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einst eine Familie und die Welt der Auf-enthalt vernünftiger Menschen werden. DieMoral allein wird diese Veränderungen unmerkbar her-beiführen. Jeder Hausvater wird dereinst, wie vordemAbraham und die Patriarchen, der Priester und der un-umschränkte Herr seiner Familie und die Vernunftdas alleinige Gesetzbuch der Menschen sein.Dieses ist eines unserer großen Geheimnisse." (NachtragII, 80. Die neuesten Arbeiten des Spartakus 1794,II. Abth. S. 44.)«)
Die Aufnahme der Priester und Regenten in ihreGrade erfolgte unter pompösen Feierlichkeiten, welche viel-fach den Ceremonien der katholischen Kirche bei Ertheilungder höheren Weihen nachgeäfft waren. „Die Regentensollen die Kunst studiren zu herrschen, ohne das Ansehendavon zu haben. Wo man in der Regierung einesLandes die Hand hat, da stelle man sich, als wenn mangerade am wenigsten vermöchte, so wird uns nicht ent-gegen gearbeitet; und wo man nichts durchsetze» kann,da scheine man alles zu können, damit man gefürchtet,gesucht und dadurch verstärkt werde." (Gemeinste Heu-chelei!) „Eine unserer vornehmsten Sorgen muß auchsein, unter dem Volke sklavische Fürsten -Verehrung nichtzu hoch steigen zu lassen. Durch diese knechtischenSchmeicheleien werden diese mchrentheils sehr mittel-mäßigen schwachen Menschen noch immer mehr verdorben:man rede und schreibe von ihnen, wie man von anderenMännern spricht, damit sie wissen lernen, daß sie Menschensind, wie wir andere, und daß sie nur conventionelleHerren sind." „Wenn es darauf ankommt, einem vonunseren verdienstvollen Leuten empor zu helfen, so sollman alles in Bewegung setzen, ihm Ruf zu machen."„Militärschulen, Akademieen, Duchdruckereien, Buchladen,Domkapitel und alles, was Einfluß auf Bildung undRegierung hat, muß nie aus den Augen gelassen werden,und die Regenten sollen unaufhörlich Pläne entwerfen,wie man es anfangen könne, über dieselben Gewalt zubekommen." „Können es die Regenten dahin bringen,daß Klöster, besonders die mit Bettelmönchen besetzt sind,eingezogen und ihre Güter zu unseren Endzwecken, z. B.zur Unterhaltung tüchtiger Erzieher für das Landvolk,verwendet werden, so werden den Obern dergleichen Vor-schläge willkommen sein."
„Durch Weiber wirkt man oft in der Welt ammehrsten; bei diesen sich einschmeicheln, sie zu gewinnensuchen, sei eines unserer feinsten Studien. Mehr oderweniger werden sie alle durch Eitelkeit, Neugierde, Sinn-lichkeit und Hang zur Abwechselung geleitet. Hierausziehe man Nutzen für die gute Sache! Dies Geschlechthat einen großen Theil der Welt in feinen Händen."«)
°) Unterm 9. Juni 1782 schreibt Weishaupt an Cato:„Der Grad, wovon ich die zwei letzten Bogen begehrt habe, istist der bei CelsnS und MarinS mit 100 Schlössern verwahrteGrad vom patriarchalischen Leben." (Nachtrag I, 41.) Bei An-werbungen sollten jedoch die deistischcn Tendenzen des Ordensmöglichst zurückgedrängt bleiben. So heißt es in dem Briesevom 17. März 1778 über MarinS: „Aber von Religions-absichtcn muß er noch verschont werden. Sein Magen ist nochnicht gänzlich eingerichtet, diese starke Speise zu verdauen."(Einige Originalschr. S. 223.) Mahomet (Baron Schröcken-stein zu Eichstätt ) ertheilt den Rath: „Seien Sie ja im Brief-wechsel mit Zcno behutsam; er sagte mir, daß er mit dem Manne,der an der Unsterblichkeit der Seele zweifelt, nicht untereinem Dache wohnen wolle, und wenn der Orden je bei Gliedernsolche Zweifel erregen konnte, so wollte er gegen Ihn wie gegenJesuiten arbeiten." (Nachtrag I, 164.) Vcrgl. ebendas. I, 205Über Verbreitung des Deismus .
") Zur Errichtung eines Weiberordcns machte Zwack ent-
„Auch das gemeine Volk muß aller Orten für den Ordengewonnen werden. Dies geschieht am besten durch Ein-fluß auf die Schulen." (Neueste Arbeiten II, 156—167.)
Das waren die Grundsätze, nach denen die Weltvon Jngolstadt aus sollte reformirt werden; aber Weis-hanpt scheint selbst mit diesen Graden noch nicht zu-frieden gewesen zu sein.
In einem Briefe vom 22. Februar, wahrscheinlichaus dem Jahre 1782, au Cato gesteht Weishaupt:„Wenn sie hier (in Jngolstadt) bei mir wären, so würdeich ihnen meinen Grad ohne Anstand ertheilen. — Aberaus Handen gebe ich diesen Grad nicht, er ist gar zuwichtig, er ist der Schlüssel der alten sowohl als neuenGeschichte, zur Religion und zu jeder Staatsverfassungin der Welt." (Nachtrag I, 71.) Unterm 3. Februar1783 schreibt Weishaupt abermals an Cato, nachdem ersich über den Priestergrad des Philo und den „elenden"schottischen Nittergrad und über den „ebenso elendenNegentengrad" bitter ausgelassen hat: „Aber über diesenhinaus habe ich noch vier Grade schon componirt, wogegen den schlechtesten der Priestergrad Kinderspiel seinsoll; doch theile ich sie Niemand mit, bis ich sehe, wiedie Sache geht und wer es verdient: lasse mir auchnichts darin corrigiren." (Ebend. I, 9b.) Weishauptänderte und feilte immer an den Graden seinesOrdens. _(Fortsetzung folgt.)
Die Organisation der Gesellschaft.* *)
Eine Skizze.
I.
d. Innerhalb der Menschheit, innerhalb jeder Nationunterscheidet man drei Generalinstitutionen: Gesellschaft,Kirche und Staat. Das einzelne Individuum ist einGlied jeder dieser drei großen Institutionen; eine be-stimmende oder amtliche Stellung innerhalb derselbennimmt jedoch stets nur eine Minorität der Menschheit ein.
sprechende Vorschläge. „Der Nutzen müßte sein, dem wahrenOrden Geld zu liefern, sichere geheime Nachrichten zu erlangen,Schutz zu bekommen und den Charakteren der wohllüstigenF. M. Genüge zu leisten." Der Weiberorden sollte in dieKlasse der Tugcndbaften und der Ausschweifenden eingetheiltwerden. (Einige Originalschr. S. 5—6.) In einem monat-lichen Provinzialberichte meldet MinoS (RcichSkammergerichts-assessor von Dictsurt in Wetzlar ): „Der weitere Vorschlag desHerkules, eine Minervalsckule für Mägdgens anzulegen, verdient«alle mögliche Aufmerksamkeit. Ich habe eben denselben Gedankenschon lange gehabt und Philoni einmal eröffnet. Die Weiberhaben zuviel Einfluß auf die Männer, als daß man es hoffenkönnte, die Welt zu bessern, wenn sie nicht gebessert sind. . . .Herkules schlägt Ptolomai Lagi (v. Niedesels, Kammcrgerichts-assessors) Frau vor. und ich habe nichts dagegen: ich schlagemeine 4 Stieftöchter dazu mit vor; sie sind gute Mägdgens undbesonders die älteste ein sehr gutes Mägdzen von 24 Jahren,die sehr viel Belesenhcit hat, über alle Vorurtheile hinweg ist,über die Religion wie ich denkt, alle weibliche Arbeit, Oekonomieund Küche versteht, französisch, italienisch spricht. . . . Diesemeine Stieftöchter haben viele Bekanntschaft mit jungen Mädchensihees Alters, und es wäre bald eine Societät unter Direktion
Ptolomai Lagi Gemahlin eingerichtet." (Nachtrag I,
169-172.)
*) Das täglich stärker hervortretende Bestreben der BcrufS-stände, sich behufs Geltendmachung ihrer Interessen zu ver-einigen, die Neubildung von bäuerlichen Genossenschaften unddie Forderung und der Ruf einzelner Stände, besonders desHandwerks, nach einer corporativen Neuorganisation veranlaßtuns, in einer kleinen Skizze die Organisation der Gesellschaftdarzulegen und das Prinzip der organischen gesellschaftlichenGliederung den Gegnern gegenüber zu vertheidigen. Wenn wirauch damit nur oft Gesagtes wiederholen, so halten wir einesolche Wiederholung, der Wichtigkeit der Sache wegen, nicht fürüberflüssig.