Ausgabe 
(16.4.1896) 16
 
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im 4., 8. und 6. Buch werden politische Fragen be-handelt. Nach ihm erhalten die Könige ihre Würde undMacht von den Priestern; die Kirche, welche ihnen diesegegeben, kann sie ihnen auch wieder nehmen. Wenn sietyranniflren oder ihre Herrschaft durch Gewalt erlangthaben, darf man nicht nur, sondern muß sogar, weil esgerecht und billig wäre, sie todten. Das ist so ungefährsein Gedankengang:Zlsätuiu äs ruauu Leolssisssssixib prinesxs. Lst ergo xiiuosxs 8sssräotücsuiäsru rüiiÜ8tsr st gui 8 s. (worum, ostisiorum iUsmxsrtsm sxsrssb ^uss ssssräotii ursniffus viästuriuäigus. korro äs rstious juris sjus est uollseusu3 68t vells st sjn3 S3t snlsrs cstii äs jnrs eou-

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lioitum 68t, 8sä ae^uuin st snstum? °) Bemerkens-werth ist seine Theorie vom Tyrannenmord, die späternoch wiederholt wurde, besonders von dem Jesuiten Mariana, dem Lehrer Philipps III. von Spanien (15981621), in dessen Buchäs rsgs". Sie istuns ein Beweis, daß das antike, »»christliche Elementin der mittelalterlichen Politik noch nicht ganz über-wunden ist.

Was im allgemeinen die Bedeutung des Johannesvon Salssbrry anlangt, so hat er durch seine im kol^-orstieua entwickelten socialpolitischen Grundsätze auf dienachfolgenden Denker einen bleibenden Einfluß ausgeübt,wenn auch die Spuren desselben nicht immer ganz sicht-bar sind. 6)

Gleichzeitig widmete ein Mönch von der Abte! zuFleury, Hugo von Sancta Maria, dem KönigHeinrich I. von England (11601135) seinenIrss-tutu8 äs rsgis xotsatsts st sacsräotsli äignitats."Darin behandelt der gelehrte Mönch eingehend die Theoriedes Tyrannenmords, kommt aber auf Grund seiner Voraus-setzungen auf die gegentheilige Behauptung, er spricht mitEntschiedenheit die sittliche Verwerflichkeit aus. SeineDeduktionen sind folgende: Die königliche Macht stammtvon Gott ; aktiver Widerstand ist darum unerlaubt; nurGebete um Abwendung ihrer Tyrannei sind erlaubt, undjeder, der ihren Sturz veranlaßt oder unterstützt, sei erauch Bischof, macht sich göttlicher und menschlicherMajestütsbeleidigung schuldig.

Auch des berühmtenKommentators" der Aristoteli-schen Schriften sei hier gedacht, des Spaniers Averross(11261198). Derselbe hat nicht nur die AristotelischePolitik erläutert, sondern auch eine Paraphrase überPlato's Republik verfaßt, worin er seine eigenen po-litischen Ansichten mittheilt?) Diese Paraphrase hat derJude Mantinus vom Arabischen in's Lateinische über-setzt und dem Papst Paul III. gewidmet?)

Den bisher genannten Schriftstellern ist eS nichtgelungen, den Boden zu finden, auf dem sich die christ-liche und antikheidnische Socialphilosophie ausgleichen undharmonisch verschmelzen ließe. Es lassen sich deutlich imMittelalter zwet Richtungen unterscheiden. Der einengehören diejenigen Schriftsteller an, welche die Rechte derKirche vertheidigen, der andern die Vertreter der Unab-hängigkeit der weltlichen von der geistlichen Macht.

Einen bemerkenswerthen Umschwung erhalten end-lich die socialpolitischen Studien um die Mitte des 13.

°) kolxerations IV, 3 ff. u. III.

°) Ferdinand Walter, Naturr. u. Politik S. 403.

') Kirchenlcxikon von Wetzer und Weite, alte Auflagel. Bd. S. 421.

b) ok. Johannes Schon, äs literatura xolitioa meäii aevi.

Jahrhunderts: Wilhelm von Mörbeka (gestorbenca. 1300) entdeckt und übersetzt auf Wunschdes heil. Thomas von Aquin die Politik deSAristoteles, ") wie er überhaupt fast sämmtlicheWerke des Stagiriten in's Lateinische übersetzt hat.

Diese Uebersetzung der Aristotelischen Politik ist vontiefeinschneidender und grundlegender Bedeutung für diespätere Zeit geworden, und es läßt sich denken, daß eineMenge von Commentaren dieses Werk untersucht und be-trachtet haben.

Die meisten Verdienste um das Studium und dieVerbreitung der Schriften des großen Stagiriten undseiner politischen im besondern, die durch direkte Ueber-setzung aus dem Griechischen im Abendland bekanntwurden, haben sich die Scholastiker erworben?") Na-mentlich war es Thomas von Aquin , der seinenErläuterungen der Logik, Metaphysik, Ethik, der natur»philosophischen Schriften des Aristoteles und der Schriftäs 63.U8IS", welche die Scholastiker ebenfalls demAristoteles zugeschrieben haben, jetzt auch eine Inter-pretation seiner Politik folgen ließ. Dieser Tho-mistische Commentar der Aristotelischen Politik ist ganzeminent und von besonderem Werthe, weil hier die reineStimme der natürlichen Vernunft, nicht die Stimme derOffenbarung zum Ausdruck kommt, und übertrifft jeden-falls den seines Lehrers, des hl. Albertus Magnus (11931280), der aus späterer Zeit stammt.")

Diesen Commentar hat der hl. vostor anFslieuserst in den letzten Jahren seines Lebens begonnen unddarum auch nicht selbst vollenden können; vielmehr hatnach dem übereinstimmenden Urtheil der BiographenPeter de Alvernia, ein Schüler des hl. Lehrers, dieThomistischen Commentare mit Benützung der hinter-lassenen Manuskripte des hl. Thomas fortgesetzt undvollendet, wobei er nicht bloß die Lehre, sondern auchStil und Methode deS Heiligen auf's beste und genauestegetroffen hat.

Um dieselbe Zeit, in welcher die Erläuterungen zurPolitik des Aristoteles erschienen, also etwa um 1266,am Abende seines Lebens, arbeitete Thomas auch an"dem Traktatäs rsAimius prinoixuiarsgom 6^xri". Ob derenglische Lehrer" dasWerk noch selbst vollendet hat, ob insbesondere auch diezwei letzten Bücher, das 3. und 4., dem Heiligen zuge-schrieben werden dürfen, darüber streiten sich die Ge-lehrten. Jedenfalls ist sicher, daß die in der Abhandlungvorgetragene Lehre sowohl mit den andern Werken desHeiligen als namentlich mit seinen Commentaren zurPolitik des Aristoteles übereinstimmt, und ich denke,daraus darf man doch auf seine geistige Urheberschaftauch der letzten zwei Bücher des Traktates schließen, wennauch die verworrene Disposition der Materie, die zahl-reichen Wiederholungen, die darin vorkommen, und an-deres auf einen verschiedenen Urheber hinweisen. DerHeilige hat eben keine Zeit mehr gefunden, die schon ge-sammelten Materialien auch für das 3. und 4. Buch zusichten und geordnet zusammenzustellen, aber vorbereitet

") ok. Kirchenlcxikon I. Bd., Jourdain, -reeberebos ort-tignos....« deutsch von Ad. Steche.

*°) ok. Kirchenlcxikon I. Bd., ebenso Ueberweg , Grundrißder Gesch. d. Philoj. II. Bd. S. 820. 1886. Stockt, Gesch.d. Pbilos.

") ok. baS herrliche Sckriftchcn:Die socialistische Staats-idce beleuchtet durch Thomas von Aquin " von vr. CeslansSchneider. 1694. Paderborn , worin dieser Commentar kritischbeleuchtet wird gegen die Socialisten.