Ausgabe 
(27.3.1896) 13
 
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veranstaltete eine Sammlung der Gedichte unserer größtendeutschen Dichterin, der Annette v. Droste-Hülshoff,deren echte, reine Katholicität er protestantischen Literar-historikern gegenüber in seinenStudien" nachwies;schrieb ein Leben Voltaires und MoliereS undübersetzte endlich den LiedercyklusBethlehem " deSproven?alischen Troubadours Abbs Lambert.

Das ist in großen Zügen die Wirksamkeit desKritikers und Literarhistorikers k. Kreiten.So gedrängt auch diese Notizen sind, so wird doch Jeder-mann zugestehen müssen, daß ein solches Wirken undSchaffen nicht ohne Einfluß auf die gleichzeitig erst imEntstehen begriffene katholische Literatur sein konnte.

Adam Weishaupt .

Von Adam Hirschmann.

(Fortsetzung.)

Um nun die deistischen, antimonarchischen Grund-ideen des Jngolstädter Geheimbundes, welche nachKnigge's eigenem Urtheilfür die Welt wahrhaftig ge-fährlich waren", durchzuführen, forderte der Stiftervon seinen Anhängern blinden Gehorsam, vollständigeUnterwürfigkeit gegen unbekannte Obere. (Einige Original-schriften S. 28, 40, 300.)Höhere Grade, heißt esin den Maximen für den Negentengrad (Neueste Ar-beiten II, 166), müssen den untern allezeit verschwiegenbleiben. Man ist geneigter von Personen, die man nichtkennt, Befehle anzunehmen, als von Bekannten, an denenman uach und nach allerlei Mängel wahrnimmt. Mankann auch die Untergebenen besser beobachten, und diesewerden sich besser und vorsichtiger betragen, wenn sieimmer von Ausschern umringt zu sein glauben, und so-lange gut handeln, bis ihnen die Tugend zur Gewohn-heit wird." Der Orden forderte eine totale Unter-würfigkeit in Rücksicht auf Ordens-Angelegenheiten.DieMitglieder haben die Kunst zu erlernen, sich zu verstellen,andere zu beobachten und auszuforschen."Stillschweigenist das größte Gesetz, deßwegen ist es nicht erlaubt, auchgegen vermeinte Ordensbrüder von dem Orden, von seinerAufnahme zu reden." Die Gesellschaft sollte so verborgenals möglich bleiben, damit nicht die ganze Gesellschaftauf einmal verrathen werden konnte und damit die obern

Knigge sagt:Wenn ich die Entstehungsgeschichte, ihrewahrhaftig für die Welt gefährlichen, von mir in allen Heftenmoderirten Grundsätze gewissen Männern vorlegen wolltewer würde bleiben? Was ist der Priestergrad gegen ihre Mittelzu guten Zwecken, gegen die unverzeihlichen Unbilligkeiten gegenWalter, Leveling u. s. w.?" (Nachtrag I, 124.) Das allgem.Handbuch der Freimaurerei, Leipzig 1865, sagt II, 14:Dennso edel die Absichten des Stifters waren, so verkehrt waren dieMittel, mit welchen diese in das Leben gesetzt werden sollten."Um dieedlen Absichten" WeiöhauptS zu erhärten, beruft sichdas Handbuch aus die Stelle in Pythagoras S. 35, wo WeiS-baupt sagt:Was ist größer als die Kunst, sclbstdenkcndeMenschen aus allen Welttheilen, von allen Ständen und Re-ligionen, unbeschadet ihrer Denkfrciheit, trotz aller so ver-schiedenen Meinungen und Leidem chasten, durch ein gegebeneshöheres Interesse, in ein einziges Band dauerhaft zu vereinigen,sie dafür glühend und aus den Grad empfänglich zu machen,daß sie in der größten Entfernung als gegenwärtig, in derUnterordnung als Gleiche, daß Viele wie ein einziges Handelnund Begehren und aus eigenem Antriebe, aus wahrer Ueber-zeugung von selbst thun, waS kein öffentlicher Zwang, seitWelt und Menschen sind. bewirken kann? Die Gesellschaft,welche dieses leistet, und diese ganz allein, ist das Meisterstückder menschlichen Vernunft; .in ibr und durch sie bat die Ne-gicrungSkunst ihre höchste Vollkommenheit erreicht." AllemWcisbauvt spricht hier ganz allgemein; und die Gcscbichie seineseigenen Ordens beweist, daß diese Gründung nicht das Meister-stück der menschlichen Vernunft war.

verborgenen Glieder die unteren um so bester beobachtenkonnten. (Einige Originalschr. S. 4043.) Ja, Weis-haupt scheute auch vor wissentlichem Betrüge nicht zurück,wenn es das Interesse seines GcheimbundeS erheischte:So, wie er sie betrogen hat, schreibt ir über Ajax(Hofkammerrath Mässenhauser) nach München , so be-trügen sie ihn ebenfalls." (Ebendas. S. 198; vergl.S. 326.) Den Vorgesetzten mußten alle Vierteljahregenaue Berichte tzuibrm lioot genannt von denUntergebenen eingereicht werden, welche dann dem GeneraldeS Ordens vorgelegt wurden.

In Folge dieser Ueberwachung nach Art der Ge-heimpolizei konnte Weishaupt 1779 über Eichstätt be-richten:Da kenne ich Leute, die mir nicht einmal vonPerson bekannt sind, so genau, als wenn ich täglich mitihnen umginge." (Ebendas. S. 334.) Die Eichstätter waren aber auch sehr naiv; sie leben und sterben darauf,sagt Weishaupt, die Sache sei so alt als Methusalem !(Ebendas. S. 202.) Wirklich einsichtsvolle, denkendeMänner wurden indessen durch die Heimlichkeit vorn Ein-tritts in den Orden abgehalten; so äußerte Lamezan:Er könne sich nicht entschließen, in eine Gesellschaft zutreten, deren Obere und Mitglieder ihm gänzlich unbe-kannt seien und die gleichwohl Gehorsam von ihm for-dern und ihm neue Verbindlichkeiten auflegen wollen.Dann sei es ihm auffallend und bedenklich, daß heim-liche Aufseher angeordnet seien, die über die Sittenund Aufführung anderer Mitglieder Acht haben sollen.Sowohl mit der Erfahrung als auch besonders aus denJesuiten -") und Mönchsschnlen wäre ihm erinnerlich,daß dadurch keine wahrhaften und tugendhaften Menschengebildet, sondern meistens nur Scheinheilige und Heuchlergezogen würden. (Nachtrag I, 176.)

Um die Geheimnißthuerei zu steigern und sich vorEntdeckung zu schützen, führte Weishaupt eine eigeneOrdensgeographie ein. So nannte er Bayern Achaja,Schwaben Pannonien, Franken Jllyrikum, OesterreichAegypten; München hieß Athen, Freising Theben, Eich-stätt Erzerum, Bamberg Antiochia , Nürnberg Nicora,Landshut Delphi, Jngolstadt Eleusis ober auch Ephesus ;Würzburg Karthago, Erlangen Sagunth. Die Zeit-rechnung war den Persern entlehnt; die Zahlen dientenals eigene Ordens-Chiffre; 12 bedeutete a und bildeteden Schlüssel.

Die Mitglieder selbst erhielten eigene Namen, welcheMeistentheilS der griechischen oder römischen Geschichte ent-nommen waren. So nannte sich Weishaupt sehr be-zeichnend Spartakus (Vergl. Histor.-polit. Blätter 1891Bd. 107 S. 124135); der kurfürstliche Hofkammcr-rath Mässenhauser hieß Ajax; Professor Bader Celsus;Bassus Baron von Sanderstorf führte den Namen Han-nibal; Buecher, Pfarrer von Englbrechtsmünster, wurdeUlrich von Hütten genannt;^) Repetitor Duschel vonJngolstadt Deucalcon; Dosch, Stiftspfarrer zu Strau-bing, Lucianus ; Fischer, ehemaliger Stadtoberrichter zuJngolstadt, Menippus ; der Benediktinermönch FinnerMnsonius; Gerstner, Stadtschreiber zu Eichstätt , Ottin;-Pfarrcr Gerhardinger Plato; ein Kanoniker zu Eichstätt bei St. Walburg hieß Moyses; ein anderer unbenannterPriester Eichstätts Tasso; Häffelin, Vicepräsident deS

") Die Studienordnung von 1599 kennt keine geheimenAufseher. Pachtlcr II. 366 nr. 37, 394 ur. 36, 458 ur. 7.

'-) Umcrni 13. August 1783 schreibt Marius (Hcrtel) anHannioal (Baron Bassus zu Sandersdorf):Ich muß schließen,weil wir den Ulrich von HuUen stants xeäs zum Gr. Jllum.befördern müssen." (Nachtrag v. Originalschr. I, 141.)