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mögcn hier nur die Namen eines Dr. Fr. Helle undeines Carl Baumeister genannt werden.
3. Man rede deui Künstler nicht zu viel ein undwolle, was die rein künstlerische Auffassung und Formangeht, nicht klüger und vsrständnißvoller sein, als dergebildete Künstler selbst. Dieses Hineinreden, Vor-schreiben und laienhafte Vordemoustriren und Constrnirendes zu schaffenden Kunstwerkes hat schon manchem genia-len Künstler — man denke nur an die Schöpfungeneines Steinle in Köln — das beste Concept verdorben.Macht doch nur das Subjcciiv-Jndividuclle, d. i. derpersönliche Stil, das Werk zum Kunstwerk.
Diese drei hier kurz berührten Grundsätze könnennicht entschieden und oft genug betont werden. Siebilden die sachliche und praktische Voraussetzung zur Er-möglichung einer höher« und allgemeinern christlichenKunstblüthe. Ohne Künstler keine Kunst und ohne ge-nügende Existenzmittel keine Künstler I
Auch die allgemeinen Katholikenversammlnugen be-faßten sich schon seit Jahren mit der christlichen Kunst-srage und erließen manche beachtenswerthe Resolutionenüber die Ausgabe der christlichen Kunst und über Wesen undForm des christlichen Kunstwerkes. Auch wurden mancheinhaltsreiche Reden über die Schönheit, Würde und Be-deutung der erhabenen religiösen Muse gehalten. Im„christlichen Jsar-Athen " wurde merkwürdiger Weise gegenAller Erwarten, dem auch unwillkürlich Herr Or. Ortererin seiner öffentlichen Rede Ausdruck gab, keine vernom-men. Mit Stillschweigen ist aber hier, wie überall,nichts geholfen. Auch die Generalversammlung derdeutschen Gesellschaft für christliche Kunst bot für denAusfall jener Rede keinen Ersatz. Die äußerst knappzugemessene Zeit füllte zum größten Theil die Verlesungdes Jahresberichtes, und kaum war es Herrn ProfessorDr. Schlecht möglich, in einem kurzen rhetorischen Vor-stoß eine kräftige Lanze für unsere christlichen Künstlerzu brechen.
Die „Künstlerfrage", der praktische Kern der ganzenSache, wurde aber bisher meist nur so obenhin behandeltund hie und da mit einer nicht beachteten und nochweniger befolgten Resolution abgethan. So kommt die-selbe auch diesesmal wieder in dem Unterabschnitte einerseitenlangen Resolution ein wenig zum Vorschein, indemes da heißt: „Die Generalversammlung erkennt deß-wegen für die Kirche ausschließlich die Thätigkeit selbst-ftändig schaffender Künstler und Kunsthandwerker als be-rechtigt an und verurtheilt den Fabrikbetrieb vieler sogen.Kunstanstalten, welche als die schlimmsten Feinde derechten kirchlichen Kunstthätigkeit betrachte! werden müssen.Die Generalversammlung verwirft die Massenerzeugungauf dem Kunstgebiete und warnt alle, die es angeht,durch Anschaffung solcher Erzeugnisse die Kirchen zu ver-unzieren und dazu auch finanziell schwer zn schädigen."
Die „Künstlerfrage" war aber stets der Refrainoes seligen A. Neichensperger, der schon entschieden be-tonte: „Will man der christlichen Kunst aufhelfen, somuß uian vor allem dem schaffenden Künstler direkteAuftrüge zuwenden. Geld wäre zu diesem Zwecke genugda. Unsere christlichen Vorfahren hätten auch nicht anoffenen Gcldsäcken gestanden." —
Letzterer Gedanke ist ebenso wahr wie beachtcus-werth. — Ein Würzburger Decan erklärte mir in Mainz Folgendes: „Bei uns werden alljährlich in jedem De-kanate etwa 30,000 Mk. für kirchliche Nestaurations-zwecke ausgegeben. Wenn nun von oben herab dafür
gesorgt würde, daß diese Summe nur für künstlerischund technisch würdige Arbeiten verwendet würde, dannwäre der christlichen Kunst bald geholfen." Das ist inder That unzweifelhaft! "Doch ich will etwas noch ab-lassen. Ich behaupte, wenn von diesen 30,000 Marknur „5000" alljährlich in jedem Dekanate für einewirkliche Kunstleistuug ausgegeben würden, so würdennach und nach alle Kirchen den einen oder andern durch-aus würdigen und erbaulichen Bildschmuck erhalten, unddem Elende der christlichen Kunst wie der Noth der christ-lichen Künstler wäre in Bälde abgeholfen. — Ncichen-sperger selbst griff vorzüglich in seiner nächsten Umgebungam Rhein mit großer Energie und Sachkenntniß, bei ge-nauer Befolgung seines vorgenannten Grundsatzes, indie christliche Kunstthätigkeit ein, und ist die dortigeherrliche Neublüthe kirchlicher Gothik als die reich ent-wickelte Frucht seiner grundlegenden und fördernden Be-mühungen anzusehen.
Möchte er nun besonders in allen Kunstcentrenebenso energisch eingreifende Nachahmer finden! Möchtenauch besonders die folgenden Generalversammlungen derKatholiken gerade jenes alte Reichensperger'sche Grund-thema der „Künstlerfrage" in nachdrücklichster auf-klärender Weise den anwohnenden Mitgliedern, unterdenen ja besonders der Klerus, der zunächst interessirteund berufene Förderer der bezüglichen Kunstthätigkeit,stets am zahlreichsten vertreten ist, nicht nur als Ver-standes-, sondern noch mehr als Gewissenssache immerwieder zu Gehör bringen l Dann muß doch endlich auchauf dem vorwürfigen Gebiete ein ersprießlicher praktischerErfolg sich zeigen, wie deren auf andern Gebieten dieGeneralversammlungen der Deutschen Katholiken in derThat so manche zu verzeichnen haben.
Festing,
Die Gründer des Hauses Bourbon-France .
Von Charles Saint Paul.
(Fortsetzung.)
Im Jahre 1310 sandte König Philipp den Grafenund seinen ältesten Sohn, Ludwig, zum Kaiser Heinrich VII.,um einen Vertrag gegen die Engländer und Flamländerzu schließen.")
Robert wollte sich auch am Kreuzzuge betheiligen.Jedoch entband ihn Clemens V. von dem diesbezügliche»Gelübde, wie aus einem Schreiben desselben vom 25. Fe-bruar 1306 hervorgeht, in welchem er den Grafen auf-fordert, da er durch körperliche Schwäche abgehalten sei,statt des Kreuzzuges eine fromme Schenkung von10,000 LireZ zu machen.^)
Daß Robert sich möglichst von der Verwaltungseiner Herrschaft frei zu machen suchte, ist erklärlich.Er verzichtete im Jahre 1310, nach dem Tods feinerGattin, auf die Administration des Bourbonnais und gabvier Jahre später auch die Grafschaft Clermont seinemSohne Ludwig, indem er nur den Titel und eine jähr-liche Reute für sich behielt.
Er starb im Jahre 1317, am 7. Februar, wie ausder Grabschrift erhellt, im 62. Lebensjahre. Seine Be-gräbnißstätte war die Domiuikanerkirche der Nue Saint-Jacques in Paris , wo mehrere Bourbonen ruhten. Sein
") I,a Llurs , ioin. II. xn§. 10, 11; Ooiküsr vemorst,I,o Oonrbounais. ^.rtiels Itobort, toiu. I.
'-) In den >?i'onvos snr l'bistoiro äss vnes äs Oonr-bon« von I,?. Lknrs, low. III. krsnvss 114 A.