Das Ehebündniß wurde aber nicht geschlossen. Derzweite Gatte Beatricens war der Herr Endes vonGrancey in Burgund. Sie behielt aber immer am fran-zösischen Hofe die Ehren einer Königin. Aus ihrerEhe mit dem Könige von Böhmen stammte ein Sohn,Wenzeslaus, für den Kaiser Carl IV. das HerzogthumLuxemburg errichtete. Sie starb am 25. Dezember 1383und wurde in der Jakobinerkirche zu Paris begraben.
VI. Marie, die vierte Tochter, heirathete im Jahre1809 Gut) de Lusignan, den Fürsten von Galiläa, denältesten Sohn Hugo's IV., Königs von Cypern. Einzweites Ehebündniß schloß diese Fürstin nach dem Todeihres Gatten mit Robert von Sicilien, dem Fürsten vonAchaia und Tarent und Titularkaiser von Constantinopel,welcher ihr nach seinem Tode im Jahre 1364 den größtenTheil seiner Besitzungen in Griechenland und Sicilienhinterließ. Sie starb im Jahre 1387 tu Neapel , wo siein der Kirche der heiligen Clara begraben wurde, undfetzte vor ihrem Tode, da sie keine Kinder hatte, ihrenNeffen, Ludwig II. , den dritten Herzog von Bourbon,»u ihrem Universalerben ein?^)
Ludwig der Große starb zu Paris in den letztenTagen des Januar 1342, im Alter von 62 Jahren,betrauert vom Könige, der seine großen Verdienste umFrankreich und sein Herrscherhaus zu würdigen wußte,und wurde an der Seite seines Vaters in der Jakobiner-kirche beigesetzt.
Es war ihm bestimmt, durch seine Tüchtigkeit unddie Gunst der Verhältnisse das Haus Vourbon-France,dessen Gründung mit ihm vollendet wurde, zu einem dermächtigsten zu machen und ihm dauerndes Gedeihen,u sichern.
Recensionen und Notizen.
Brockhaus' Konversationslexikon. Verlag von F. A.
* Die neue 14. Ausgabe dieses bedeutenden lilerarischcnWerkes ist mit dein 16. Band glücklich vollendet worden undhat damit ein lOOjährigcs Jubiläum erreicht. Es marschirtjetzt an der Spitze der lexikographischen Literatur, sowohl wasUmfang als ihpographiiche Ausstattung betrifft, und enthältüber 126.000 Artikel, 10,000 Abbildungen und 130 Tafeln imBuntdruck, abgesehen von den 300 Karten und Plänen, diedem Werke beigcgcben sind. Die Fülle und Mannigfaltigkeit desStoffes, welchen über 400 Mitarbeiter verarbeitet haben, ist inder That riesig. Man wird wohl nur in sehr seltenen Fällen,ohne Aufschluß zu erhalten, das Lexikon zur Hand nehmen.Ueber die Beschaffenheit der Länder, Gebirge, Tbäler, Steppen». s. w. geben die ausgezeichneten Karten, besonders die treff-lichen Gebirgskarten, über die der Städte die Pläne und derenBeschreibungen Auskunft; der Techniker findet in allen Zweigenseines Gebietes gute Artikel und sachgemäß angefertigte Maschinen-dilder, der Baumeister die neuesten Constructiouen. der Chemiker»nd Mediciucr Auskunft über alle Fragen ihrer Wissenschaft.Der Landwirth lernt die neuesten Maschinen und Muster-Ein-richtungen kennen und der Gewerbetreibende jedes Faches dieErfindungen, die ihm in Dampf und Elektricität zn Hülsekommen. Auch der Kunst ist größte Aufmerksamkeit gewidmet,
Neben diesen Kindern hinterließ Ludwig auch einenaußerehelichen Sohn, Johann von Bourbon, der sich mit Agnesde Cbailleu, der Dame von Crozet im BourbonnaiS , vermählte,die ihm einen Sohn Namens Wilhelm gebar. Er starb imJahre 1375 und wurde in Souvigny begraben, k. Anselm,der Autor des Werkes »Zweien Bourdonnais« und andereAutoren haben den Irrthum begangen, denselben mit Gny deBourbon, dem Herrn von Classy und La Ferts-Cbauberon, zuverwechseln,^der aus einer ander» Familie stammte, und Jo-hann als Sohn von Pierre I., Herzog von Bourbon, anzu-führen. Siehe über die Nachkommenschaft Ludwigs die auf-klärenden Anmerkungen Stcyert's in La Mure's Ilistoirs clssDuos äs Bourbon. (II. 24—32.)
in Buntdruck, Bilder» und einem trefflich geschriebenen Texte.Ueber alle militärischen Fragen gibt das große Werk ebenso sach-gemäße Belebrung, wie über die Marine, über Handel undWandel, wie über den Weltverkehr. Fleißig ist die Länder- undGcschichtökunde gearbeitet. In den wirthschaftlichen und politi-schen Fragen tritt das Bestreben nach Unparteilichkeit hervor,die aber natürlich, wie das in der Natur der menschlichen Dingeliegt, nicht durchaus erreicht werden kann. Da wo sich's umpositiv-christliche und kirchliche Anschauung oder deren Gegen-theil bandelt, macht sich leider durchwegs die liberalistische Auf-fassung geltend. Und das ist für uns die Schattenseite an demsonst so bedeutenden Werke, das ein Zeugniß großer Schaffens-kraft und unternehmenden Geistes ist. 6uw talis sis, utinamnootsrossss — möchten wir rufen, d. h. hätten wir doch ein-mal ein auf positiv-christlichem und katholischem Boden stehen-des gleichartiges Werk, das sich mit dem „Brockhaus " messen-Löunte. Das wird aber auf absehbare Zeiten ein frommerWunsch bleiben und wir also genöthigt sein, zn Brcckhans u. A.zu greisen. Der Preis des Lexikons stellt sich für die 16 Bändeauf 160 M., scheinbar hoch, aber angesichts der Unsumme vonArbeit und Leistung, die in dem Werke steckt, doch überaus billig.Es mag noch erwähnt sein, daß die Verlagsfirma elegante Re-gale für das Lexikon herstellen ließ, welche einen hübschen Wand-schmuck bilden uns in Eichen- oder Nußbaumholz in langer oderhoher Form zu 30 bezw. 36 M. zu beziehen sind.
Anton Weber, Vortrüge und Ansprachen. Ne*gensburg, Habbel, 1895. 109 S., Preis 75 Ps.
Sieben Vortrüge und Ansprachen und zwar vier Redengrößeren Umfanges und drei Anreden im ernst-heiteren Kreisevon Studenten, Arbeitern rc. bietet uns in vorliegender Schriftder aus andern literarischeu Arbeiten wohlbekannte, geist- undgcmülhvolle Lhcealvrosessor Dr. Weber. Die vier Vortrüge/behandelnd 1) Die Druckkunst, 2) Römische Katakomben. 3) Mo-derne bildende Kunst, 4) Ludwig den Großen, sind Essais vonhervorragender Bedeutung in Bezug auf historische, religiöse,kunstsinnige und politische Weltanschauung. Der erste Vertragerörtert die Ansänge, den Verlauf, die Entwickelung derBuchdruckerkunst — angefangen von Gutenberg bis zur Jetzt-zeit, ein Bild voll dramatischer Momente, geschichtlicher Be-lehrung, praktischer und idealer Gesichtspunkte. Bei dem bevor-stehenden Jubiläum des öOOjäbrigcn Geburtstages EutenbcrgSwird dieser Vertrag manchen Rednern, welche bei der Feiereine Ansprache zu halten haben, sehr willkommen sein. Derzweite Vortrug führt uns in die römischen Katakomben, be-handelnd die Entstehung, Anlage, Geschichte, Verwendung, In-schriften, bildliche Darstellungen rc. der Katakomben. Da wirselbst das Glück hatten, in die Katakomben niederzusteigen unddieselben mit einem kundigen Führer, Monsignor de Waal, kreuzund quer zn durchwandern, so müssen wir sagen, daß die Dar-stellung Dr. Webers eine ebenso lehrreiche als gründliche ist.Auch die neuesten Forschungen (stehe S. 49—51) sind inBetracht gezogen. Wir stehen nicht an, zn sagen, ein jeder Be-sucher der Katakomben thäte gut, wenn er Dr. Webers Ab-handlung studirt hätte; sie würde ihm ein so gründlicher undbelehrender Behelf sein, daß er beim Betreten der Katakomben,wo die verschiedensten Eindrücke aus ihn einstürmen, nicht wieein Neuling und verwirrt diese Stätten durchwandern, son-dern im Verein mit den Erklärungen des Führers ein volles,klares Bild all dieser neuen, geheimnißvollen Dinge erhaltenwürde. Aber auch derjenige, dem es nickt gestattet ist, dieseheiligen Stätten persönlich zu schauen, wird vr. Webers Dar-stellung der Katakomben mit hohem Interesse lesen. Derdritte Vortrag bespricht zunächst die Münchner Kunstaus-stellung v. I. 1888. Anknüpfend an die daselbst ausgestelltenWerke, ergeht sich dann der Autor über die moderne bildendeKunst. Er bespricht die neuen Malwciscn: Impressionismusund Freilichtmalerei sowie Tendenzmalerei rc., und polemisirtgegen die in der Neuzeit so sehr cultivirte Manier der Nudi-tätcumalerei, beweisend, daß die wahre Kunst dieser Unsittedurchaus abhold ist. Im weiteren werden besprochen die posi-tiven und negativen Resultate der gegenwärtigen Historien- undreligiösen Malerei u. s. w. Der Vortrag schließt mit einemAppell, daß die ewigen Grundsätze des Christenthums nicht nurdie socialen Verhältnisse durchgingen, sondern auch den Bild-werken ihr Gepräge ausdrücken möchten. Der vierte Vortragist gewidmet der Kunsttbätigkeit Ludwigs I. des „Großen", wieihn der Autor feiert. ES wird hier geschildert, welch hobenDienst der König leistete seinem Lande und der Kunst selbst,da er der begeisterte und hochherzige Mäcenas derselben wurdepeö werden vorgeführt die großartiger Schöpfungen der Archi-tektur, welche dem König ihre Existenz verdanken, ferner wie