Ausgabe 
(19.6.1896) 25
 
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Metall oder Papier -Stücken abhängig machen zu wollen sowie auch die belehrende Thatsache, daß daS Volknicht einen Namen respektirt, ist der Träger des Namensnicht achtbar, insbesondere nicht in seinem VerhältnißGott gegenüber!

Muß es nicht ausgesprochen werden, daß, wie schonbemerkt, Adel nur im Christenthum, weil seine Lehregöttlich daß demnach Alles, was außer diesem Bereichals adelig sich geberden möchte, als fragewürdig bezeichnetwerden muß!

Die neugeschaffene Plutokratie hat den Adel herab-gewürdigt, Geldsucht erweckt, Geldstolz genährt, falscheEhrbegriffe zur Geltung gebracht. Das bekannte Wort:Mein Geld ist meine Ehre" erscheint als Eti-kette einer Adelsgesinnung, die dem Worte unseres gött-lichen Heilands, daß man nicht zwei Herren (Gott unddem Mammon) zugleich dienen könne, direkt als Wider-spruch entgegensteht! Dieses Wort von der Geldehreillustrirt zur Genüge die äeeacleirca, bet welcher dermoderne und modern denkende Adel angekommen!MeinGeld ist meine Ehre!" ES leuchtet ein, daß dieseSpezialität von Adclsgesinnung als Produkt der seichtestenaller Lehren, der materialistischen, sich darstellt, daß derVerachtung göttlicher Wahrheit die Anbetung des Stoffesfolgen mußte! So hoch als wahrer Gottesdienst überschmählichen Götzendienst sich erhebt so hoch erhebt sichder in Wort und That christliche Adel über den Krämer-geist der Habsucht, angethan mit glänzendem Adels-Wavpen und umgeben von imitirten adeligen Allüren!Difficile cst satiram von scrikere. Das Bewahrender Nahe bei solchen Erörterungen ist leichter angerathenals selbst bethätigt! Alles, was sich als Zerrbild dar-stellt, ruft die Kritik heraus. Wer mit ganzer Seele fürChristus ist, kann doch nichtdas" als Adel gelten lassen,was gegen Christus ist!

Darf man nicht annehmen, daß alle andern Adels-patente, die mit dem Schwert, mit der Feder, mit demPinsel, Meißel u. s. w. erworben wurden, allgemeineiner mehr ernst zu nehmenden Achtung begegnen werden?

Dem Blut- und Verdienst-Adel jedem gebührtseine Stelle!

Der Adel als conservatives Element xar cxcsllenceist von der Monarchie nicht zu trennen und die Monarchienicht vom Adel! Demnach hat der Adel Anspxuch alsnächstberechtigte Umgebung des Thrones das Vertrauender Mächtigen von Gottes Gnaden zu finden. Der Adelsollte erscheinen als lebender Zeuge und ehrwürdigerTräger der geschichtlichen Ueberlieferungen eines Volkes!Graf Josef de Maistre (17551821), der bekannteVertheidiger der Legitimität, sagt:So lange einereine", die Lehrsätze des National - Glaubens bis zurBegeisterung festhaltende Aristokratie den Thron um-gibt, steht er unerschütterlich selbst wenn Schwächeoder Irrthum ihn einnehmen! Mit diesen Worten istdie Bedeutung eines gläubigen, kirchentreuen Adels fürden Halt des Thrones auf das Klarste und Schärfstegekennzeichnet!

Die Schaffung der Plutokratie hatte und hat zurFolge: die in der BrochureNoblesse vbliZe" be-sprochene und verurtheilte Annäherung an den Geist derkaute Lnancs, Betheiligung an Börsenspiel, Gründer-geschäften u. s. w., alles Dinge, die altadeligen Prin-cipien widersprechen, als deren völlige Verläugnung dieVerachtung deS christlichen Taufscheinesdes höchstenAdrlsbricfes" und EtMhlijng einer geldrejchen,

jüdischen Braut sich darstellt! Hiemit ist daS traurigeBild der äöcaäencs des christlichen Adels vollendet, dieTradition des altadeligen christlichen Geistes verächtlichbei Seite geworfen! Darf man sich wundern, wennsolcher Adel in den Augen des christlichen Volkes ohneAnsehen erscheint? So geartete Edelleute empfangen,was sie verdienen: Mißachtung! Diese gänzlich irdischemTand und Genuß zugewendete Richtung erscheint für daschristliche Volk als Bild der Warnung.

Die Bedeutung solcher Adels - Elemente für diechristliche Kirche ist gleich null; auch von einem Glänze,den sie dem auf christlichem Boden stehenden Throne leihenkönnten, kann nicht wohl Rede sein! Nach beiden Seitensind sie ihrer, von Gott zugetheilten Mission untreu ge-worden! Im Interesse des correct gebliebenen Adelswäre ihre Ausschließung dringend erwünscht. DieseAusstoßung kann nicht erfolgen, da die Feinde des christ-lichen Adels die Aufhebung der Adelsgerichte durchzu-setzen wußten!

Was wir heute haben, ist ein Adel, der vollständiggeplündert, schutzlos dasteht ohne Fähigkeit soweit esvonnöthen zu seinen ehrwürdigen Traditionen zurück-geführt zu werden! Früher galt der Adelige als Mannvon Ehre, daher die Siegelmäßigkeit. Welchen Sinnsoll ein Wappen haben, wird es nicht respektirt? DasWort eines penfionirten Offiziers gilt nicht als glaub-würdig sei er von Adel oder nicht; er muß Zeugenausweisen, daß er noch lebe bei Erreichung derQuittungsbögen! Der adelige Pensionist gilt nicht alsglaubwürdig, trotzdem ist er einem Ehrengericht unter-stellt I Wessen Wort man nicht Glauben schenkt, der hatkeine Ehre! Tiefer herabgewürdigt und in seiner Ehreangezweifelt ist der Adel wohl noch niemals gewesen;er erscheint dem pessimistischen Geist des Rechnungs-wesens ausgeliefert. Wie kann der Adel aufstehen vonseinem Falle, das Ansehen und die Liebe des christlichenVolkes wiedergewinnend? Nur eines kann helfen: ernsteund volle Rückkehr zur altehrwürdigen, christlichen Tra-dition, zum Geist der Vorväter, der Urväter; Religionallein kann den Adel wieder auf das Niveau erheben,das nach Gottes Willen ihm gebührt!

Die weitere Bedingung der Wisdererhebung desAdelS als eines christlichen Ehrenstandes, auf welchendie Augen des christlichen Volkes gerichtet sind, ist Wieder-einführung von Ehrengerichten für den Adel! JedesOffizierscorps, sogar jeder Verein nimmt für sich dasRecht in Anspruch: unpassende, unwürdige Mitgliederauszuschließen; wie sollte ganz allein dem Adel diesesRecht nicht zustehen dürfen? Soll er das wieder werdenund bedeuten, was er in der Monarchie bedeuten soll:eine Schutzwache edler, treuanhänglicher Gesinnung gegen-über Altar und Thron so erscheint die Controlle einesEhrengerichtes unumgänglich nothwendig. Diesem mußnach Sanktion des Regenten Macht zukommen: das An-sehen des christlichen Adels compromittirende Mitgliederauszuschließen und von solchen Beschlüssen der Oeffent-lichkeit Kenntniß zu geben! Die Mitglieder einer ge-schlossenen Adelsgenossenschaft, welche jeder Zeit und allerOrten Gott dem Herrn unerschrocken die Ehre geben, diedem Herrn gebührt, und als treueste Söhne der Dynastieund dem Vaterlande zugethan sind dürfen sich über-zeugt halten, der Achtung und Liebe des christlichen Volkeswieder zu begegnen.

Wollte man sich nicht entschließen, einem Theil desin seiner Gesinnung alterirten Adels zur bedürftigen Auf-