Ausgabe 
(27.3.1896) 13
 
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wacher Propertius") in die Loge aufgenommen, der nundas ganze Personal von Athen (München ), Theben (Frei»sing) und Erzerum (Etchstätt) aller Orten austrompet:auch soll D ein schlechter Mensch sein. Sokrates(Benefiziat Lanz), der ein Kapital-Mann wäre, ist be-ständig besoffen, AugustuS (Graf Königsfeld , Domherrzu Freising) in dem übelsten Ruf, und' Alcibiades (Hoheneichner, Hofrath zu Freising ) setzt sich den ganzenTag vor die Gastwirthin hin und seufzet und schmachtet;Tiberius (Merz aus Naumburg) hat in Corinth (Re-gensburg) des Democedes (Winterhalter, Arzt in Lands-berg ) Schwester nothzüchtigen wollen und der Mann kamdazu. Um des Himmels willen, was sind das für Areo-pagiten l" Am Schlüsse fügt der Stifter noch die Klagebei:O Areopagiten, Areopagiten! hätte ich, wenn esMöglich gewesen wäre, gar keine oder doch wenigstensthätigere und folgsamere dazu gemacht." (Nachtrag vonOriginnlschr. I, 3940.) Uebrigens hatte Weishaupt,der mit nebelhaften Ideen und knabenhaften Einfällendie Sitten der Welt verbessern wollte, keinen Grund, mitpharisäischem Hochmuths auf die Ausschreitungen seinerOrdensbruder herabzusehen; er selbst war am wenigstentadelfrei, wie wir später noch hören werden.

Eine sehr mißliche Sache für den jungen Geheim-bund waren die finanziellen Schwierigkeiten. Jeder Kan-didat sollte vor seiner Aufnahme einen Geldbeitrag leisten:Leute von Vermögen eine Karolin (11 fl.), weniger Reicheeinen Dukaten, geringere nach Belieben. (Einige Ori-ginalschr. S. 36.) Aber gar manche Ordensmitgliederdachten an ihr Privatinteresse. So klagt Weishaupt ineinem Briefe an Cato aus dem Jahre 1778:WennIhnen der Abzug für Korrespondenzen erlaubt ist, sogilt dem Scipio (von Berger, Nevifions-Nath), Marius(Benefiziat Hertcl in München), Tiberius (Merz ausNaumburg), Alcibiades (Hoheneichner, Hofrath zu Frei-sing), Solon (Mohl, Priester und Hofmeister beim BaronMelden zu Freising ) und mir ein gleiches. Mich kostetdie Ordenscorrespondenz jährlich über 30 fl.") Ver-rathet dieß wieder neuerdings Ihre Absicht, den Ordennur zu Ihrem Privatvortheil zu gebrauchen. Ich binbereit, mein Hab und Gut für das Beste der Gesellschaftabzuziehen. Und Sie nehmen bei dem ersten Erlag von17 fl. über 11 fl. hinweg; ist das socialisch? Was läßtsich da hoffen? Mir möchte das Herz bluten, wenn ichan einem Theil gar soviel Eigennutz und sowenig Liebefür's Ganze sehe. . . . Von was werden wir nunmehrdie Jnsignien, Wappen u. s. w. bezahlen? Weil ich sehe,daß man mit unserem Gelde so umgeht, so kann manmir ja nicht verdenken, wenn ich von Erzerum (Eichstätt )keinen Beitrag nach Athen (München ) machen lasse. DieseOekonomie gefüllt mir nicht, und ich habe Sorge, wirgerathen auch noch durch Administration unserer Kassain Schand und Spott." (Einige Originalschr. S. 295.)

Jene, welche nicht im Stande waren, eine Geld-einlage zu machen, sollten kleine, der Zeit entsprechendesatirische Aufsätze und Gedichte liefern, welche zum Druckebefördert werden könnten, umetwas Geld daraus zulösen. Denn nur für die Kassa gesorgt, das ist das

-°) Nach Hist.-pol. Bl. Bd. 103 S. 930 u. 940 war Pro-pertiuS mit dem bürgerlichen Namen: Franz, Wachs- Hof- undEhrghrts.-Sckret. zu Hanau .

Weishaupt scheint auch die amtliche Postfreiheit für seineZwecke benutzt zu haben. So fragt er am Schlüsse eines BriefeSnach München vom Jahre 1778:In wiefern kann die Post-freiheit des Cato noch benutzt werden." (Einige Originalschr.S. 263.)

erste; sobald ich weiß, daß schon eine Einlage und wieviel geschehen, so folgt meine Karolin auch." (Ebend.S. 319.) Wirklich sehr vorsichtig und schlau gehandeltvon Weishaupt! Er empfahl den Schriftstellern:eineParodie von den Lamentationen Jeremiä. Ein Klage»lied in poetischer Prosa über den Zustand von Baiern in dem Geschmack von Thomsons Britania oder UoungsNachtgedanken, v. g. Lavaria,. Hier müßte Baiern redend eingeführt werden. Oder auch Prophezeiungenim orientalischen Stil. Satyrische Schriften, die nichtzu sehr in das pasquillenmäßige verfallen. Ich fürmeinen Theil, gesteht der Ordensstifter im Briefe vom4. April 1779, will die Parodie von den LamentationenJeremiä übernehmen. Schickt sich gut auf die Zeit"(ebendaf. S. 323), aber schlecht für einen gebildetenMann!

Um die Kassa auf besseren Fuß zu stellen, faßteWeishaupt ein andermal den Plan, in alle GenueserLotto die nämliche Nummer zu setzen, und zwar zu gleicherZeit. (Ebend. S. 250.) Ein weiterer Rathschlag gingdahin, Lesebücher, Romane, Komödien sammeln zu lassen.Weishaupt war bereit, auch von seinen Büchern einengroßen Beitrag herzugeben;ich habe ausspekulirt, schreibter an Ajax (Hofkammerrath Mässenhauser zun.), daß siefür uns eine Finanzquelle werden." (Ebend. S. 177.)Aengstlich war hierin der Ordensstifter durchaus nicht.So schrieb er am 6. April 1779:Marius (BenefiziatHertel) hat noch etwas davon (von Handschriften) ausder Hofbibliothek, er soll es uns mittheilen, und soll sichdurchaus keinen camuri oonseisntiaa (Gewissensbedenken)machen; denn nur was Schaden bringt, ist Sünde; undwenn der Nutzen größer wird als der Schaden, so wirdes gar zur Tugend. (Saubere Moral!) Bei uns nützensie gewiß mehr, als wenn sie hundert Jahre in ihremOrte eingesperrt stehen. Tiberius (Merz aus Naum-burg) hat die im beiliegenden Katalog aufgeschriebenenBücher alle in der Karmelitenbibliothek zu Navcnsburgerobert. Was thun die Kerls mit diesen Büchern? . .Den überschicktcn Vücherkatalog senden Sie auch demTiberius ; denn er ist vielleicht im Stande, auf seinenFeldzügen in den schwäbischen Bibliotheken manchen zuerhäschen. "^) (Ebend. S. 330.)

(Fortsetzung folgt.)

Em Blatt aus der belgischen KircherrgeschichLe.

H,. N. Bei der neuen Diözesaneintheilung der Nieder-lande unter Philipp II. im Jahre 1559 wurde Gent , dieHauptstadt Ostflanderns, Bischofssitz und bekam in derPerson des hochgefeierten Exegeten Jansenius nichtzu verwechseln mit dem berüchtigten Jansenius von Apern,nach welchem die Sekte der Jansenisten ihren Namen er-hielt seinen ersten Bischof. Einer seiner bedeutendstenKircheufnrsten ist zweifellos der dem französischen Hoch-adel entsprossene Mauritius Johannes Magdalena deBroglie. Bereits unter dem 17. November 1805 Bischofvon Acqui in Piemont geworden, wurde er von PapstPius VII. unter dem 3. August 1807 auf den belgischenBischofsstuhl zu Gent transferirt. Fast 14 Jahre warer der geistliche Oberhirte dieser volkreichen, gut kathol»ischen Diözese, hatte aber während genannter Zeit einenfast beständigen Kampf für die Rechte der Kirche zuerst

Hohencicher hat sich erboten, zu unserer Gewcin-Dibliotheknach München zu saniineln und er wird insbesondere aus derdomkapitliichen zu Freising sehr wichtige Beiträge liefern. (EinigeOriginalschr. S. 242.)