Ausgabe 
(16.4.1896) 16
 
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hat er wahrscheinlich auch diese Bücher, und ein unbe-kannter Fortsetzer hat dann die hinterlassenen Manuskriptebenutzt und die Vorbereitungen nach eigenem Beliebengeordnet und vielleicht auch manches eingeschoben. Dasscheint die natürlichste Lösung einer Frage zu sein, überwelche schon so viel von spitzfindigen Kritikern geschriebenworden ist.

Bei dem Ansehen, welches Thomas von Aqutn inder wissenschaftlichen Welt von jeher genossen hat, ist eserklärlich, daß auch dieses letzte Werk seines Geisteseinen nachhaltigen Einfluß auf das Mittelalter und auchauf die nächsten Jahrhunderte ausgeübt und alle Die-jenigen in Erstaunen gesetzt hat, welche die politischenAnschauungen des Mittelalters studirt haben. DiesesSchriftchen vertritt den Höhepunkt der mittel-alterlichen Staats- und Gesellschaftswissen-schaft, insofern hier ein Ausgleich zu Stande kommtzwischen dem christlichen und antiken Element, wobeidieses als Substrat dient, auf dem sich jenes siegreicherhebt. Wir gehen darum nicht zu weit, wenn wir diesesWerk die centrale Zusammenfassung der Social-politik der Kirche nennen. Walters schreibtdarüber:Das ganze Werk zeichnet sich durch Reich-haltigkeit, Scharfsinn, Selbstständigkeit des Urtheils unddurch die ausgebreitetste Kenntniß der alten Schrift-steller und der heiligen wie der Profan-Geschichte aus."

(Schluß folgt.)

Recensionen und Notizen.

Brnstatris prrstornlis äs Laornm sutis inxtcr prc>-batissimos anetorss nsum tlrooloZorum IV. aunrst olsri in enrn. nnrmarnw eoneinnatns 8, k. Uilnriog. Lsxtsn, Orä. Onpus. 6um npprobnticms Uoversuä.spiss. Iriäsnt. st Lupsrioimn Orärnis. Llozznntias,!<!'. Lirsdireim 1895. XX, 642 pa§. Ll. 12.

Der Verfasser bezeichnet sich selbst alsCompilator", undthatsächlich findet sich auch in dem ganzen großen Werke nichtsNeues. Dessenungeachtet aber hat es seinen bleibenden Werth,indem alle die so außerordentlich wichtige Verwaltung derhl. Sakramente betreffenden Pastoralfragcn darin sicher undklar behandelt sind, uno zwar immer in engstem Anschluß anbewährte Autoren. Hilarius a Sexten will in diesem Tractateine Ergänzung seiner vor sechs Jahre» erschienenen Moral-theologie geben, da in dieser nicht eingehend von den Sakra-menten die Rede sein könne, uno hat nun alle Lehrsätze vcrDogmatik und alle Bestimmungen des canvnischen Rechtes inBetreff der Sakramente, namentlich die Lehre von dem Begriffund Wesen, Minister und Subject, der Einsetzung und Wirk-samkeit der Sakramente und von den Ebehindernissen aus-führlich in den Rahmen seines Opus hereingezogen. Der »trae-tatns pnstoralis äs snsramsntis» ist dadurch für vcn Seel-sorger wie für den Lebrer der Pastoralthcologie ein vorzüglichesNacbschlagebuch geworden, dessen Benützung durch eine genaueInhaltsangabe und ein sorgfältig bearbeitetes alphabetischesSachregister außerordentlich bequem gemacht ist. Aber für dieStudirenden, auch für die des vierten JahreSknrscs, ist vcrStoff dadurch wesentlich erschwert und der Preis des Buchesunnöthigcr Weise erhöht worden. Nachdem nun einmal diePastoralthcologie sich von der Moralthcologie und dem Kircbcn-recht losgetrennt und zu einer selbständigen theologischen Dis-ciplin entwickelt hat, sollte man ein- für allemal diesen Wissen-schaften ihr rechtmäßiges Eigenthum überlassen, denn auch nachgewissenhafter Abgrenzung des Lehrstoffes bleibt der Pastoral-theologie noch ein sehr großes Gebiet übrig und ist keineswegszu fürchten, daß die Pastorallehre nicht eine positive Wissen-schaft sei, d. h. sich nicht auf dem Material aufbaue, welchesuns vorgelegt ist in der dogmatischen Theologie und dem ca-nonischen Reckte. Besondere Anerkennung verdient die ein-gehende Darstellung dcö hl. BußsakramcntcS, namentlich diepraktische Anweisung, die verschiedenartigen Pönitentcn, specielldie Gclegenbeits- und Gcwohnheitssünder, zu behandeln. Mögedas schöne Buch, das hiemit dem Kuratklerus bestens empfohlen

'°) Walter ebds. S. 408.

wird, recht viel zur Ehre Gottes und zum Heile der unsterb-lichen Seelen beitragen!

P _ L.

Christenthum und Gegenwart. Von Msgr. EmilBougand, Bischof von Laval. Autorisirte deutsche Ausgabe von Philipp Prinz von Arenberg.Dritter Band: Die Dogmen des Credo. Mainz , Kirch-heim 1895. X, 443. M. 5.

In derBeilage" Nr. 7 vom Jahre 1894 haben wir denersten und zweiten Band dieser werthvollen Apologie desChristenthums zur Anzeige gebracht. Von diesen beiden Bändenwaren bereits vier Auflagen vergriffen, noch ehe der dritte er-schienen war. Derselbe, nun auch in ein schönes Gewand derdeutschen Sprache gekleidet, behandelt in fünfzehn Kapiteln inebenso eigenartiger als erschöpfender Darstellung die christ-katholischen Grundwahrheiten von der allerheiligsten Dreifaltig-keit, der Schöpfung im Allgemeinen (Entstehung der Welten)und im Besonderen (Entstehung der Erde, SechStagcwerk undErschaffung des Menschen), des Sündenfalls und der Erbsünde(Thatsache , Dogma und die Folgen derselben), sodann von derMenschwerdung (Idee, Möglichkeit, Wirklichkeit und Schönheitihrer Ausführung) und der Erlösung. Christus als das Fun-dament und der Schlußstein des Lehrgebäudes bildet den Schlußder Abhandlung. Einleitend werden die wichtigen Fragen überUrsprung und Hauptkennzeichen des Credo erörtert und dasCredo der Katakomben, fast bis ins Kleinste auf den Wändenabgebildet, auf Grund der jüngsten Entdeckungen vorgeführt.Wie im zweiten und dritten Jahrhundert, so ist es seinemganzen Inhalte nach noch heute, und wie ist alles seitdemanders geworden!Was hat die Zeit nicht abgenützt, zernagt,umgestaltet? O Mensch, alles um dich vergeht und du selbstnoch schneller als alles Ucbrige! Nur das Credo bleibt, durchwelches alles lebt und im Nothfall wiedergeboren werden kann"(S. 70)! Um dem Leser nicht vorzugreifen, beschränken wiruns aus diese kurze Inhaltsangabe und empfehlen auch diesengeistreich geschriebenen dritten Band auf das Wärmste.

D. L. L.

Oa Kirnt st Sog'an, »I-sxrqus äss nntignitso Romnines«ouvraZs Ulustrs äs xlnnelrss st äs uoiubronx äeosinsineäits. Uaris, Pliorin st üls, säitsurs; 1895; 8°, IVund 332 Seiten. Preis 7 Fes.

Unterstützt von ehemaligen Zöglingen der »Seals NormalssnpSrlsurs-, welche jetzt Doceutenstellen an französischen undausländischen Lhceen inne haben, unternahmen es die beidengenannten Gelehrten, der eine Professor am OoUtzKö äs Kranes,der andere am frauz. Ghmnasium zu Rom, ein Neallcxikon desrömischen Alterthums zu liefern, das als Supplement kursirenderWörterbücher den Bedürfnissen französischer Mittelschulen, deran ihnen thätigen Lehrer, sowie der fortgeschrittensten Hörer zudienen bestimmt ist. Bekanntlich besitzen Wir Deutsche bcrcitsseit zwei Jahrhunderten eine ganze Reihe ähnlicher Werke, unterdenen hier nur das bahnbrechendeReale Schul-Lcxikon" desweiland Rektors der Schule zu Großcnhahn Mag. BenjaminHederich (I. Anst. 1717) und das in mehreren Auflagen er-schienene Lübke'sche als neueren Datums erwähnt werdensollen, während die französische Literatur in dieser Beziehungbisher ziemlich dürftig bestellt war. Die Auswahl der Worteund Begriffe auf den Nahmen klassischer Latinität beschränkend,dabei Citate von Quellen prinzipiell ausschließend, war es denHerausgebern möglich, den Umfang und hiemit auch den Preisdes Buches zu reduciren. Wir stimmen Cagnat's Ansicht zu,daß namentlich Schüler von derlei Belegen nur mäßigen Nutzenziehen werden und den Interessen des Unterrichts mit Berück-sichtigung der Autoren des goldenen und silbernen Zeitaltersvollauf Rechnung getragen ist. Was die Erklärung der Be-griffe anlangt, so zeichnen sich dieselben im Allgemeinen durchPräcision und Verständlichkeit aus; auch manche der beigefügtenIllustrationen erweisen sich als instruktiv; bei einzelnen freilich,so 42, lOI, 123, 139,. 186 u. s. w., kann dies weniger gerühmtwerden. Recht praktisch erweisen sich dir Kategorientaseln(S. 315 fs.) der im Lexikon aufgeführten Worte.

München . Wittmann.

Walter Dr. E., Oberlehrer an der I. städtischen Realschulezu Berlin,Frankreich ; Geschichte, Land nnd Leute". In2 Theilen. 1. Uistoire st UioZrapdien, mit 3 Plänen und2 farbigen Karten. Berlin 1894; Preis 2 M. 60 Pf.R- Gäriner'S Verlagsbuchhandlung.

Ein empsehlenSwerthcSLese- und Nealienbuch" für denfranzösischen Unterricht, namentlich in den höheren Klassen