Ausgabe 
(17.1.1896) 3
 
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Die GettemlkerMlmlrmlM der Katholiken unddie christliche KrmsL.

So ist denn noch vor Ablauf des alten Jahrestrotz mancher Hemmnisse der gedruckte Bericht der Ver-handlungen der 42. Generalversammlung der DeutschenKatholiken in München in die Hände der Mitglieder ge-langt. Er erschien früher als dies in den letzten Jahrender Fall war. Und so kaun denn Jeder an der Handdiese» Berichtes um so leichter die schönen Tage vom25. bis 29. August 1895 mit der ganzen Fülle ihrergeistigen Anregungen, der aufklärenden und begeisterndenGedanken, Mittheilungen, Rathschläge nnd Resolutionen,wie sie in den berathenden Sitzungen, den beschließendenVersammlungen und den öffentlichen Reden zum Ausdruckkamen, sammt jenen das Gemüth erhebenden Freudender zusammenschließenden christlichen Geselligkeit undSolidarität noch einmal im Geiste durchkosten.

Auf den Katholikentagen tritt so recht der allum-fassende Charakter der katholischen Kirche der Welt vorAugen. Die ihrer Pflicht als solche sich bewußten Ka-tholiken, die eifrigen werkihätigen Mitglieder der kathol.Kirche, stehen am allerwenigsten den wichtigen, drängen-den Zeitfrageu unthätig gegenüber. Nein, sie bethätigensich mit bestem Wissen und Können an deren möglichstvollkommener Lösung. So wurden so manche jenerFragen", wie die Preß-, Schul-, Armen-, Ar-beiter-, Kirchengesangs- und andere wichtige Fragen,von katholischen, zielbewußten Männern angeregt, aufden allgemeinen deutschen Katholikentagen in Fluß ge-bracht und mit ihrer Hilfe der Lösung näher geführt.

Als die zwei neuesten Fragen, deren energische In-angriffnahme nicht wehr verschoben werden darf, sind dieBauern-" und dieKünstlerfrage" aufgetaucht.Bauern und christliche Künstler! Jawohl, beide haltenwir für äußerst wichtige, ja unentbehrliche Faktoren einessoliden christlich-germanischen Staates. Beide sind aberin dem Punkte, der dennarvus omiuurn rerunakuwrnng.rnin" von heute betrifft, gleichgestellt. Siemüssen nämlich, wenn sie ein vollwertiges Produkt ihrerArbeit herstellen wollen, meist ebensoviel oder noch mehrGeld und Geldeswerth hineinstecken, als sie dafür vomAbnehmer zurückerhalten. Eine genaue und gewissen-hafte Enquete würde jene Thatsache bei den christlichenKünstlern vielleicht noch eklatanter bestätigen, als bei denBauern.

Bei solchen Verhältnissen kann nun aber, wie keineleveuskrüftige, gesunde Landwirtschaft, so auch keineblühende, achtunggebietende christliche Kunst bestehen.Selbst nicht die sparsamste klösterliche Genossenschaft,welche sich der Pflege der christlichen Kunst in wahrhaftkünstlerischer Weise hingeben wollte, würde bei derjetzigen, bet uns so ziemlich allgemeinen Ablöhnung derchristlichen Künstler existiren können, wenn ihr nicht nochweitere Quellen zum Lebensunterhalte zu Gebote ständen.Denn wenn man wirklichkunstgemäß hergestellteAltarbilder von 2 m Höhe für 100 Mark" und voll-ständig künstlerisch und anatomisch richtig behandelteAltarbilder von 2 m Höhe für 120 Mark absetzen willoder muß, dann muß auch selbst der spekulativste Kunst-kmstaltsbesitzer bankerott werden, und wenn die aus-führenden .Künstler auch nur wahre Hnngerlöhne erhielten.Aber abgesehen davon, wäre das Werk kein würdiges,

kein Gott wohlgefälliges, zur himmlischen SegensvermiLt-lung paffendes Kunstwerk und Andachtsbildniß, wenn esaußer seiner stumpfen Empfindungslosigkeit den unterVerwünschungen vergossenen Schweiß des Lohnarbeiters,genanntchristlicher Künstler", an sich tragen würde.Das ist auch ein Stück der socialen Frage!

Aber wie ist da abzuhelfen?

Bei der Bauerufrage ist die Lösung jedenfalls be-deutend schwieriger. Denn bei dieser ist das Spiel derhohen Politik, der äußern wie der innern, die Rücksichtaus die fremdenmeistbegünstigten Nationen", sowieauch die heimischen Kapitalmächte, die Allmacht desManchesterthnms, ein ungemcin schwer zu überwindendesHinderniß. Bei weitem leichter dürste diechristlicheKünstlerstage" zu lösen sein. Man sollte meinen, eLbedürfe hier bloß der sachgemäßen Aufklärung nnd desguten Willens der maßgebenden Interessenten.

Jeder, der eine wahre christliche Kunst will, dermuß doch wollen und mitwirken, daß da, wo wirklichetwas Künstlerisches geschaffen werden soll, auch dieabsolut nothwendigen Vorbedingungen hiezu gegebenwerden. Diese dürsten nun aber wohl vor allen fol-gende drei sein.

1. Der auszuführende kirchliche Kunstaustragdarf nur einem wirklichen Künstler übertragen werden also nicht einem Faßmaler, Vergolder oder bloßenTechniker, Maurer- oder Baumeister, auch keinem Kunst-fabrikanten oder Engroskünstler, sondern direkt und un-mittelbar dem der Aufgabe gewachsenen, durchgebildetenMeister. Nur der letzte hat von Gotts- und Rechts-wegen einen begründeten Anspruch wie auf die Aus-führung eines für das Gotteshaus bestimmten wirklichenKunstwerkes, so auch auf die volle, ihm gebührendeEntlohnung für die vollbrachte Kuustarbeit. Daß fürdas religiöse kirchliche Kunstwerk kein Ungläubiger oderJude in Anspruch genommen werden darf, versteht sichwohl von selbst, muß aber doch noch eigens betontwerden. Ebenso gut könnte man einen solchen auch alsPrediger auf die christliche Kanzel zulassen.

2. Es muß dem Künstler durch entsprechende, seineArbeit, Mühe und Zeitaufwand vollwerthig entlohnendeBezahlung ermöglicht werden, mit Lust und Freude, mitganzer Hingabe und Begeisterung sich seinem künstler-ischen Schaffen zu widmen, zu dessen erster Bedingungein sorgenfreies Gemüth gehört. Wahrlich, nicht nureine sichere, niemals versagende Meisterschaft in seinerKunst, sondern auch ein in echt christlicher Gesinnungfestgegründetes Gemüth gehört dazu, trotz der oft uner-hört unpreiswürdigen, herabgehaudelten Preissumwe, einAndachts- und Heiligenbildniß zu schaffen, dessen erhabeneSchönheit oder himmlischer Friede keine Spur jener bitternmenschlichen Stimmung verräth, die bei jedem Pinsel-strich und Meißelschlag im tiefsten Seelengrunde deschristlichen Bildners aufwallen möchte. Wenn derLiterarhistoriker Vilmar sich im Stande erklärt, in jedemmodernen Volkspoemdas Haar in der Suppe", dasheißt: die innere, mehr oder weniger starke Verstimmungdes Dichters nachzuweisen, so zeigen dagegen die echtenKunstgebilde unserer wahrhaft christlichen Dichter undKünstler trotz aller Ungunst der Zeiten bis in die neuestenTage ein ganz reines, von jener Schlacke freies Gepräge.Als hervorstechende und gleichsam monumentale Beispiele