Ausgabe 
(31.1.1896) 5
 
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Kathodcnsirahlen bei gewöhnlichem Luftdruck noch nicht unter-sucht werden konnte. Die X-Ztrahlen haben entweder eine sehrgroße oder eine sehr kleine Wellenlänge, das letztere scheint dasWahrscheinlichere. Die Experimente, die der Redner währenddeö Vertrages machte, trugen wesentlich zum Verständnisse desGesagten bei. Besonders interessant waren aber das Phoro-graphircn eines Geldbeutels und die Vorführung anderer mit-tels des Nöntgcn'schen Verfahrens gewonnener Photographien.Zwischen die Hittorf'sche NLbre und eine gewöhnliche, mitschwarzem Papier umhüllte photograpbische Platte wurde einGeldbeutel mit 3 Geldstücken gelegt. Während der lederne Theildes Beutels nur in schwachen Umrissen erkennbar war, tratenMetallbügel und Geldstücke im Innern ganz deutlich hervor.Sehr schön erschienen auch die Knochen einer Hand, sogar derUnterschied zwischen dem porösen und compaktcn Theil derKnochen ließ sich erkennen. Herr Pros. Ranke dankte den beidenHerren Vortragenden und sprach seine Freude darüber aus,daß in München die anthropologische Gesellschaft die erste war.welcher die neue Erfindung in so klarer Form vorgeführtwurde. ... Dr. L.

Neceusioueu und Notizen.

Martin Greif'SGesammelte Werke". Leipzig , Ame-langS Verlag. I. Band: Gedichte. 1895.vr.6-.Ll. Als Ausgabe letzter Hand hat sich der berühmteDichter diese Gesammtgabe seiner Werke gedacht, die soeben er-scheinen. So, wie er sich hier offenbart, will er künftig vonder Litcraturgeschichte verstanden und beurtheilt sein. Bishererschien der I. Band, die Gedichte enthaltend. Der LyrikerGreis steht endlich auf einer Warte, die ihm ernstlich nicht mehrvon Neid und Mißgunst bestricken werden kann. Er darf alsder universellste deutsche Lyriker der nachgcetheschen Zeit gelten.Daß er beginnt, Gemeingut des deutschen Volkes zu werden,dafür zeugt eben das Erscheinen dieser sechsten Auflage seinerGedichte! Die sechste Auflage, und doch nicht bloß eine Auf-lage. Das zweischneidige Wortverbessert" ist hier am rechtenOrt. Greif gibt vielfach ausgerciste Aenderungenfrüherer Lesarten, oft klein erscheinend und doch bedeut-sam: eine Selbstkritik edelster Art. Der Leser staunt, nun er-den Ertrag eines so gefühlsgehaltigen Poetenlebeus vor sichsieht, über die Unbegrcuztheit der Stoffwabl, die Universalitätder Gedanken und die Eigenart in Form und Ausdruck.Immer deutlicher tritt die Lyrik Greifs unbewußt in die geistigeSphäre eines Goethe damit ist genug gesagt. Die lebendigeAnschaulichkeit und die Naturbcseelung hat seit Goethe wohlkein Poet mehr so getroffen und empfunden, wie Martin Greif . Die vorliegende Ausgabe, die auch in billigen Liefer-ungen erschienen ist, muß aber auch als vermehrtegelten, wenn gleichwohl der Dichter trotz seiner Schüchternheitwohl noch manches Gedicht hätte beisteuern können, das seinneueres Schaffen kennzeichnet. Indessen ist Greis bei allerFruchtbarkeit wählerisch: was er als xosmata, uova bietet, istklassisch schön, wie dieAndacht im Walde" und daö IdyllDer Main und die OclSnitz". Fragt man nach seinem Glau-ben und jeder Dichter ist im Grund religiös, sonst ist er-eilt Schmierfink! so gehört er zu den geweihten Sängern,die für alles Höbe und Heilige erglühen, wo sie es finden. DenGott, der seine Liebe offenbart, weiß der Dichter in der Er-scheinung Jesu ebenso gegenwärtig, wie in der erhabenenStimmung der Natur. Greif ist ein christlicher Poet durchund durch, bei dem unser Herrgott freilich nicht erst seit denTagen des Christenthums lebt, sondern auch unerkannt imLeben der Verwelk gewaltet hat. Und Greif ist ein bayerisch-deutscher Dichter, ein echter Germane. Es ist ein großesVerdienst, das sich der noble Verlag erwirbt, indem er einensolchen Meister der Dichtkunst populär zu machen bestrebt ist.Die Ausgabe, von der ein II. Band den Dramatiker unszeigt, ist mustergültig. _

Jnstruktionsbuch für die dem bayer. Landes-verband angeschlossenen DarlehenSkassen-vereiue," bearbeitet von I. Stau dinger, k. Pfarrerund E. Bischofs, Direktor der bayer. Ccnlral-Dar-lcheuskassc. München 1896. Verlag des bayer. Landes-verbandes. Preis 3 M.

lH Der auf VIII und 383 Seiten gr. 8° sich darbietendeInhalt dieses soeben erschienenen Buches besieht in einer klarenund bündigen, stets durch ausgefüllte Formulare zur concrctenAnschauung gebrachten Instruktion über all das, was beiGründung, Geschästs- und Rechnungsführung bayer. Raiff-

eiseu'scher Darlehenskassenvereine und deren Verkehr mit demLandesverbände, den Kreis- und BczirkSverbänden, sowie derCcntral-DarlcbenSkasse zu beachten ist. Das Buch zerfällt infünf Theile. Der l. Tbeck handelt vom bayer. Landesverbandlanvwiribsckastl. Darlehenskassenvereine; der II. von der daher.Ccutral-Darlehenokassc,- der III. über laudwirthschaftl. Dar-lcbenSkasscnvereine nach Naiffeisen'schen Grundsätzen; der IV.enthält die einschlägigen Gesetze und Entschließungen der Staats-reaiernug; der V. bringt Statuten-Emwürfe und Sonstiges.Besonders ist auch der Bildung von Verkaufsgcnossenschaftensowie der Errichtung und Verwaltung von Lagerhäusern, diesemfür die Landwirthe und den rentablen Absatz ihrer Produkte sowichtigen Mittel, ausführliche Besprechung gewidmet. Als prakt.Eommcutar sind die Statuten der Verkaufsgeuossenschaft Trost-hcrg abgedruckt. Wir empfehlen das vorliegende Jnstruktions-buch allen bayer. Raiffeiseuvereinen zur Anschaffung. Es wirddenselben die besten Dienste leisten, nicht bloß als offiziöse Dar-legung der Ziele und Einrichtung des bayer. Landesverbandes,sondern auch als praktisches Hilfs» und Nachscklagebuch in zahl-reichen Fällen, wo sie. wie besonders im ersten Stadium desWerdens und der Consolidirung, Aufschluß suche». Sie werde»diesen sicher stets finden; denn die Bersasser, welche hinreichendbekannt sind, haben den Lanvwirthen, ihren Mitbürgern, indem Buche das Resultat vicljäbriger, in rastloser praktischerArbeit gewonnener Erfahrungen dargeboten. Ein ausführlichesSachregister erleichtert die Benützung des Werkes. Die Aus-stattung ist fein, der Preis sehr mäßig. Das Jnstruktionsbuchverdient die Anerkennung des ganzen derzeit schwer ringendenbayerischen Bauernstandes, es ist eine patriotische That.

Theologisch - praktiscbe Monatsschrift. Ceutral-Organder katholischen Geistlichkeit BayernS. Passau. Abt 'scheBuchhandlung.

^ Dem Forschuugsgeiste des 19. Jahrhunderts rühmt mannach, daß ihm die Selbstgenügsamkeit früherer Zeit und dieZufriedenheit mit dem Hergebrachten fremd geworden sei. Erist aus allen Gebieten der menschlichen Erkenntniß mit fieber-hafter Hast vorwärts gedrungen, und die Erfolge seiner nierastenden Thätigkeit liegen in den schätzbarsten Resultaten voruns. Hinter diesem nur auf das lebhafteste zu begrüßendenStreben der Profanwissenschnft ist die theologische Forschungnicht zurückgeblieben, Vor uns liegt daS 2. Heft deö 6. Bandesder Passnuer theologis ch-prakti sehen Monatss christ»welche uns sprechenden Beweis davon ablegt. Diese Zeitschrifthält im Wettlausc um möglichst zutreffende Erforschung derDinge außer und über uns gleichen Schritt mit der sogenanntenexakten Forschung, und es ist ibr ernst, nicht zurückzustehen inder Aufhellung des Geistes. Wir Katholiken in Bayern dürfe»stolz sein auf ein solches Preßerzeuguiß. Die Errungenschaftenspekulativen Denkens vergangener Jahrbundertc, die geschicht-liche Gestaltung deö Reiches Gottes aus Erden im Verlaufederselben, die praktischen Forderungen einer methodisch ange-legten Seelsorgenlcitung und die Erfolge derselben, endlich dierechtlichen Beziehungen nud Verhältnisse der Kirche treten unöhier in abwecbSlnngSvollein Bilde mit logischer Schärfe, popu-lärer Darstellungsweise und wohlthuender Kürze und Genauig-keit vor Augen, daß auch der verwöhnte Geschmack Befriedigungfindet. Es ist kein Zweig des theologischen Wissens, welcherliier nicht gestreift, unter dem einen oder andern Gesichtspunktebetrachtet und beleuchtet ist. Der Geistliche, welcher sich dieseschöne Zeitschrift einmal zum Begleiter gewählt, wird sie unsererUeberzeugung nach niemals mehr anS seiner Nähe weisen. Essind die hervorragendsten Namen der bayerischen Gelehrtenwelt,welche ihre Feder in den Dienst derselben gestellt. Wer solltenicht erfreut sein, wenn er die schwierigsten Fälle anS der Ver-waltung des Pfarramtes, die dem Seelsorger manchmal schlaf-lose Nächte bereiten können, hier mit Sicherheit gelöst findet?Möge diese Zeitschrift in keiner Seelsorgerbibliotbek fehlen undmöge durch fleißiges Abonnement seitens der Geistlichkeit dieRedaktion eine Ermunterung finden, auf dem bisherigen mitso viel Glück betretenen Wege muthig weiterzuschreiten!

Fünf kürzlich in derNation" erschienene Artikel des Hrn.Jnstizraths M. Lcby (Berlin ) über den Entwurf des Bür-gerlichen GcsetzeSbuäiS für das Deutsche Reich sindin einer Separatausgabe (3^/g Druckbogen) erschienen. Preis1 Mark. Da die Arbeit des Herrn Levy den wesentlichsten In-halt des neuen Gesetzbuchs unter specieller Berücksichtigung derAbweichungen vom bestehenden Recht in höchst übersichtlicherWeise zur Darstellung bringt, so eignet sich die Broschüre vor-züglich zur Einführung in die wichtige gesetzgeberische Materie.

Verantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. Druck u. Verlag des Lit. Jusiituts von Haas L Grabherr in Augsburg .