutschland nun zu verfolgen bezw. seine kriegerischenOperationen in Bayern speciell.

Richelieu wollte den katholischen Bund der Ligavon dem Kaiser trennen, dadurch den letztem isoliren,daß das Habsburger Haus allein dem Stoße des Schweden nicht gewachsen wäre; einigermaßen war dies Richelieuauch gelungen. So war auch Kurfürst Maximilian vonBayern wenigstens um Neutralität angegangen, da aberderselbe durchaus seine Pflichten gegen Kaiser und Reich

vorbehalten haben wollte, mißlang der Versuch. GustavAdolf mußte im Jahre 1632 die Entscheidung seinerUebermacht in Deutschland erwarten, da Wallenstein sichgerüstet und auch Tilly wieder ein großes Heer gesammelthatte. Der Schwede brach am 3. März von Mainz aus,ging gegen Nürnberg und zog dort am 21. Märzein, freudigst begrüßt von den Bürgern, die ihn alsBeschützer des evangelischen Glaubens mit weitausgestrecktenArmen aufnahmen. Tilly stand bei Rain, wohin sichGustav Adolf jetzt wandte, nachdem er zuerst Donauwörth erobert hatte. Bei Rain verloren die Bayern gegen3000 Mann, Tilly wurde schwer verwundet nach Jngol-stadt transportirt, wo er zwei Wochen nach der Schlachtim dreiundsiebzigsten Jahre starb mit dem WorteNegcns-burgl" auf den Lippen, womit er, wie schon in seinerLeidenszeit, sagen wollte, man solle Negensburg wohl inAcht nehmen, sonst käme des Kaisers Krone in Gefahr.Das der Tod des nüchternen, uneigennützigen, gerechtenund reinen kaiserlichen Feldherrn. In Altötting ist seineRuhestätte.

Um den Feind ganz vom Lech zu vertreiben, wandtesich der Schwede zunächst nach Augsburg , das in denAugen der Protestanten als das neue Jerusalem galt,weil hier der endgültige Neligionssriede geschlossen wordenwar. Mit vollen Armen aufgenommen, zog er mit demprotestantischen Lorbeer in die Stadt ein so sehrfriedlich",nicht über die Leichen von Erschlagenen. Hier trat er aufals der Messias der religiösen Freiheit des deutschen Volkes, hier wurde von seinem Hofprediger in der St.Annakirche der Katholizismus verdammt, hier wurde derkatholische Magistrat abgesetzt und durch einen protestant-ischen ersetzt, sogar der Name Augusta wurde in Gustav«umgewandelt, begeisterter wurde der Schwede noch nirgendsempfangen Augsburg war schwedisch geworden.

Die bayerischen Ucberreste hatten sich gegen Jngol-stadt gewendet, und Gustav Adolf folgte ihnen am 25.April dahin nach. Nach einigen günstigen Erfolgenwurde er geschlagen und selbst verwundet. Die Seinenglaubten ihn todt unter seinem Schimmel, er aber erhobsich und sprach:Der Apfel ist noch nicht reif." DieBayern deckten Negensburg, eingedenk des Testamentesvon Tilly, und der Schwede zog nach München , nach-dem er Landshut gegen eine Entschädigung von 100,000Thalern vor der Plünderunggnädigst" bewahrt hatte.100,000 Thaler sind wohl auch eine Plünderung. DerDeputation aus Landshut , die um Schonung bat, abererklärte, die Stadt werde sich ihm unterwerfen, ent-gegnete er:Wenn der Kurfürst nicht ablasse, ihn zubekriegen, so werde er Landshut und München vor desKurfürsten Augen verbrennen. Er habe keine Ursache,sie zu schonen, sie hätten verdient, mit Feuer und Schwertvertilgt zu werden." Welch friedliche Worte im Mundeeines Befreiers Deutschlands! München zitterte. Eshatten sich bereits im Gefolge des Königs Stimmen er-hoben, welche den Rath gaben, an München den Unter-gang Magdeburgs zu rächen. Und es waren deutscheFürsten , welche dies riethen. Am 17. Mai hielt derSchwede seinen Einzug in die Stadt, nachdem die Rätheder Stadt demselben die Schlüssel auf den Knieen über-reicht hatten; gegen die Snmme von 300,000 Thalernwurde München vor der Plünderung bewahrt; allesWerthvolle wurde nach Stockholm transportirt, besondersdie goldenen Gefäße :c. in den Kirchen. Ist dies dennnicht auch geplündert?

Es nahte die Zeit, wo der Schwede das inhaltS-