im katholischen Bayern aufthürmten, als Klöster undStifte mit vandaliscker Wuth der Auflösung und Zer-störung preisgegeben wurden; er mochte das Wehen destviedererwachten christlich-germanischen VolkSgeistes fühlen,als auf Leipzigs grünem Plane des stolzen Korsen Ueber-muth gebrochen ward, als in der hl. Allianz die Grund-sätze des Evangeliums zur Richtschnur der politischenFreiheit und Rechte der Völker proklamirt wurden.
Unter diesem Eindrucke erwachte wohl auch wiederin dem Herzen des gestürzten Jlluminatengenerals dieErinnerung an den Glauben seiner Kindheit, und alsGreis suchte er die Fehltritte des wild überschäumendenMannes zu sühnen, indem er für jene Kirche eintrat,welche durch Revolution und Säkularisation zwar ge-schwächt, aber nicht vernichtet werden konnte.
Das katholische Bayern , dem gemäß den Bestreb-ungen der Jlluminateupartei das heiligste Erbgut seinerLäter — der Glaube der Vorzeit — entrissen werdensollte, übte die süße Rache der Liebe und half in Gotha dem greisen Weishaupt ein katholisches Gotteshaus er-bauen. Möge dasselbe ein Wahrzeichen sein für denSieg der katholischen Wahrheit über Irrthum und Lüge!
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Berichtigung und Ergänzung.
In Beilage Nr. 14 Seite 106 ist zu lesen: Endliche Er-klärung Pbilo'S. start: Endlose. — Zu Anm. 26 Seite 116Nr. 15 harte Titl. Herr vr. Morgott, Domkapitular in Eich-stätt, die Eure, den Verfasser auf den Jesuiten Job. MariuuS,Professor zu Alcala, gest. 1725, aufmerksam zu machen, dessenWerk HieoloAia sxseulativa st moralis durch Dekret vom5. Juli 1728 und 18. Juli 1729 auf den Index gesetzt wordenist. (Inklex librorum probibitornm, Romav 1881 x. 208,Lurtor, nomeirolator II/ 976, Reusch, Der Index II, 1, 514).Vielleicht hatte Weishaupt diesen Marinas im Auge.
Franziskaner und Weihbischof.
(Schluß.)
H Den eigentlichen Anstoß zur Polemik des k. Jo-hannes gab die in den Jahren 1562 und 1564 vonHieronymus Rauscher, Hofprediger des Pfalzgrafen zuNeuburg , herausgegebene und dem Herzog Christoph ge-widmete Schrift: „Hundert auserwählte, große, unver-schämte, feiste, wohlgemästete, erstunkene Papistische Lügen."Rauscher hatte aus verschiedenen Büchern allerlei Legendenund Wundergeschichten zusammengetragen und auf solcherGrundlage und unter dem erwähnten geschmacklosen Titeldas ganze Papstthum als Abgötterei dargestellt mit Aus-drücken, die unter halbwegs gebildeten oder auch nur an-ständigen Menschen nicht wiederzugeben sind. In diesemBuche überhäuft dieser Hofprediger auch besonders denhl. Franziskus mit Schmach. Als Franziskus gestorben,„sei Fastnacht in der Hölle gewesen, Beelzebub und Luciferund feine Gesellen haben ihn mit großen Ehren empfangenund als einen treuen Diener in ihr Reich aufgenommenund obenan gesetzt" u. s. w.; ebenso gebraucht er vonder Kirche Ausdrücke wie „babylonische Hure", „Teufels-braut" u. ähnl.
?. Johannes sehte dieser wüthenden Schmähschriftdie erste feiner berühmten Centurien entgegen: „Dasantipapistisch Eins und Hundert auserlesener gewisserevangelischer Wahrheit, bei welcher als bei den Früchtender Baum, die reine Lehr soll und muß erkannt werden",zu Jngolstadt 1565 ohne Angabe seines Namens. ESentwickelte sich ein heftiger Federkrieg, in dessen Verlaufer die zweite Centurie: „Das andere Hundert der evan-
gelischen Wahrheit", erscheinen ließ (1567) und so biS1570 noch drei weitere Centurien veröffentlichte, welcheinsgesammt die Lehren und Thaten der reformatorischenHäupter in derb sarkastischer Weise kritisiren, zum Theilauch gegen Zeitgenossen persönlich gerichtet sind, wie ins-besondere gegen Heßhus, Andreas, Spangenberg undOstander. Alle diese gaben wieder heftige Gegenschriftenheraus, zudem fielen auch Nigrinus und der wegenseiner Satiren in der Literaturgeschichte bekannteFischart über Nas her, und je erbitterter die neuenAngriffe wurden, desto berber wurde auch er in seinenAntworten.
Wie er in seinen Werken gegen die neue Lehreauftrat mit einem Eifer, daß die Annalen der Uni-versität Jngolstadt ihm das Prädikat geben: „magiiusvsrta sinnig lurarosis niastix ab LLlnsmatiooruinvoxutor", indem er besonders auf die schlimmen Früchtehinwies, die aus derselben hervorgingen (z. B. im xras-luäiurn in Oenturirrs stoininuin sola, 6äs xaräitoruind. i. Newer Zeiten Vorgang, Jngolstadt 1588), so trater auch damals schon für die Unfehlbarkeit des kirch-lichen Lehramtes ein; in einer zu Jngolstadt gedrucktenPredigt über das hl. Sakrament „wider alle Sakraments-schwörmer" findet er die Unfehlbarkeit des kirchlichenLehramtes in dem Gebete Christi Luc. 22 begründet,was er auch auf des hl. Petrus Glauben allein an-wendet. Eine andere krankhafte Erscheinung der da-maligen Zeit bekämpfte er gleichfalls, nämlich denGlauben an den Einfluß der Gestirne auf die Geschickedes Menschen, welcher sogar Eingang in das gewöhn-liche Volk, in die Bürger- und Bauernhäuser gefundenhatte durch die Kalender und Planetenbücher, welche zuder am meisten verbreiteten Volksliterntur gehörten undzur Abwendung von drohenden Uebeln aus dem Standder Gestirne alle möglichen abergläubischen Regeln undVorschriften für Haus und Hof, Gesundheit und Lebenertheilten. Gegen diesen unsinnigen Aberglauben trat erauf in seinem kstiloZeussiug kraotica, kraotieurum,d. i. eine gewisse Vorsagung auf viel zukünftiger Jahr,darin man allerlei Freyd und Leydt aus den seltsamenAspekten kurz und lustig beschrieben liest (Jngolstadt 1571).Auch gegen die herrschende Teufelssucht und Teufelsfurchttrat er auf. „Innerhalb wenig Jahren, schrieb er 1588,sein viel teuflische Bücher ausgangen, die in TeufelsNamen beschrieben, in's Teufels Namen gedruckt, in'sTeufels Namen gekauft und gelesen und für große Kunstbeschreit worden und sind ihre Meister nicht unter dengeringsten Wortsknechten berühmt worden." Er führteganze Alphabete von ausgegangenen Teufelsbüchern anund fuhr fort: „Die alten frommen Christen haben ihrenKindern den Bösen mit seinen greulichen, teuflischen Ab-namen nicht nennen lassen, ja wol dabei zu fluchen wainiemand gestattet, wie der weise Mann sagt: So derböse Mann dem Teufel flucht, verflucht er seine eigeneSeele. Diese jetzige Welt predigt und schreibt Bücherin's Teufels Namen." Die Katholiken dürften auf diesemGebiete nicht folgen. (LnZalus der War-
nungsengel. 1588.)
Doch wenden wir uns zu den weiteren Lebens-schicksalen des k. Johannes. Es ist schon erwähntworden, wie er 1560 auf dem Provinzialkapitel zuSefflingen als Prediger in Jngolstadt aufgestellt wurde.1566 kam er in gleicher Eigenschaft nach Straubing , und1569 wurde er auf dem Kapitel zu Jngolstadt in dieseletztere Stadt zurückberufen und zum Guardian des