Ausgabe 
(20.12.1894) 51
 
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Dieser Kriegskörper muß ein Haupt haben, und diesesHaupt darf kein deutscher Fürst sein. Ferner mußdieser Kriegskörper bestehen bleiben auch nach dem Ab-schluß des Friedens, bestehen bleiben für immer." Undder schwedische Gesandte Sattler sagte, natürlich im Auf-trage des Schwedenkönigs:wenn der König sich mitder Zeit zum deutschen Kaiser werde erwählen lassen(wäre besser gesagt gewesen: ,sich selbst werde machen'),so werde er die im Reiche gewöhnliche Capitnlationnimmermehr beschwören. Auch werde der König dieFührung des Kriegskörpers nicht von der Krone Schweden trennen lassen." Was wollte also der König von Schweden?Die deutsche Kaiserkrone wollte er, aber er wollte sie nicht,wie bisher, durch eine Capitnlation beschränkt, er wolltesie uneingeschränkt, wie er auch die Krone Schweden besaß. Das wollte er, und damit Gott befohlen!

Recensionen nnd Notizen.

Germania. Jllustr. Monatsschrift für Kunde der deutschen Vorzeit. Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte. Er-scheint monatlich. Bezugspreis M. 6. halbjährlich.Leipzig , Friesenhahn.

Dieseneue" Zeitschrift gibt sich zunächst als Nach-folgerin des frübcr vom Germanischen Museum veröffentlichtenAnzeigers für Kunde der deutschen Vorzeit". Sie wird heraus-gegeben von dem jetzt in München lebenden preußischen Archivarvr. Christian Meyer und bedeutet im Grunde genommennur die Wiederbelebung seiner von ihm 1891 edirten, nach dreiJahren aber schon eingegangenenZeitschr. f. deutsche Cultur-geschichte" (Berlin , Lüstenöder), an deren Stelle mittlerweiledurch Georg Sieinbauscn eine neue Folge alsZeitschr. fürCulturgesckichre" getreten rst mit erweitertem Programm unddem Hauptziel, aus dem Dilettantismus in streng wissenschaft-liche Bahnen zu lenken. Allein abgesehen davon, daß wir einöffentliches und wissenschaftliches Bedürfniß für dasneue"Organ Meyers nichr zu erblicken vermögen, sind wir auch schondeßhalb nicht in der Lage, der Zeitschrift von welcher 2 Heftevorliegen das Wort zu reden, weil sowohl der literarischeName des Herausgebers als auch der des Mitarbeiters Hennc-Am Nbyn sattsam Bedenken bieten, daß gläubige katholischeLeser derGermania " oft genug Veranlassung bekommen werden,Aergerniß zu nehmen.

Friedrich Wilhelm Weber. Sein Leben nnd seineDichtungen von Karl Hoeber . Mit einemPorträt und Facsimile. Paderborn , Fcrd. Schöningh.8°. 108 S.

L*L Am StephanStage ist cS just ein Jahr, da feierteunter der begeisterten Theilnahme und Huldigung des kathol.Deutschlands Friedrich Wilhelm Weber seinen 80. Geburtstag.Heinrich Kcitcr, der Autor der verdienstvollen StudieFr. W.Weber, der Dichter vonDrcizebnlindcn" (4. Anst. Paderborn ,F. Schöningh. M. 0,60), überreichte damals imDeutschenHausschatz" XX. Nr. 9 dem greisen Sänger einen kostbarenStrauß, den in poetischen Weihegrüßen zum Wiegenfeste diedeutschen kathol. Dichter und Schriftsteller sinnreich und un-muthig gewunden hatten. Der Jubilar selbst hielt in schlichten,markigen Weisen (Nur Traum?") eine stimmungsvolle Rück-und Ausschau auf seinem Lebenspfade. Er war leider kurzzuvor durch einen starken Jnflucnzaanfall ans Bett gefesseltworden. Der Blick des betagten Kranken in die Zukunft wardarum umflort, und sein Sang zum 26. Dezember klang in denrcsignirtcn, ahnungörcichcn Scblußakkord aus-

Und jetzt? Mich dünkt, ich träume fort und fort.

Wie lange noch? Uns ward ein Reich verkündetJenseits des Meer's, wo Trug und Täuschung schwindet.Fern dämmert schon daS Friedenseilaud dort,

Der dunkle Fährmann winkt in seinen Nachen:

O gebe Gott ein seliges Erwachen!"

Der Greis überwand zwar die Krankheit selbst wieder, alleinder Folgezustand der Blinddarmentzündung schwächte den Körperimmer mehr. Und als die Früblingösonne des 5. April 1694verschied und die Abcndglocke zu Niehcim im alten Wetigauläutete, da entschlief er dort im traulichen, selbstgebautcn Heimvon der Liebe der Seinigcn und dem Segen der Kirche um-

friedet. Wie hatte er sonst beiLenzeshauch" undlinder Zeit"gejubelt und gelackt in die sonnige und die wonnige Welt hinein!Wie hatte er in bitterer Trauer geklagt:

Daß bei deS Lenzes Auscrstchn

So mancher muß zu Grabe gehn!"

Wie hatte er die Natur, die große Meisterin, gebeten, jedejunge Kraft zu schonen und uns erst spät.wenn die letzteDolde blüht, die letzte Schwalbe südwärts zieht", neuen, milderenLenzen zuzuführen! An seinem Sarge trauerten vereint dieliterarischcn Zeitgenossen. DieAllgem. Kunstchronik" (Verlagvon Albert in München ) 1894, H. 12, S. 353 ff. widmete ihmeinen Nachruf, in dem es hieß:Zweifelsohne ist mit F. W.Weber einer der ernstesten deutschen Dichter unserer Zeit ausdem Leben geschieden", und Ernst Heilborn rühmte imMagazinf. d. Literatur" Nr. 15 von, 14. April 1894 den Entschlafenenals dengedankenreichen Dichter",einen allerletzten Romantikernach Form und Stoffgebung". Auf katholische Seite geselltesich zu der schon erwähnten Studie Kellers das vorliegende ge-haltvolle Buch von Karl Hoeber . Es war ursprünglich geplantals Festschrift zum 80. Geburtstag, der Dichter selbst hatte esauf dem Krankenlager einer pcrsönl. Durchsicht und Berichtigungunterzogen. Gerade durch letzteren Ncbcnumsiand besitzt es vor-züglichen Werth in seinen biographischen und literarhistorischenAngaben, daneben bekunden die analytischen Partien ein warmesVerständniß, tüchtige Belcsenhcit nnd kritische Schulung. Weberspoetischer Nachlaß ist in die berufenen Hände eines jungen ka-tholischen Literarhistorikers und Dickters gelegt worden, und seineVeröffentlichung wird nicht gar lauge mehr auf sich wartenlassen. Wenn diese erfolgt, gedenken wir in derBeilage" desNäheren auf den Verewigten und die Schriften über ihn imZusammenhange zurückzukommen.

Nepctitionsbüchlein, ein Leitfaden für den Katecheten zur Wiederholung des Nothwendigsten aus demKatechismus, was dem Kinde für's Leben bleiben*soll, zugleich ein Lesebüchlein für das kathol.Haus. Zweiter Theil: Von den Geboten. Kösel,Keuchten. 30 Ps.

* Ueber vorliegendes II. Bäuschen schreibt ein competenterBeurtheilen: Wahrhaft gierig habe ich mir diesen H. Theil deSRepctitionsbüchleinS angesehen und finde, daß derselbe völligdem I. in der Anlage und Ausführung entspricht. Mit Geschicksind abstrakte Begriffsfragen vermieden, und doch ist ihr Inhaltin nueloo behandelt und der kindlichen Denkweise ange-paßt. Die beigegebcneAnleitung zur Gewissenserforschung"zeichnet sich durch ihre Einfachheit und durch den genauen An-schluß in der Ausdrucksweise an den vorausgehenden Unterrichtüber das II. Hauptstück aus. Eine andere uns zugekommeneRecension von geehrter Seite besagt u.A,, die Versicherung imVorwort des II. Bündchensauch im II. Bündchen fehlt nichtsvon dem Wichtigsten, und, was der Katechet besonders begrüßendürste, alles ist in eine für die Kinder faßliche Form gebracht",kann nach genauester Prüfung bis ins einzelnste bestätigt werden.Für die jedem Gebote vorangeschickten, die Hauptsache ent-haltenden Memorialreime werden alle Katecheten im Interesseder schwächsten Schüler dankbar sein. Kurze, markige Schrift-stellen sind häufig direkt in die Antworten als Beweisgründeeingefügt. Einzelne Verbesserungswinke dieser Recension sindden Verfassern zugestellt, die unseres Wissens dafür recht dank-bar sind. So möge anch das II. Bündchen die verdiente Auf-merksamkeit und Theilnahme zunächst der Katecheten und dannauch der kathol. Familien, wofür das Nepetitionsbüchlein alsLesebüchlein"'versaßt ist, im reichsten Maße finden!

Thalhofer Val. Dr., Handbuch der katholischenLiturgik. Zweite Auflage, erster Band, erste Ab-theilung. Bearb. von vr. A. Ebner, Domvicar undDocent am b. Lvceum Eichstätt . Frciburg bei Herder,1894. Preis 4 M.

Als eine Zierde der bei Herder in Frciburg erschienenentheologischen Bibliothek ist von der Kritik einstimmig das vonDr. Tbalhoser herausgegebene Handbuch der katbol. Liturgikanerkannt und anempfohlen worden. Wie nicht leicht einanderer besaß der gefeierte frühere Director deS GcorgianumSin München und nachmalige Dompropst in Eichstätt alle Eigen-schaften, um im Fache der Liturgik Großes und Epochemachendeszu leisten. Allein lange währte es, bis er unter dem Drängeanderer Arbeiten dazu kam, den Wünschen seiner zahlreichenehemaligen, durch sein mündliches Wort begeisterten Schülernachgebend, das genannte Werk zu schreiben. Im Jahre 1833erschien des 1. Landes 1. Abtheilung, zum Jubiläum gewidmet