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Irrung der Poesie mit ihrem Wesen zu verwechseln.Und man dachte nicht daran, daß diese formvollendetenkrystallenen Schalen erst dann ihren wahren Werth er-hielten, wenn der echte, reine, goldene Lebenswein in siegegossen wird, und daß die Poesie, getragen und durch-drungen von einer großartigen Weltanschauung, wie dasChristenthum sie bietet, ungleich mehr Gutes stiften werde,als sie im andern Falle Unheil anrichtet.
Das war ungefähr die trostlose Lage und Stimmungin jener Zeit, da k. Kreiten auf der literarischen Arenaerschien und seine volle Kraft sammt seinem reichen, aus-gedehnten Wissen in den Dienst einer katholischenPoesie stellte.
In einer ereignißvollen, gährenden Zeit, am 22. Juni1847, zu Gängelt in der Nheinprovinz geboren, besuchtek. Kreiten zunächst die Bürgerschule und trat dann schonmit 16 Jahren zu Münster in den Orden der Gesell-schaft Jesu ein. Hier vollendete er seine klassischenStudien und ging 1867 zum Studium der Philosophienach Maria-Laach , woran sich ein zweijähriger Aufenthaltzu Amiens in Frankreich anschloß. Im Jahre 1870kehrte er nach Münster zurück und hörte auf der dortigenAkademie ein Jahr lang Geschichte und Aesthetik. Hierverkehrte er besonders viel mit dem ausgezeichnetenAesthetiker, dem erblindeten Professor Schlüter. Als erhierauf in Folge des Jesuitengesetzes im Dezember 1872die Heimath verlassen mußte, wurde er nach Aix inSüdfrankrcich gesandt, wo er 1873 die Priesterweiheempfing.'""
1874 — 75 absolvirte er zu Castres bei Toulouse sein drittes Probejahr und ward dann als Seelsorgerund Lehrer am Kollegium nach Lyon und 1876 alsMitredacteur der „Stimmen aus Maria-Laach" nachSchloß Tervueren bei Brüssel geschickt. In dieser Eigen-schaft lebt er seit 1878 zu Kirchrath in Holland .
Das ist in Kürze der Lebensgang k. KreitenS.Seine Hauptschaffenszeit beginnt mit dem Jahre 1876,von jener Zeit an, da er zum Mitredacteur der Laacher Stimmen ernannt worden war. Ueber die Bedeutungdieser Zeitschrift brauche ich an dieser Stelle wohl nichtsmehr zu sagen. Es ist ja ausgemacht, daß die ausihrem Vaterlands vertriebenen Jesuiten gerade durch dieseBlätter einen großen Einfluß auf die Hebung der ka-tholischen Wissenschaft und Literatur in Deutschland undauch auf die Richtung der Geister ausgeübt haben.
Obgleich sehr leidend und oft wochenlang an dasKrankenlager gefesselt, entwickelte k. Kreiten doch eineungemeine Rührigkeit. Vor Allem beschäftigten ihnliterarische und literarhistorische Arbeiten, die er in denLaacher Stimmen veröffentlichte. Hier hatte er bald dieRolle eines Vertheidigers, bald die eines Angreifers zuübernehmen: immer aber bewährte er sich als einen ge-rechten, scharfsinnigen und geistreichen Kritiker.
Eine kurze Uebersicht über die Aufsätze, die er seit1874 in der genannten Zeitschrift veröffentlichte, mageinen Begriff geben, von dem Willensstärken Bienenfleißeund der Vielseitigkeit k. Kreitens.
Jahrgang 1674 Die FrohnlcichnamSspiele des KönigS Rens.
„ 1875 Felibre und Felibrige. Studien über die
proveiixalische Literatur der Gegenwart.
„ 1876 Jacques Cretincau-Joly.
„ 1877 George Sand . Eine literarhistorische Skizze.
„ 1878 Friedrich August von Klinkowström .
, „ Soldat und Christ.
Jahrgang 1879 Dreizehnlinden.
„ 1880 Aus einem alten Stammbuch.
„ 1889/31 Clemens Brentano'S Chronika eines fahren-
den Sckülcrs im ersten Entwurf.
„ 1881/32 Dichterklänge aus Wcstphalcn.
„ 1882 Zur Entstellung deö Exercitienbüchleins.
„ „ Der Singschwan.
„ 1882/83 Weibnachtcn in der Provence .
, 1883 Eugene Tue oder Professor der Kirchen-
gcschichte?
„ „ Louis Venillot.
„ „ Annette von Drostc-Hülöhosfs literarischer
Entwickelungsgang.
„ 1684/65 Molisre.
Eine Episode aus Bischof LaurentS Leben.Der neueste Neligionsstifter und sein Evan-gelium.
Die Rudhard-Sagc.
Ist Voltaires Glaubenöbekenntniß vom Jahre1769 „gefälscht" und ein „Muster psäjfischerJntriguenkunst" ?
Ncrto. Eine provengalische Dichtung.
Zu spät erkannt.
Der Tod BaldurS.
Ist Voltaire todt?
Randglossen zu preisgekrönten und nichtpreisgekrönten Gedichten der Gegenwart.Dahnö neueste Erzählungen.
Säculäquat oder statuarisch. Ein seltsamerRoman.
Wie man „Probleme" löst, von denen mannichts versteht, oder „Dahiel, der Convcrtit".Ein Roman.
Zwei neue erzählende Gedichte:
I. Unterm Krummstab,
II. Jörg von Falkenstein.
Ein Wort über „Jesus Romane".
Die Fahne deS gebildeten Oesterrcichcrthums?Ungedruckte Briefe von Joseph v. Eichcn-dorff und Karl Ernst Jacke an LebrcchtDreves.
Es geht lustig weiter! (Besprechung einesEnstav-Adolph-Festspiels von Haiser.)Dichterisches aus Amerika .
Wie man Wörterbücher schreibt.
Der heil. AloysiuS und sein Mahnwort anunsere Zeit. (Zur Fcstfeier des 21. Juni1891.)
Zwei neue christologische Gedichte.
Blasinö Pascal. Ein Charakterbild.
Die Provinzialbriefe Pascalö.
Pascals letzte Jahre.
Die Lieder des Mirza-Schasfy.
Felix Dahn's neuester Roman „Julian derAbtrünnige".
Bedenkt man, daß Vieles hiervon, ja vielleicht dasMeiste auf dem Krankenlager entstand, dann kann mannicht genug die hingebende Liebe und die Akribie be-wundern, mit der all diese gehaltvollen Aufsätze ge-schrieben sind. Dazu ist der Stil k. Kreitens klar unddurchsichtig und gewandt, so daß selbst die Gegner nie-mals diesem ihr Lob vorenthalten konnten. An dieserStelle möchten wir auch darauf hinweisen, daß wohlrecht viele Freunde k. Kreitens ihm zu großem Dankeverpflichtet sein würden, falls er all diese Aufsätze ineinem eigenen Buche sammeln und herausgebenwollte.
Viele kleinere Recensionen und Besprechungen, indenen der Kritiker die bemerkenswerthesten katholischenNovitäten des literarischen Marktes notirte und re-gistrirte, mußten wir natürlich in dem vorstehenden Re-gister übergehen.
Außerdem aber betheiligte sich k. Kreiten nochan der Abfassung einer Biographie und CharakteristikBrentanos, gab die nachgelassenen Gedichte und No-vellen seines Freundes und Ordensbruders Diel heraus.
1885
§
1886
1663
1889
1839/9L
1890
1891
1892
1893
1894