Ausgabe 
(17.1.1896) 3
 
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förderlich wirken auch zwei Nationen auf einander ein,sofern sie sich nicht zu sehr verschmelzen, vielmehr ihrecharakteristischen Merkmale beibehalten. Pflicht der Völkerist es deßhalb, an Gewohnheit, Sage, Sitte und Tracht,kurz an ihrer nationalen Eigenart festzuhalten. DiesemZwecke soll auch Skansen, jenes herrliche Frei-luftmuseum, dienen, das vr. Arthur Hazelius aufDjurgarden errichtet hat. Von hier blickt man hinausüber die herrliche Stadt Stockholm , die sich mit all ihrenReizen dem Blicke entrollt und zauberisch auf den Fluthendes Meeres zu schwimmen scheint. Kein Gegenstück aufErden zu dieser sonnenumglänzten, strahlenden Königindes Nordens, welche mit Recht den Stolz der Nationbildet! Ihr Bild allein sollte genügen, um den Söhnendes Landes Leier und Schwert in die Hand zudrücken!

Der Traum eineseinigen Skandinaviens " ist bisauf Weiteres vorüber.

Wenn also Björnson Schweden auffordert, dieFahne des Nordens" zu entrollen, dürfte er wohlwenig Anklang finden. Eilt es aber Existenz undEhre Schwedens , so soll man die Enkel ihrer Ahnenwürdig sehen! Ihnen sei es zugerufen, das Wort desDichters:

Gemüthsvolk Du, Du Volk der Phantasie,

Der innig sceleiivollen Poesie;

Sei männlich stark und fasse muthentbranntDein Schwert und Dein Panier mit fester Hand!"

Der schwarze Berthold, der Erfinder des Schieß-prrlvers und der Feuerwaffen.

(Schluß.)

ll. I'. Kommen wir nun zum Namen des Erfinders,den alle Geschichts- und Lesebücher als Berthold Schwarz angeben. Wie wir oben schon gesehen, nennt ihn derälteste Zeuge, Hemmerlin, Lertüolclus niZar, d. h. derschwarze Berthold. Aus diesem Lertüoläus niZar machtenun der als nicht sehr scrupulös bekannte Aventin denLsrtüolclua I^iZen, und das heißt Berthold Schwarz .Diesen Namen übernahm von Aventin der obengenannteGaffer und von diesem Sebastian Münster u. s. f.

Daß dieses nicht die richtige Wiedergabe des latein-ischen Namens ist, liegt auf der Hand; nicht bloß Hem-merlin sagt uns, daß er nicht Schwarz, sondern derSchwarze heißen muß; auch der Verfasser eines ange-druckten Feuerwerlbuches aus dem Jahre 1432 bezeugtuns dieses. Er nennt den Erfinder einenMaistcr",so geheißen hatder schwarze Berthold" und gewesen istein ^gaiinantious, ein Schwarzkünstler. Das letztereWort gibt unS deutlich den Grund an, warum derPulvererfinder, Meister Berthold, den BeinamenderSchwarze" bekam; von seinerSchwarzkunst", derAlchimie. Richtiger als die deutschen Chronisten habendie Franzosen den LarÜioIclus nitzar übersetzt. Sonennen ihn Frau?ois de Belleforest 1579 und AndröThevet 1584 Lartkolä Is Noir, d. i. Berthold derSchwarze . Der andere Name des Erfinders, KonstantinAntlitzen, hat Veranlassung gegeben, zwei Männer ausdemselben zu machen. Dieses scheint aber ohne jedentriftigen Grund geschehen zu sein. Denn es ist bekannt,daß, wer in ein Kloster tritt, seinen Taufnamen ablegtund einen andern bekommt. So wurde der Konstantinder Welt eben im Kloster ?. Berthold, ohne daß mandeßhalb vergessen mußte, daß er vor seinem EintrittKonstantin Antlitzen geheißen habe. In Freiburg kamen

in vergangenen Jahrhunderten eine Menge mitJsen"(Eisen) zusammengesetzter Geschlechtsnamen vor. So noch1624 ein Spielmann Angelisen, den die österreichischeRegierung dem Stadtrathe zur Anzeige brachte, weilGeorg Angelisen und ein Schreiner Jäcklin, Spiclleutevon Freiburg , bei ihrem Durchzuge zu einer Hochzeitnach Kienzheim (Elsaß ) zu Neichenweier an einem Frei-tage Speck gegessen und dadurch großes Aergerniß ge-geben hätten." Von Angelisen, bemerkt Hansjakob richtig,ist aber, namentlich im Munde fremder Schriftsteller, nurein Schritt zu Anklizen und Antlitzen. Man möchte sichnun wundern, daß die Chronisten des Franziskaner-ordens am wenigsten wissen von dem Pulvererfinder.Es ist aber bekannt, daß die ersten Nachfolger der zuFreiburg vertriebenen Conventualen oder diese selbstPergamente abschabten, um anderes darauf zu schreiben.Warum aber Notizen über den Pulvererfinder mit Vor-liebe vertilgt wurden, wird uns klar werden, wenn wirdas Urtheil der Welt über den schwarzen Berthold undseine Erfindung erfahren. Doch zuvor noch ein Wortüber die Stadt der Erfindung.

Klar weist unser Gewährsmann nach, daß die Er-findung in Deutschland gemacht wurde, und daß das,was verschiedene Chronikanten darüber sagen, daß dasByssen-Krud" (Büchsen-Kraut, d. i. Schießpulver) inDänemark, in Italien, in Griechenland, in Böhmen usw.erfunden worden sei, theils Sage, theils Verwechslungist. Ebenso klar ist sein Beweis, daß unter den fünfStädten, Köln, Goslar, Mainz, Nürnberg, Dortmund ,die als Geburtsstätten des Erfinders oder wenigstens derErfindung genannt werden, keine einen Grund hiezu habe.Freiburg allein hat diese Ehre. Für diese Stadt sprichtdie Sage, welche doch stets einen historischen Hintergrundhat. Diese Sagen erzählen, daß Meister Berthold, erstCistercienser, in dem schon im 13. Jahrhundert blühen-den St. Blasien, dem Monte Cassino des Schwarzwaldes,seine Studien machte und mit naturwissenschaftlichen Ex-perimenten sich abgeben konnte; hier habe er sich auchseinen Gelehrtentitel, den einesMeisters der freienKünste" (Mgistar), geholt. EinMeister Berthold"erscheint aber im Jahre 1245 in der Kirche St.Martin zu Freiburg als Zeuge. Als ein Sohn deshl. Franziskus wäre Berthold damals, wo Predigt undüberhaupt Seelsorge die Hauptaufgabe der Franziskaner war, sicherlich nicht zum Studiren nach St. Blasten ge-schickt worden. Eine zweite Sage erzählt, daß feineMitbrüder den Pulvererfinder wegen seiner unheimlichenStudien eingesperrt haben. Ein deutscher Schriftsteller,Buddeus, sagt, in einem Traktat, welches unter AlbertiMagui Werken zu finden, stehe, daß Berthold Schwarz ein Barfüßer-Mönch gewesen und das Pulver im Ge-fängnisse erfunden habe. Damit stimmt überein, waswir mit geschichtlicher Gewißheit wissen, daß nämlich seinZeit- und Ordcnsgenosse Bacon wegen ähnlicher Dingewiederholt und jahrelang in Haft sich befand. Die dritteLegende übt das Nichteramt an dem Erfinder einer soschändlichen Sache"; sie berichtet nämlich, daß derschwarze Berthold sich zu Freiburg selbst in die Luftgesprengt habe, um die Wirkung seiner Erfindungzu zeigen.

In einem Scherzgedicht, dessen Dichter nach Dr.Hausjakob wohl noch im 13. Jahrhundert gelebt hat,ist die Rede von dem Schießen mit Büchsen; man hatalso damals schon in Freiburg mit Pulver geschossenund zwar früher als in einer andern Stadt. Daß dieses