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das; es in Wahrheit nur eine richtige, ganz correcte Auf-fassung dessen gebe, was in wohlgeordneten, monarchischenStaatswesen Bedeutung und Bestimmung des Adels sei?Die Lösung findet sich in der Aufgabe, welche das Christen-thum der ganzen Gesellschaft, an deren Spitze dem Adel,zutheilt!
Das Christenthum als Werk der gottmenschlichenMajestät Jesu Christi erscheint als das höchste adeligeInstitut, die christlichen Völker demgemäß als der Adelder Menschheit auf Erden! Steht dieses fest, daß einegöttliche Lehre die Menschen zuhöchst zu veredeln befähigtsei — so ist hiemit die Berechtigung des Blutadels inner-halb der christlichen Gesellschaft nicht preisgegeben.
Das Christenthum anerkennt den Blutadel. Beweishiefür findet sich in dem Evangelium nach dem heiligenMatthäus (1,1—16), enthaltend das Stammbuch JesuChristi , in welchem dargethan ist, daß der hl. Josef, derPflegvater Christi , von königlichem Geblüts war. DieseBeweisführung mit all' den Namen der Vor- und Urvaterläßt erkennen, daß dem hl. Joseph vor Gott in Folgeseiner Abstammung eine höhere Würde zukomme, sonstwäre eben dieses Namens-Negister nicht unter den Gottcs-Worten der hl. Schrift zu finden.
Da nun Gott der Herr den Blntadel gelten läßt,so müßte es für Christen zweifellose Verpflichtung sein,ein Gleiches zu thun. Diese gläubigen Christen gegen-über gestellte, wohlbcgründete Forderung wurde seitensder Aufklärung 1789 in Frankreich und 1848 in Deutsch-land als unberechtigte, freiheits- und volksfeindliche Prä-tension zurückgewiesen — eine Censur, die nicht über-raschen kann! Denn wo Gott und sein Evangeliumnicht gilt — wie sollten da feine Vasallen noch Geltungfinden!
In diesen Augen erschien es als weltbefreiende,fortschrittliche Geistesthat, die Adels-Nechte als antiquirtzu verwerfen! Das Nivellement machte eitle Anstreng-ungen, alles auf „eine" Höhe zu bringen, als ob aufsolchem Wege der Gewalt die dekretirte Gleichheit derMenschen zur ernst zu nehmenden Thatsache gemachtwerden könne!
Hat denn der Schöpfer Gleichheit gewollt? Dieganze Schöpfung in allen Theilen, vom leblosen Steinbis zum Meisterwerke des Schöpfers: bis zum göttlichbeseelten, vernunftbegabten Menschen, ruft: nein! Dieganze Schöpfung ist ein Protest gegen die Gleichheits-Jvee der Gottesleugner! Eben die Ungleichheit ist dasGesetz; Steine, Metalle, Blumen, Bäume, Früchte, Thierebezeigen eine Variation und Gradation von weniger edlenzu edleren und edelsten Arten und Gattungen.
Vergleicht man die Typen der Menschen-Nassen, sokann die Priorität der kaukasischen Nasse nicht zweifelhaftsein. Gesichtsbildung und geistiger Ausdruck stellen dieWeißen hoch über die andern Völker-Typen! Wo istGleichheit? Sie wohnt in den Träumen alter und neuerCommunisten!
Ungleich ist Körper-Gestalt und Kraft, ungleich sindGeistesgaben, Talente, Gemüths-Eigenschaften, — woist Gleichheit?
Gibt es Steigerungen in Bezug auf das Angeborneim innern Menschen nach der Seite des Geistes undGemüthes hin — warum sollte die Hülle nicht Unter-schiede ausweisen dürfen? „Blut ist ein besondererSaft" — sagt Goethe im Faust. Ist das der Fall,so ist Genealogie und Adels-Generation nicht zu ver-werfen^ nicht zu verspotten^
Mit diesem Hinweis auf die Berechtigung des Blut-adels soll nicht die Bedeutung des Herzens- und Geistes-Adels herabgesetzt werden. Feststehend bleibt für daSChristenthum, daß, abgesehen vom Blute, nur jene Seelevor Gott als hochadelig gelten könne, welche der Auf-nahme in den Himmel gewürdigt wird. Mitglieder desBlutadels, welche, beherrscht von niedern Gewalten,dieses ewigen Glückes selbst sich beraubten, haben, ihreBedeutung verkennend, ihre Bestimmung verfehlend, sichtief herabgewürdigt zur Personifikation aller Niedrigkeit,Schändlichkeit und Verüchtlichkeit — zum Feinde derhöchsten Majestät Gottes!
Adel verpflichtet! „Xolsissss osiliZs" bezieht sichzunächst auf das Verhältniß des Vasallen zum göttlichenDienst- und Kriegsherrn — vor dem alle nur Dienersind! Ist dieses Dienstverhältniß ein der Vorschrift ent-sprechendes, normales — so wird mit zwingender Logikdie Stellung zum irdischen Dienst- und Kriegsherrn noth-wendig auch eine correcte, iä est gottgewollte sein! Mitdieser getreuen, unerschütterlich beharrlichen Stellunggegenüber „Altar und Thron", wie sie auf vielenBlättern der Adelsg. schichte verzeichnet sich findet — istin aller Kürze und Klarheit Bedeutung und Bestimmung,ist die von Gott gesetzte Aufgabe des Adels dargelegt!
Die Bedeutung des katholischen Adels für die ka-tholische Kirche erweist die große Zahl seiner Mitglieder,welchen die Ehre des Altars zu Theil geworden. Odererscheint der unvergeßliche Kaiser Karl der Große nichtals Vorbild wahrer Herrschergröße von Gottes Gnaden?Ebenso Ludwig IX. von Frankreich als Muster einesweisen und gerechten Regenten! Stellt sich im Bildsder hl. Elisabeth von Ungarn nicht das Ideal wahrer,christlicher Nächstenliebe, höchsten Opfergeistes dar? Darfder Adel nicht mit begründetem Selbstgefühl auf diebeiden Adelssprossen Albertus Magnus und Thomasvon Aquin und andere als auf Gelehrte ersten Rangesblicken?
Die Heiligen-Legenden geben Zeugniß von vielenhochwürdigen und ehrwürdigen Persönlichkeiten beider Ge-schlechter aus dem Adelsstande, welche, der Kirche zurZierde dienen, als Höchstes es erkannten, für Gottes Ehresich opfernd zu wirken, nach den Worten des heiligenFranziskus von Assisi (1182 — 1226): „Das ist diewahre Ehre, daß man alle Ehre dem Herrn gebe undihm getreu diene!" Auf eine ansehnliche Reihe würdigerGoitesdiener, die aus seinen Reihen hervorgingen, istsomit der Adel zu blicken berechtigt. Dem Allerhöchsten,dem Herrn der Welten, von dem Alles ist, in Treuevorerst zu dienen, galt von Alters her als Adelsver-pflichtung, als hochadelige Gesinnung!
Das Verlassen dieser Tradition führte auf Abwege,deren Erkenntniß in den Herzen der traditionell-getreuennur Schmerz und Trauer wirken kann. Es ist schmerzend,bekennen zu müssen, daß die empfindlichsten Wunden demAdel vom Adel zugefügt worden. Die tödtlichste Wundewurde dem Adel geschlagen mit Nobilitirung des Geldes,mit Schaffung des Geldadels — ein Faustschlag in'SAngesicht des alten, christlich-getreuen Adels!
Trotz dieser so sehr zu beklagenden, traurigen Ver-irrung wird es wohl statthaft sein, aufzustellen, daß derGlaube des Volkes an die Adelswährung der neuge-schaffenen Plutokratie auch heute noch mit vielen zweifelndesFragezeichen umhegt erscheint. Daraus dürfte hervor-gehen: wie wenig zulässig es gewesen, das Ansehen einüßadeligen Namens von einer wohlgbgezählten Portio»