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Klosters und zugleich zum Custos erwählt, nachdem erschon 1563 und 1566 auf den Kapiteln zu Sefflingenund München als Definitor gegenwärtig gewesen war;1571 ging er zum Generalkapitel nach Rom , wohin seinRuf ihm schon vorangeeilt war, so daß Papst Pius V. selbst sein Zuhörer war, der ihm auch den Titel oou-oiouutor axostolious verlieh. Erzherzog Ferdinand vonTirol setzte es durch, daß 8 . Johannes ihm als Hof-prediger überlassen wurde, und er ging als solcher nachInnsbruck 1572. Auch von dieser Stadt aus unter-nahm der unermüdliche Mann noch zwei Missionsreisennach Augsburg , wie er auch in Tirol selbst mit dervielfältig verbreiteten Häresie, namentlich der Wieder-täufer, zu kämpfen hatte. Der Ordensgeneral 8 . Christophg, Oaxits loutiuiu (Otisöoutaiuos) ernannte ihn zumCommissär für die Ordensprovinzen Straßburg , Oester-reich und Böhmen , und als solcher führte er 1574 dieBrüder seiner heimathlichen (Straßburger) Provinz inden Convent Innsbruck ein, wo früher die Franziskanerder venetianischen Provinz gewesen, bei dessen Besetzungsie aber aus Mangel an deutschen Priestern mit Schwierig-keiten zu kämpfen gehabt. Er bemühte sich auch zweiandere Klöster Tirols, nämlich Schwaz und Bozen , mitStraßburg noch zu vereinigen, stieß aber dabei aufWiderspruch bei seinen eigenen Mttbrüdern, wie Glaß-berger andeutet; besonders war dies der Fall auf demKapitel zu München 1574, wo der Beschluß gefaßtwurde, daß diese beiden letzten Klöster wieder von derStraßburger Provinz getrennt werden sollten, nachdem sieauf kurze Zeit dazu gehört hatten. Papst Gregor XIII. ernannte k. Johannes 1578 zum Commissär über alleseraphischen Klöster in den Landen des Erzherzogs ^Ferdinand. Da die Straßburger Provinz sich gegendie Aufnahme der Tiroler Klöster geweigert hatte, wurdeaus denselben eine eigene Provinz gebildet (16. April1580), und von dem Ernennungsrechte bei der Errichtungeiner solchen Gebrauch machend, ernannte unterm 18. April1580 der Ordensgeneral k. Franz Gonzaga als erstenProvinziell der neuen xrovineia 8 . Deoxoläi denk. Heinrich Sedulius , und unter den vier ernanntenDefinitoren war k. Nas, so daß er nunmehr als zurTiroler Provinz gehörend erscheint.
War auf diese Weise der verdiente Mann zu hohenAemtern in seinem Orden gelangt, so war ihm eine nochhöhere Würde beschicken. Am 19. Mai 1580 ernannteihn der Papst zum Bischof von Vcllin und zum Weih-bischof von Brixen , und wurde er am 18. Septembervon Johann Thomas von Spanr, Fürstbischof von Brixen ,consccrirt. Als ein demüthiger Mann schämte er sichauch in seiner neuen Stellung seines Ursprunges nichtund nahm, wie schon erwähnt, die Scheere in sein bischöf-liches Wappen auf. Seine "einfache Lebensweise, die erals Franziskaner geführt, gab er niemals auf, und ebensolag er seinem missionarischen Berufe mit immer gleichemEifer ob, wenn auch die Kräfte nach und nach abnahmen.Als Weihbischof consecrirte er am 8 . Mai 1582 eineKapelle in Schwaz , am 5. August 1583 die Kapelle aufdem Gottesacker der Clarissinnen in Brixen zugleich mitdem Altare in fion. 8 . Ornats et 8 . V. N. aä utvos,am 8 . September die sogenannte silberne Kapelle in derk. k. Hofburg in Innsbruck , welche einer Vergrößerungunterzogen worden war; am 14. September 1586 eineKirche bei Mtls, am 4. September 1587 den Altar imKapitelsaale zu Innsbruck , am 11. September die Kirchein Schloß Sigmundslust bet Vomp, 1589 die Kloster-
kirche in Passau . In wie gboßer Ächtung er immerfortin Nom stand, erhellt aus einem Briefe des CardinalsAlexandrinus, der ihn im Auftrage des Papstes im Juli1584 nach Nom berief, in welchem eS heißt: „üb autsrnsaäera Hmxlituäo Dun eommoäius iter eontresrsxossit, iussn Luas 83 .u 6 tita.tis statira illi psrsol-vsutur 100 uummi anrät st Drbsra äoiuosxs in-gressa teumLnissime sxoixistur, c^ueiuuclinoäuinsuarnin virtutum rasrita postulnrs viäsutur stiQulti laborss xsr Ost eoolosiam in rslellsnäisIiLsrstieoruw. äogruatidus susesxti. Osrto unternseiat Uruxlituäo Pua, ssss die esse in wLAua sx-sxsotLtions."
Im Mai 1590 vom Erzherzog Ferdinand zumLandtag nach Innsbruck berufen, starb er unerwartetdaselbst im Kloster schon am 16. Mai, von aetatslouAasvns ssä ladoribus et viZtlits Iraetus, wie dieOrdenschronik sagt. Der Erzherzog ließ seinem Freundeein Monument setzen, dessen Inschrift lautet: kms. iaOdristo kraesnl so Doruiuus krater llodannes Xasus,Orä. Dr. Niu. äs Ofissrvautia, Lellinensts Lpisoopus,Drixiususis 8 u§r 3 A 3 ueus, Ooneionator axostoliouset Lersntsstwt krtneipis Dsräiuanäi, Lnstrtas^rodiänois /tnlions, IleltZtonis catdoltcus xro-puAuator ooustLutissimus et daeretieormn dostisaoerriinns snd doa saxo in Domino ^ntesott.Nortons 16. ciie Nuti anno salutis dumnnue 1590,aetutts vero suae 57., ^nem Deus Opttmus NuximusSun in Odristo miseriooräiL äignetur. In derSakristei der Hofkirche in Innsbruck , die zugleich denFranziskanern zum Gottesdienste überlassen und allenTouristen bekannt ist wegen des Denkmals Kaiser Maxi-milians, befindet sich ein Glasschrank, in welchem einOrnat desselben und zugleich ein von ihm selbst nochgeschriebenes Büchlein als Erinnerung aufbewahrt wird.
Schöpf gibt ein Verzeichniß der Schriften des?. Johannes und zählt deren 39 auf, während dieChronik der xroviuoia 8 . Dsopolüi deren 45 anführt.Es sind darunter treffliche Neben und Predigtwerke,aber das polemische Element überwiegt. Mit demgrößten Nachdruck hat er bis zuletzt insbesondere gegendie Lehre vom Alleinglauben gekämpft. Schließen wirdie Lebensskizze dieses berühmten und verdienten Mannesmit einem Urtheil, welches die Histor.-Polit. Blätter überihn abgeben (Band 46, Seite 546): „Dem heutigenGeschmacke können die Nas'schen Streitschriften freilichnicht mehr zusagen; eines aber läßt sich ihnen nicht ab-sprechen, sie belegen alle die Behauptungen mit Stellenaus den reformatorischen Schriften selber, und sie be-weisen hierin eine so ungcmeine Bclesenheit und Der-lässigkeit, daß sie heute noch einen sehr schätzbaren Behelfabgeben können."
Streifzüa.e durch die socialpolitische Literaturdes Mittelalters bis Thomas von Aquin .
Von Frz. Jos. Strobmcyer, Bcncftziat in Oberst: erf.
(Fortsetzung.)
Derjenige, der die Reihe der socialpolitischen Schrift-steller im Miitelalter eröffnet, ist Johannes vonSalisbury (gestorben 1180). Sein Hanptwerk ist derin 8 Bücher abgetheilte „kolvoraticus sirs äs vu§iseuiialiuin st vestiZüs püilosopfioruw.") Namentlich
*) ck. Ferdinand Walter, Notnrrccht u. Politik im Lichteder Gegenwart, 8 519 S. 402. 1571.