Uebrigens erfreut sich natürlich diese Gotteserkenntnißihrer stringenten Sicherheit nicht wegen der angedeutetenautoritativen Erklärung, sondern umgekehrt fußt dieseErklärung selbst auf dem schon an sich sicheren That-bestand, und es galt nur, diesen Thatbestand gegen allen-fallsige Versuche eines sich geistreich dünkenden Skepti-cismus oder gegen Muthwillen im Gewände der Gelehr-samkeit ein- für alle- mal nachdrücklich zu constatiren.Mögen deßhalb auch Millionen moderner Geistesheroenuns den Weg zur causa eausarum mit Irrlichtern undSophismen zu verlegen suchen, der gesunde Menschen-verstand wird dennoch stets unbeirrt durch solche Blend-werke von den irdischen Spuren und Abbildern zurgroßen Geistersonne aufsteigen.
Das beigefügte Fragezeichen wird gewiß jeder ver-ständige Leser richtig aufgefaßt und nicht als eine vonmeiner Seite gegen Herrn 6-. (1. gerichtete Finte ange-sehen haben. Wenn ich von einer Vermengung vonWahrem und Falschem und Nichizusammengehörigem sprach,so waren damit ganz andere Dinge gemeint: zunächst dieZusammenstellung von Dasein und Erscheinen. Von einerErscheinung Gottes in der Welt kann nicht die Rede sein;solche Weisheit überlassen wir dem Pantheismus. Dannwird wieder das Faktum der Offenbarung mit den christ-lichen Lehren und Wahrheiten zusammengeworfen. DaßChristus lebte und Wunder wirkte, steht in der Thatfür mich und hoffentlich auch für die Mehrzahl der Ka-tholiken als historisches Ercigniß mindestens ebenso fest,als Leben und Thaten eines Hannibal, eines Angustus.Aus der Art des Auftretens und Wirkens Jesu aberfolgt seine Gottsssohnschaft und die Göttlichkeit seinerStiftung, der Kirche, jedenfalls mit nicht geringerer Ge-wißheit, als jene ist, welche die moderne Gelehrsamkeitfür Tausende ihrer Errungenschaften mit Recht in An-spruch nimmt. Nun dürfte Herr 6. wohl auch dieArt meiner Unterstreichung in dem vorgeführten Citatebegreiflich finden. Daß ich auch den einzelnen über-natürlichen Glaubenswahrheiten wissenschaftliche Evidenzbeilegen wollte, eine solche Naivität wird mein HerrOpponent mir doch nicht zugetraut haben.
Wenn schließlich Herr 6-. meint, die traditionellenGottesbeweise seien am Ende wohl gut gegen den Atheis-mus, taugten aber nichts gegen den Pantheismus, sofinde ich darin nur eine weitere Bestätigung meinergleich anfangs angedeuteten Vermuthung, daß mein HerrOpponent und meine Wenigkeit uns auf philosophischemGebiete nie zusammenfinden werden. Für mich aber undjene Leute, welche meinen spekulativen Standpunkt theilen,ist der Pantheismus um kein Haar gescheiter als derAtheismus, er ist ja nur ein etwas poetisch heraus-geputzter Atheismus, und gegen ihn bieten die herkömm-lichen Gottesbeweise resp. die Principien, auf welchendiese basiren, vollkommen ausreichende Waffen; freilich,durch solche Argumente jemand zu belehren und zu ge-winnen, der sich nicht belehren lassen will, das würdeauch einem Engel vom Himmel nimmer gelingen.
Was Herr 6-. 6l. in der Fortsetzung seiner Er-widerung in Nr. 10 der Beilage gegen mich ins Feldführt, bringt zunächst die bereits angedeutete Vermuthungzur vollen Ueberzeugung, daß wir beide uns in philo-sophischen Fragen nimmer verständigen werden. Da dashier Vorgebrachte zum großen Theile schon in meinenvorausgehenden Darlegungen berührt wurde, so kann ichmich jetzt kurz fassen. Was die Bildung des Gottes-Legriffes anlangt, so ergibt sich derselbe eben aus der
natürlichen Erkenntniß Gottes als der ersten und oberstenUrsache des Alls, einer Ursache, der gerade deßhalb, weilsie xrinaa. oausa, ist, die Aseität eignen muß. Aus dieserAseität folgt dann Gottes Unendlichkeit. Der so ge-wonnene Gottesbegriff wird nun allerdings durch dieOffenbarung wesentlich vollkommener ausgestaltet, aberdaraus folgt keineswegs, daß die Erkenntniß Gottes auSder Weltbetrachtung — die Geisterwelt natürlich inbe-griffen, soweit sie dem Menschenverstände zugänglich ist —für sich der vollen Stringenz und Evidenz entbehre. Meinverehrter Gegner scheint mir hier wieder vollkommeneErkenntniß mit voller Stringenz zu confundiren.Eine Erkenntniß kann inhaltlich sehr mangelhaft sein unddabei doch vollkommene Gewißheit besitzen. Was wissenwir z. B. über das Wesen der Elektricität? und dochist die Thatsache selbst absolut sicher.
Sodann kann ich es gewiß getrost dem besonnenenUrtheile gütiger Leser überlassen, zu entscheiden, ob da-durch, daß ich die Ursache der Gottesleugnung haupt-sächlich in moralischen Defekten finde, die metaphysischeGewißheit und Evidenz der natürlichen Gotteserkenntnißauch nur die geringste Schmälerung erfahre. Soll mandie Wahrheit erkennen, so muß man freilich sie auch er-kennen wollen und sich der Mühe des erforderlichenDenkprozesses unterziehen. Wenn aber jemand sich aneiner unbequemen Wahrheit ohne Kenntnißnahme scheuvorbeidrückt, so folgt daraus nicht, daß die Wahrheit ansich der nöthigen Sicherheit und Evidenz ermangle. Alsoauch ohne Anleihe bei der Moral bleibt für uns undandere Leute die volle, wenn auch mittelbare Stringenzoder Gewißheit der natürlichen Gotteserkenntniß bestehen.
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Erwiderung.
Eine Reihe von Vorwürfen hätte mir 8t. sicherlicherspart, wenn ich noch rechtzeitig den angekündigten zweitenArtikel Hütte erscheinen lassen können; so muß ich auf dieGefahr hin, nicht verstanden und ins Unrecht gesetzt zuwerden, mich möglichst kurz fassen, um eine endloseStreiterei zu vermeiden. Ich bin ohnehin in einer un-günstigen Lage, da meine größere Zurückhaltung undVorsicht leicht den Schein des Skepticismus erweckt.Mag 8t. Recht haben, für den Gottesbegriff in seinemSinn als Voraussetzung der Religion stringente Beweis-barkeit, eine syllogistische Stringenz anzunehmen — ichlehne diese Art Stringenz nicht ab —, so ist mir ihreAnnahme leider unmöglich für den erweiterten Gottes-beweis, wie ich ihn im Auge hatte. Wenigstens traueich mir einen solchen Nachweis nicht zu; einer, der allesbeweisen kann, bringt's vielleicht fertig. Wohl halteich fest an einer mittelbaren Erfahrung Gottes imGeiste und an einer Erscheinung Gottes in der Natur,im Geiste und in der Geschichte, ohne daß ich demPantheismus, Mysticismus oder Subjektivismus imüblen Sinne zu verfallen fürchte. Wäre letzteres un-ausweichlich, dann waren nicht allein die Mystiker, son-dern war der hl. Paulus selbst ein Pantheist und Sub-jektivist, da er vom Sichtbarwerden Gottes in den Crea»turen (Röm. I, 19 ff.) und vom Beweis des Geistesund der Kraft spricht <1. Cor. 2). Wirkungen undSpuren Gottes sind fühl- und sichtbar in der Natur,aber vor allem in der geistigen und geschichtlichen Welt,die uns erst den persönlichen Gott und den Gott derLiebe offenbart; die Seele selbst ist ja ein Hauch Gottes!Solche Spuren liegen vor 1) in der allen Menschen an-