Ausgabe 
(3.4.1896) 14
 
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M'. 14

3. Aprtt 1696.

Peter von Heß .

Ein kurzes Gedenkblatt zu seinem 25jährigenTodestag (4. April)von A. G.

Obgleich Hetz von den Nheinlanden stammt, darfman ihn doch als eigensten Laudsmann betrachten, dennin Bayern lebte er die größte Zeit seines Lebens, fürBayern hat er seine allermeisten Kunstwerke geschaffen,in Bayerns Erde ruhen seine irdischen Ueberreste, so daßer wohl würdig ist, daß seiner bei seinem 25 jährigenTodestag kurz gedacht wird. Wir lehnen uns bei denfolgenden Zeilen an die Abhandlung deS KunstkritikersPecht an, welcher dieselbe in derAllgemeinen deutschenBiographie " veröffentlicht hat, einmal weil die Quellenungemein rar sind und weil wir nichts Besseres zu findenvermochten, als eben diese Abhandlung.

Peter Heß wurde geboren am 29. Juli 1792 inder alten Kunststadt Düsseldorf und ist einer der Be-gründer der seinerzeitigen modernen Münchner Schule,vielleicht der erste, bedeutendste Realist derselben. Sichanlehnend an die niederländische Schule, vor allem aberan die Natur selbst, versuchte er eine neue Kunstrichtungzn schaffen, freilich versuchte er es oft mit gleichsam ge-waltthätigen Mitteln, so daß viele Versuche fehlschlugenoder wenigstens nicht so gelangen, wie es die Kunst ver-langt und wie er wohl selbst wollte. Deßwegen aber istdoch nicht zu leugnen, daß er unter den Schlachten- undGenremalern stets einen hervorragenden Platz einnimmtund einnehmen wird.

Geboren als Sohn des Hofkupferstechers und Aka-demieprofessors Christian Heß, genoß er im Vaterhauseden ersten Zeichenunterricht und machte hierin in Bäldedie besten Fortschritte. Nachdem im Jahre 1806 dieAkademie nach München übersiedelte, folgte auch er dort-hin. Ein großer Freund der Natur, abgeschlossen vonder Welt für sich lebend und wirkend, wollte er gleich vonAnfang an seine eigenen Wege gehen, sich um keine Schulekümmernd. Seine Haupifreude war das Betrachten undStudiren des Volkslebens, besonders aber des Soldaten-lebcnS, und hiezu hatte er Gelegenheit in Hülle undFülle sowohl in Düsseldorf gehabt, als auch in derbayerischen Hauptstadt, wir dürfen ja bloß an Wallensteinerinnern. Unter denen, welche wir als seine Vorgängerbetrachten können, ist Kobell wohl der bedeutendste, aberbald überflügelte Heß alle und zeichnete sich trotz seinerJugend derart aus, daß er den Feldzug gegen Frank-reich in den Jahren 18131815 im Hauptquartier desFürsten Wrede mitmachen durfte. Hier entstand alserstes großes Schlachtenbild das der Schlacht von Arcissur Aube, das aber noch ziemlich zu wünschen übrig ließan eigentlicher Frische und lebenswahrer Darstellung,während seine Militärischen Genrebilder aus jener Zeitdagegen schon den Meister verrathen. Im Jahre 1818ging er nach dem Beispiele aller Künstler nach Italien ,wo er seinen Aufenthalt auf das fleißigste ausnützte undmehrere prächtige Bilder mit in die Heimath brachte.Berühmt ist besonders aus damaliger Zeit seinMorgenin Partenkirchen", welches Werk die vorzügliche Wirkungausübte, daß von dieser Zeit an das bayerische Hoch-land und Tirol mit ihrer Bevölkerung ein Hauptstofffür die deutschen Maler wurden und, dürfen wir beisetzen,bis zum heutigen Tage geblieben sind. Eines seiner be-

rühmtesten Bilder, dasösterreichische Lager", entstandim Jahre 1822. Hier sind alle Volksstämme des weitenKaiserreichs auf das prägnanteste charakterisirt, eine Kunst,die so selten zu finden ist, bei Heb aber deßwegennicht überraschen kann, weil er allen Nationalitäten kühlgegenüberstand, keine bevorzugte, keine vernachlässigte,sondern sie allein vom Standpunkt des Künstlers ausbetrachtete und auf diese Weise auf die Leinwand knnst-und naturgerecht hinzauberte; der Patriot verschwandhinter dem Künstler. Die Anordnung auf den großenBildern, die damals entstanden und für den Schlachten-saal der Münchner Residenz bestimmt waren, ist ungemeinklar, die einzelnen Figuren ganz und gar charakteristisch,trotz der Größe mancher Bilder ist nie ein Huül pro cjuozu entdecken, nur Eines ist vielleicht auszusetzen, daß erdas Kleinste ebenso pedantisch ausführlich acccntuirte, wiedas Größte und Bedeutendste; dies aber lag ganz undgar in seinem Künstler-Charakter. Für den GrafenSchönborn malte er damalsdie Grundsteinlegung zurConstitutionssäule".

Im Jahre 1833 wurde Heß die Ehre zu Theil, imGefolge des Königs Otto nach Griechenland reisen zudürfen, wo er sieben Jahre lang wirkte. Sein erstesBild war derEinzug König Otto's in Nauplia an derSpitze der bayerischen Truppen" und der enthusiastischeEmpfang der Bevölkerung. Es dürfte dieses Bild seinvorzüglichstes sein; größere Naiurwahrheit, bessere An-ordnung des Ganzen sowohl als des Einzelnen ist wohlauf keinem zweiten besser und mehr zu finden.Jasogar", sagt Pecht ausdrücklich,übt diese Schöpfungheute noch großen Reiz aus, daß man jetzt sogleich sieht,was man damals freilich übersah, daß so heterogene Be-standtheile wie dies hochbegabte Volk und die nicht ebenelastische bayerische Bureaukratie unmöglich auf die Dauersich vertragen konnten." Als Pendant zu diesem Bilde ent-standDer Empfang des Königs in Athen am Thesens-tempel mit der Aussicht auf die Akropolis", ebenfalls einhervorragendes Werk, wenn es auch nicht dem vorher-genannten in allweg gleichkommt. Den Schluß machteeine Schilderung des ganzen griechischen Freiheitskamvfesin vierzig Kompositionen, die in den Arkaden des Hof-gartens in München ul trsseo ausgeführt wurden, eben-falls Bilder, die großes dramatisches Leben zeigen.

Im Auftrage des Kaisers Nikolaus von Rußland begann er eine Reihe von Bildern acht große Schlachtcn-bilder und eine Anzahl kleinerer, welche ihn in derZeit von 1839, wo er nach Petersburg reiste und diebetreffenden Schlachtfelder besuchte, beschäftigten bis zumJahre 1855. Diese Bilder, sowie die unmittelbar fol-genden der Schlachten von Austcrlitz und Leipzig , zeigenzwar noch die alte gute Disposition, wohl auch noch besserekoloristische Stimmung wie früher, erreichen aber denWerth seiner früheren großen Werke nicht, wohl deß-wegen, weil er, wie Pecht sagt, immer seltener mehr dieNatur zu Rathe zog.Der Schilderung eines Napoleonoder auch nur sonst hochstehender Männer ist hier Heßnicht mehr gewachsen, er sieht sie mit den Augen einesledernen Philisters." Die nächsten fünfzehn Jahre seinesLebens schuf er Werke von Bedeutung nicht mehr, die Wärmeder Begeisterung für Kunst und Leben ließ nach, und am4. April 1871 nahm ihm der Tod im 79. Lebensjahreden Pinsel aus der müden Hand. Wir schließen mitden Worten Pecht's:Seine früheren Schöpfungen sind