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allen Häusern das Mauer- und Holzwerk Mit den buntestenFarben bemalt ist. Es mag das freilich etwas von denNüssen herübergenommenes sein, doch das zeigt nur vondem praktischen Sinn der Kolonisten, die das Gute nehmen,wo sie es finden.
Ein untrügliches Kennzeichen für die deutschen Dörferist, wie bereits erwähnt, das Vorhandensein eines Waldes;denn nirgends in der ganzen Steppengegend findet maneinen solchen, als nur bei den deutschen Dörfern. Zwarist er nicht groß, enthält nur Laubbäume, ist meist auchnicht gut gepflegt, besonders jetzt, da die deutsche Ver-waltung aufgehoben ist: aber trotz alledem, er verleihtden deutschen Ansiedelungen in diesen Gegenden eineneigenen Reiz, und mir speziell erschien er immer als eindeutlicher Beweis von der unverfälscht deutschen Ge-sinnungsart der Kolonisten.
Eine besondere Ueberraschung für den deutschen Reisenden liegt auch in den echt deutschen Namen, welchedie Dörfer führen. Oder muß es nicht eigenthümlichwirken, wenn man mitten in Rußland plötzlich Ortschaftentrifft wie: München, Leipzig, Landau , Bergthal, Ludwigs-thal, Eichwald, Darmstadt , Lustdorf, Neukirchen, Marien-thal u. s. w.? Allerdings hat die Regierung jetzt rus-sische Namen eingeführt und duldet im amtlichen Ver-kehr auch nur diese; aber die Deutschen unter sich ge-brauchen immer nur die deutschen Namen, wie sie es vonjeher gewohnt sind.
Im Mariupoler Kreis, um auch diese Eigenheit zuerwähnen, werden die deutschen Dörfer meist nur nachNummern bezeichnet, was sich für den ersten Augenblickrecht sonderbar ausnimmt; doch daneben bestehen auchdie deutschen Namen immer noch fort.
Die Angehörigen der einzelnen deutschen Volks-stämme — und fast alle sind hier vertreten, wie schonfrüher erwähnt wurde — wohnen regelmäßig in eigenenDörfern beisammen. So ist es auch erklärlich, daß dieeinzelnen Dialekte sich in wunderbarer Reinheit fortgeerbthaben. Fast verblüffend wirkt es da, wenn man plötzlichvon einem biederen Schwaben in seiner gemüthlichenMundart angeredet wird, oder wenn man auf einmaleinen Ostpreußen neben sich in dem breitesten Platt-deutsch seine Gedanken äußern hört.
Neben vielen Russen- und Griechendörfern findensich in der nächsten Umgegend der Kolonien auch mehrereJudendörfer. Ich erwähne dies darum, weil hier dieJuden allgemein deutsch sprechen. Es ist das sogar ihreGeschäftssprache. Doch sprechen sie es mit jenem eigen-thümlichen, spezifisch jüdischen Accrnt, den man in Deutsch-land fast nur mehr auf einer Lustspiclbühne zu hörenbekommt. Ueberdies haben sie auch noch verschiedeneandere Wörter, wie hebräische, russische u. s. w., aufge-nommen, so daß es einem Deutschen außerordentlichschwer wird, sie zu verstehen.
(Fortsetzung folgt.)
Recensionen und Notizen.
klnAiZtor dioralis. Theoretisch-praktische Anweisung zumVerständniß und Vertrag deß authentischen römischenChoralgesangeö, bearbeitet von Fr. T. Hadert. Elftevermehrte und verbesserte Auflage. 1896, Rcgensburg,Pustet. Preis 1 M. 40 Ps.
IV. Ein Buch, das innerhalb vcrhältnißmäßig kurzer ZeitV>e elfte Auflage erreicht bat und überdies; in das Englische,Französische, Italienische, Ungarische , Polnische und Spanischeübersetzt worden ist, braucht keine Empfehlung, sondern nur eineAnzeige. Wissenschaft und Praxis haben längst ibr empfehlendesUrtheil gebrochen. Das ist beim lllagislar clloraUs der Fall.
Man kann fast sagen: wo in der katholischen Welt ein Sänger-chor das 6raclnals Lomannm in der einen Hand hat, so hater in der anderen den IlaZIstsr eboralis. Doch nun, wo eineneue Auflage in die Öffentlichkeit eingeführt werden soll, ge-ziemt cS sich aufmerksam zu machen, daß in jedem Paragrapbemannigfache Verbesserungen, nützliche Zusätze und zwcckoienlicheneue Bemerkungen, welche sich auf geschichtliche, archäologischeund liturgische Materien beziehen, eingefügt worden sind. Außer-dem, wer sich seit ein paar Dezennien mit der Choral-Fragebeschäftigt hat, weiß, wie schroff sich Wissenschaft und Amorität.Archäologie und Praxis, oicutuZ 8. EreZorii und cantns g-ro-Avrianns, die alten Nenmen-Locliees und die Lloäieaoa gegen-überstanden. Durch das päpstliche Brcve vom 7. Juli 1894 istnunmebr die Frage im Sinne der Autorität und der liturg-ischen Einheit entschieden. Ueber alle diese Streitigkeiten be-kommt der Leser des lllaAister oboralia authentische Aufschlüsse.Das Buch sei hicmit aus'» Beste empfohlen.
Jesus Cbristns. Von ?. Didou, ans dem Predigerorden-Jllustrirte Prachtausgabe. Rcgensburg, 1895, NationaleVerlagsanstalt. Lieferung 5—10, ä M. 1.—.
K Mit der 10. Lieferung liegt die neue Prachtausgabe desDidon'schcn Merkes vollendet vor. Wie die ersteren, sind auchdie jetzigen Lieferungen ausgestattet mil künstlerisch ausgeführtenHolzschnitten nach Gemälden der berühmtesten Meister (z. B.Rubens, Bernardino Lnino); auch enthalten sie ganz neue An-sichten aus dem heiligen Lande nach Originalaufnahmen derV?. Franziskaner in Jerusalem , sowie das Portrait des U. l?.Didon selber. Dem Inhalte nach stimmt die neue Ausgabeganz mit der ersten. Verbesserungen fanden nur statt in Bezugauf den sprachlichen Ausdruck. Ü. Didon schreibt für Leser,deren Seele durch die großartige Gestalt des Gottmenschen ge-speist sein will. Zwar verräth dem Kenner jede Seite die gründ-lichsten Studien; aber dennoch wendet sich der Verfasser nichtan solche, welche nicht anders als mit dem Sczicrmcsser derKritik in der Hand ein Werk lesen. Der fromme und gelehrteSohn des hl. DcminikuS glaubt nicht nur lebendigen Herzensan Jesum Ehristnm; er ist auch ganz innig davon durchdrungen,daß allein der mcnschgewordene Gottessohn, seine Persönlichkeitund Lehre das einzige Heilmittel ist für alle sittlichen, religiösenund socialen Schäden unserer Zeit. Die Uebersctzung ist desOriginales durchaus würdig. — Papst Leo XIII. beehrte denVerfasser mit eigenem Anerkennungsschreiben. Den gebildetenchristlichen Kreisen kann das Werk nicht warm genug empfohlenwerden. Original-Einbanddcckcn sind von der Vcrlcigshandlnngzu beziehen.
Die Wahrheit. Herausgeber: Philipp Wasserburg . Erscheintam 1. und 15. jeden Monats. 30. Jahrgang. Verlagvon .Rudolf Abt, München . Druck von H. Mühlbergerin Augsburg .
* Diese Zeitschrift ist die Fortsetzung dcS bisherigen „Kath.Bewegung", bietet aber in Ausstattung und Redaction ein ganzneues und, wie man sagen darf, sehr einnehmendes Bild. DerAboiinciuentSpreis ist per Jahr (24 Hefte) auf 8 M. gestellt(Einzclbefte kosten 50 Ps.). Es liegen bisher 3 Hefte vor, welcheeine Reihe von meist recht interessanten Aufsätzen bieten. Die-selben stammen aus sehr tüchtigen Federn, und ist es ein beson-derer Vorzug, daß in der Regel jeder Aufsatz ein in sich ge-schlossenes Ganze bietet. Wir erwähnen folgende: Der Meineiddes hl. Jgncttins. Von Bernhard Dnhr. — Die christlichenPrinzipien in der agrarischen Bewegung. Don Dr. Gnst. Rnh-land. — Politik oder praküsche Arbeit? Von Dr. G. Heim.
— Oeffemlichcs Arbeitsrecht und Lohnvertrag. Von l>r. G.Natzinger. — Christi. Heiligcnverehrnng und moderner Herocn-kult. — Die christl.-soc. Bewegung in Oesterreich . Von Trabcrt.
— Die Erhöhung der Getrcideprcise und die Commnnatisirunzder Brodbäckerei. Von Frhrn. v. Weichs . — Cardinal Melchcrs v.
— Unfruchtbarkeit der modernen Wissenschaft. — Die christl.Principien und der Bund der Landwirthe. Von vr. Pichlcr.
Die Zchngcbote der Wasserkur. Verlag der Paradies-Druckerei und VcrlagScinstalt Passau . Preis 40 Pf^geb. 80 Pf.
* Dieses anläßlich der 5. Generalversammlung der Kneipp-vereinc im Auftrag mehrerer Vorstände von A. Colling, Vor-sitzender dcS Kncipp-Vcrcins Passan, verfaßte Büchlein ent-hält zahlreiche Beweise für die Nolbwcndigkeit einer natur-gemäßen Lebensweise und für die Wirksamkeit des Wasscrs aufden Organismus, so daß der Leser anS den in tO Abschnittenenthaltenen mehr als 400 Punkten großen Nutzen ziehen wird.