Minister verkannte so wenig die Gewalt, welche er überden Kurfürsten übte, als er irgend einen Zweifel in dieeigene Befähigung zum großen Staatsmann setzte.
Wohl im Vertrauen auf diese politische Wandelungin Bayern erließ Weishaupt von Gotha aus am 22. April1799 im Neichsanzeiger (26. April 1799 Nr. 95S. 1101 —1104) seine „Endliche Erklärung": „Ichhabe bisher, heißt es daselbst, in der festen Ueberzeugung,als ob alle weiteren Vertheidigungen in Rücksicht meinerüberflüssig sein würden, gutmüthig dahingelebt. ... Ichwerde aber durch widrige Folgen gewahr, daß ich michin meiner Erwartung mehr als jemals getäuscht habe.Ich bin es daher müde, fernerhin in dieser zweideutigenGestalt zu erscheinen; denn ich glaube etwas besseresals Verachtung oder Mitleid zu verdienen. Ich bin esaber auch ebenso müde, Vertheidigungen zu schreiben;denn ich habe erfahren, daß sie entweder gar nicht ge-lesen oder sehr bald vergessen werden. Ich bin Vatereiner zahlreichen Familie; durch mich sind viele schuld-lose Menschen in widrige Umstände versetzt; mehr alseine Regierung ist bei dieser Veranlassung beunruhigtund durch Furcht und Besorgnisse aller Art zu strengenMaßregeln gereizt worden. Ich bitte um gerichtlicheUntersuchung und Entscheidung dieser Sache. ... ImAngestchte der Gesetze und vor den Augen eines unbe-fangenen Richters getraue ich mir zu beweisen, daß indieser Sache nur Mißverstand oder Verleumdung herrschen.Ich werde beweisen, daß ich Niemanden hintergangenhabe, daß diese Verbindung nicht allein nicht gefährlich,sondern von allen übrigen bei weitem die unschädlichste,daß sie sogar trotz alles widrigen Scheines groß und er-haben ist, daß keine Schule für Selbst- und Menschen-kenntniß gefunden werden dürfte, welche ihr gleich-komme. . . . Wer anders das in dieser Sache klassischeBuch, welches den wahren Geist meines Systems unver-kennbar darlegt, das Buch, ohne welches unmöglich einentscheidendes Urtheil über mich so wenig als über meineSache gefällt werden kann, ich wahrsage, meinen Pytha-goras — nur den letzten Abschnitt desselben, ja wernur S. 442—447 gelesen hat, der muß, wenn er sichnicht Verdrehung und Verleumdung zum Gesetze gemachtund nur einiges Gefühl für Sittlichkeit hat, sehr baldeinsehen, daß ich bei diesem Schritte nur gewinnen undin keinem Falle verlieren kann. . . Von Bayern ist dieVerleumdung ausgegangen; es ist also billig, daß sie inBayern erprobt oder meine tief verwundete Ehre wiederhergestellt werde."
Weishaupt erhofft darum von dem neuen KurfürstenGerechtigkeit zu erhalten. Schließlich sagt er: „Ich er-kläre hicmit feierlich vor den Augen von ganz Deutsch-land , daß ich in Betreff meiner, soviel diese Angelegen-heit betrifft, jeden Nichterstuhl als kompetent erkenne.Ich werde mich aber in keinem Falle zu einer außer-gerichtlichen Vertheidigung in Zukunft verstehen, wenndiese Mittel ungenützt bleiben und die Anfälle meinerGegner fortgesetzt werden sollten."
Aber weder Maximilian Joseph noch sein SohnLudwig I. konnten zu einer Begnadigung Weishauptsveranlaßt werden. Nach den „Gesammelten Blättern"(München 1868 S. 19) soll König Ludwig I. , aufeiner Reise von dem späteren Bischöfe Georg v. Oettl
"') Georg Loren; Oettl, geb. am Oettlgut zu Gängham,Pfarrer Palling , am 26. Januar 1794, 18i7 ordinirt, wurdeauf Empfehlung Sailers am 20. Dezbr. 1820 zum Neligions-lchrer der Prinzen und Prinzessinnen des Kronprinzen, nach-
von Eichstätt begleitet, in Gotha mit dem ehemaligerProfessor aus Jngolstadt zusammengetroffen sein. Derselbe habe den Bayernfürstcn um einen Beitrag zur Er-bauung einer katholischen Kirche in Gotha angefleht(6000 fl.), um für die Verirrungen seines Lebens einigeGenugthuung zu leisten.
Trotz eifrigen Nachforschens ist es mir nicht ge-lungen, einen glaubwürdigen Beleg für die berührtenAngaben der „Gesammelten Blätter" zu entdecken. Nachden freundlichen Mittheilungen des dermaligen katholischenPfarrers in Gotha, Diöcese Paderborn , Herrn Schnettler,dem hicfür der gebührende Dank ausgesprochen sei, wurdedie dortige katholische Gemeinde im Jahre 1812 wiederin's Leben gerufen, nachdem sie in den Stürmen derGlaubensspaltung des 16. Jahrhunderts erloschen war.Weishaupt scheint nun seinen Einfluß zu Gunsten derneuen Seelsorgsstation geltend gemacht zu haben, daheute noch in Gotha die Erinnerung fortlebt, dieselbesei von Jlluminaten gestiftet worden. Im Jahre 1829wurde für die katholische Gemeinde zu Gotha im König-reiche Bayern eine allgemeine Kirckencollccte bewilligt,welche die Summe von 6975 fl. 4*/z kr. ergab. Indem einschlägigen amtlichen Aktenmnterial findet sich nunzwar kein Hinweis auf die Thätigkeit Weishaupts, aberals geborner Bayer dürfte er doch die Anregung zudiesem Schritte gegeben haben, da ja die sonstigen Mit-glieder der katholischen Gemeinde mit der bayerischen Regierung in keinerlei Beziehung und Verbindung ge-standen; die in Bayern bewilligte Sammlung war näm-lich die erste für den katholischen Kirchcuban in Gotha ,andere Staaten genehmigten später derartige Collccten.
Am 18. November 1830 starb hochbelagt HofrathAdam Weishaupt in Gotha , ausgesöhnt mit der kathol.Kirche, welcher er einst als junger Professor Tod undVernichtung geschworen. Am 21. November wurden di-irdischen Ueberreste der geweihten Erde übergeben.
1748—18301 Welch eine inhaltsvolle, sturmbewegteZeit! Weishaupt, in den Schulen der Jesuiten zu Jngol-stadt erzogen, sah den Fall dieses Ordens und freute sichdarob; er gründete einen Gehcimbund, welcher als Gegen-stück der Schöpfung des spanischen Officiers der WeltAufklärung und reine Sittlichkeit bringen sollte; aber diehohen Ziele des ehrgeizigen Professors wurden nicht er-reicht; er selbst mußte seinem Vaterlands den Rückenkehren und das harte Brod der Verbannung essen. Ersah aber auch die politischen und religiösen Umwälzungender französischen Revolution, deren Grundgedanken ihnso sympathisch berührt hatten; er sah, wie Napoleon , derGünstling der Revolution, die Völkerkarte Europa's rück-sichtslos zerschnitt, wie er den Nationen Gesetze diktirte.Weishaupt erblickte von der Ferne die Ruinen, die seineSchüler und Anhänger, mit Montgelas an der Spitze,
maligcn KönigS Ludwig l., in WUrzvurg ernannt. 1825 zoger mit Ludwig an den Hof nach München , wurde, als seineAufgabe eines Netigionslebrers vollenoct war, 1829 Ka-nonikus am Metropolitankapitel München -Frcisinz, 1832 Dechantdesselben Kapitels. Am 7. Febr. 1817 ward Oettl als Bischofvon Eichstätt in München consccrirt und starb am 6. Febr.1866. Nach freundlicher Mittbcilunz von hochgeschätzter Seitesei einstmals zu Oettl, als er noch in München weilte, ein alteskleines Herrchen gekommen und habe ihm in längerer Unter-redung auseinandergesetzt, er habe viel Unheil im früheren Lebengestiftet und möchte daS, wenn möglich, wieder gut machen. Erstim Verlaufe des Gespräches habe sich der Fremde als Weis-haupt zu erkennen gegeben.
Im Jahre 1851 bewilligte der hochherzige König Lud-wig I. für Gotha die Summe von 1300 fl.