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Unsere Seele ist Cartesius eine denkende Substanz, dieallster aller Beziehung zum leiblichen Organismus steht;das Gedächtniß und die Jdeenassociation erklärt er me-chanisch durch die Strömungen der von ihm angenom-menen materiellen Lebensgeister.
Schon aus dieser kurzen Inhaltsangabe ist ersicht-lich, daß der Weise von Haag in vielen wesentlichenPunkten mit der bisherigen Anschauungsweise und auchForschungsmethode brach und ein Gebiet freilegte, aufwelchem nach ihm so viele ihr Geistesrößlein tummelten,bekanntlich nicht zum Wohle der nach Wahrheit lechzen-den Menschheit. Seine idealistische Philosophie nahmbald ihren Weg durch die Niederlande nach Deutschland ,wo sie sich zunächst mehr als Schulweisheit, dann aberals Lcbensmacht entfaltete. Hier brachte sie ihr größtesLicht hervor in Jmmanuel Kant, der mit dem Gedankenendigte: Veit rnstil, ovanirr steter!
Von Adam Hirschmann.
(Schluß.)
Die kurfürstliche Regierung in München gewannjedoch vollen Einblick in die deistischen und republikan-ischen Tendenzen des Illuminatenbundes erst durch diePapiere des katholischen Priesters Lanz (Br. Sokrates),welcher, im Begriffe nach Schlesien zu reisen, um dortfür den Jngolstädter Orden Propaganda zu machen, inNegcnsbnrg vom Blitze erschlagen worden war. Manfand bei ihm eine Anweisung der Ordensoberen, welchezur Entdeckung mehrerer angesehener Mitglieder führteund eine verschärfte Untersuchung und Bestrafung imGefolge hatte. In Sandersdorf bei dem Freiherr» vonBassus und in Landshut bei dem Negiernngsraihe Zwackgelangten die geheimen Korrespondenzen und die Original-schriften der Hauptführer in den Besitz der batzerischenRegierung: 11. und 12. Oktober 1786. Diese liestwohl zur eigenen Rechtfertigung ihrer rücksichtslosenKabinetsjustiz, welche seit dem 16. August 1785 überBauern hereingebrochen war, die entdeckten Brief-schaften und Aktenstücke durch den Druck veröffent-lichen, „um das in- und ausländische Publikum von demoffenbaren Ungrund, womit die Jlluminaten noch immerüber ungerechte Gewalt und Verfolgung in Bayern schreien, desto mehr zu überzeugen und selbes sowohlvor dieser epidemischen Sekte als all andern dergleichenverbotenen Winkelgesellschaften zn warnen, worin mannur Leichtgläubige zu betrügen, Geld zu schneuzen undstatt der vorgespiegelten Wahrheitsanfklär- und Sitten-verbesserung diese vielmehr im Grund zu verderben undjene gänzlich zu unterdrücken oder zu verfälschen bemühetist." (Vorrede der Regierung, München den 26. März1787, zu: Einige Originalschriften des Illuminaten-ordens .)
In dieser ersten Sammlung fanden jene StückeAufnahme, welche in Landshut bei dem NegiernngsraiheZwack 1766 entdeckt worden waren, während die Ergeb-nisse der Haussuchung in Sandcrsdorf in dem „Nachtragvon weiteren Originalschriften", 2 Abtheilungen (München 1787), der Oeffentlichkeit übergeben wurden.
Wie verhielt sich nun Weishanpt gegenüber diesenPublikationen? Gab er deren Authenticität zu oder er-klärte er die veröffcnlichten Aktenstücke und Briefe fürfalsch und unterschoben?
Werkchen, betitelt: Einleitung zu meiner Apologie (Frank'fürt und Leipzig ); daselbst bemerkt er: „daß er voneinigen dieser Schriften, insbesondere von allen diesenso verdächtigen geheimen Mitteln, der Vergiftung u. s. w.in seinem ganzen Leben weder etwas gehört noch gesehenhabe, noch viel weniger, daß ihm ein einziger Fall be-kannt wäre, wo irgend einer von seiner Bekanntschaftnur gedacht hätte, solche anzurathen, mitzutheilen odereinigen Gebrauch zu machen." (S. 7.) Er könnte zwargegen die von der Regierung in München bekannt ge-gebenen Schriften den Einwand erheben, daß dieselbenin Abwesenheit der Interessenten ohne die erforderlichenGerichtszeugen abgenommen, weder ihm noch einem an-deren Verfasser zur Anerkennung vorgelegt worden seien,aber die Güte seiner Sache mache es überflüssig, sichsolcher unnöthigen Ausflüchte und Verzögerungen zu be-dienen; darum gesteht er: „Ich erkenne also die vonmeiner Hand geschrieben sein sollenden Briefe und Akten-stücke idlL. in der Hauptsache schon dermalen, ohnesie gesehen zu haben, unbedingt als ächt an.-" (S. 9.)Auch den schon oben besprochenen Brief, worin er derBlutschande und der attentirten Abtreibung des Fötusbeschuldigt wird, erkennt er als ächt und der Haupt-sache nach als wahr an. (Kurze Rechtfertigung meinerAbsichten S. 51.)
Aber mit diesem Zugeständnisse war eine Recht»fertigung seiner Pläne und Ideen hinsichtlich der Reformvon Kirche und Staat durch den Illuminatenorden zurUnmöglichkeit geworden; die hierauf bezüglichen Schriften,wie Apologie der Jlluminaten, das verbesserte Systemder Jlluminaten, Kurze Rechtfertigung meiner Absichten,Nachtrag zur Rechtfertigung meiner Absichten, Pythagoras oder Betrachtungen über die geheime Welt- und Ne-gierungskuust?b) können nur als sophistische Beschönigungs-versuche gelten, welche vor der Wahrheit nicht bestehen.Ob ihm das Anerbieten, in München vor einem un-parteiischen Gerichte zu erscheinen, wirklich Ernst war(Einleitung zu meiner Apologie S. 23), können wir imHinblick auf die brieflichen Aeußerungen an Zwack(25. Febr. 1785) kaum bejahen. Durch die Aechtheit derOrigiualpapierc ist aber Weishaupt und seine SchöpfungMoralisch vernichtet. (Augsb. Allgem. Zeitung 1674Beil. Nr. 185.)
Am 16. Februar 1799 starb, vom Schlage gerührt,Kurfürst Karl Theodor , dessen Maitressenwirthschaft denfruchtbaren Nährboden für die Umsturzideen der Jllumi-natenpartei gebildet hatte. In der Regierung Bayerns folgte ihm Herzog Maximilian Joseph von Pfalz -Zwei-brücken, dessen Bruder Karl II. August einst den flücht-igen Jlluminaten Minister Graf von Seinsheim undHofrath von Montgelas eine Zufluchtsstätte in der Pfalz gewährt hatte. Nach dem Ableben dieses Gönners 1795war Montgelas ' in die Dienste Maximilians getreten,der ihn auch mit sich nach München nahm 1799. Dort nunwurde derselbe gar bald die Seele der neuen Regierung.Als Jlluminat, sagt Perthes (Politische Zustünde I, 451),hatte Montgelas Bayern 1785 verlassen müssen, alsMinister kehrte er 1799 zurück und fand dieselbe Ord-nung der Dinge vor, die ihn einst vertrieben hatte. DerKurfürst vertraute seinem Minister unbedingt, und der
2°) Die Apologie des Mißvergnügens und Uebels (Frank-furt und Leipzig 1787) widmete Weishaupt : „Dem Freundseines Herzens dem Hochwürdigen Hcchgcbohrnen Franz desH. R. N. Grafen von Starbemberg des hohen Dcmstifts zuEychstädt Domicellaren als ein Denkmal seiner innigsten Ver-ehrung und Freundschaft."