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Nach der Veröffentlichung der Interviews des Herrn I.K. HuysmauS im Gil Blas vom 9., 11. und 13. Januar durchHerrn Jules Bois und eines BricfeS des Herrn HuysmauS im„Echo de PariS" vom 13. Januar 1893 bat Herr von Gualtadie Herren Manrice BarrsS und Emile Wickelet gebeten, vonHerrn Huysmans Aufklärungen zu verlangen, der diese Herrenm Verbindung mit den Herren Orsat und Gustave GuicheS setzte.
Die Herren Orsat und Gustave GuicheS haben den HerrenBarrss und Emile Wickelet erklärt, daß .Herr HuySmauS keines-wegs die Artikel des Herrn Bois als persönliche Ansichten ver-theidigen wollte.
ÜebervicS beeilt sich Herr I. K. HuySmaus, nachdem ervon dem Briefe, der von Herrn von Gualta in der NummerdeS „Gil Blas" vom 15. Januar 1893 publicirt wurde, Kennt-niß genommen, zu erklären, daß er in keiner Weise zögert,Herrn de Gualta als vollständig unbetheiligt an den Thatsachen,welche die Polemik über den Tod dcö Herrn Boullan motivirtcn,zu betrachten.
Herr I. K. HuySmans fügt auch noch bei, daß er niemalsdaran gedacht hat, dem Herrn von Gualta den Charakter einesvollkommenen Ehrenmannes zu bcstreitcn.
Für Herrn de Gualta: Für Herrn I. K. Huysmans:
Manrice Barrös. A. Orsat.
Emile Michelet . Gustave GuicheS.
Damit war die Beschuldigung von dem Nosenkrcuzerin einer allerdings befremdenden Weise wieder abgewälzt,und die Frage, ob in der Gegenwart noch Zaubererexistirten, wurde eine Zeit lang in der Presse nicht weitererörtert. Jedoch wollten Jules Bois und seine Gesinnungs-genossen keineswegs auf die Dauer auf die Klarlegungihrer Anschauungen verzichten. Vielmehr war man be-müht, neues Material für die Geschichte der modernenZauberei zu sammeln. JuleS Bois veröffentlichte sodannim Jahre 1894 eine Reihe von Artikeln im „8uxx>Is-naant lüttsrairs" des „Figaro", die sich auf mystischeGegenstände und auf die Zauberei bezogen; sie ermög-lichen einen interessanten Einblick in die mystische Be-wegung der Gegenwart und in alle Absurditäten, die inmodernen spiritistischen und occultistischen Kreisen pro-ducirt werden. Vor Kurzem ließ er auch ein größeresWerk, betitelt „I^s 8g,tain8ms et ls-Uagsis", erscheinen,zu dem Huysmans eine Vorrede schrieb, und das trotzmancher Extravaganzen zur Klarlegung des modernenSatanismus und jener modernen Mystik, die an dieDämonologie unseres Görres erinnert, immerhin Wesent-liches beitragen kann. Dieser Autor war übrigens nichtder Einzige, der in jüngster Zeit diese dunklen Gebietebeleuchtete. „Die Franzosen beschäftigen sich", um dieWorte des bekannten Herausgebers der „Lsvisvv okHsvisrv^ und der spiritualistischen Zeitschrift „Border-land" zu gebrauchen, „gegenwärtig sehr viel mit demTeufel; es scheint dies die letzte Mode von Paris (!) zusein." So hat auch Bataille ein umfangreiches, leidergleichfalls durch viele Phantastereien in seinem Werthebeeinträchtigtes Buch „1.6 Oiusils au XIX Liöels"publicirt, in dem er vor allem Beweise für den Teufels-dienst in gewissen Freimaurerlogen zu erbringen sucht.Auch ein früherer Martinist, nebenbei Stifter der neuengnostischen Kirche in Frankreich, JuleS Doinel , der kürz-lich zum Katholizismus zurückkehrte, hat eine Publikation,betitelt „Imsitsr ciß^asyus* herausgegeben. In der-selben beschuldigte er die Nosenkrcuzer und Martinisten,Teufelsdiener und Zauberer zu sein; zur Gründung seinergnostischen Kirche vermuthet er durch dämonische Einflüssegeführt worden zu sein. Papus (Dr. Gsrard Encausse),der Präsident der Pariser „6roups Notsrivsus", Mit-glied des obersten Rathes des Martinisten- und Nosen-kreuzerordens, der von diesem Autor als „1s äämonkaxus" gebrandmarkt wurde, hat sich veranlaßt gefühlt,
in einer Schrift „1.6 viaffls st l'Oeoultisws. üs-xonLo aux kuffiieations Latanistes" (karw. lüflainusl.1896) auf diese Anschuldigungen zu erwidern und dieLehre der Martinisten über Gott und Teufel näher zuerörtern. Die modernen Rosenkreuzer aber hatten schonfrüher, nachdem ihr Fürst Zum erstenmale der Zauberetbeschuldigt worden, in dem „ ^Ima-naslr ä'rm LIaZists",ausdrücklich als einen der Zwecke ihres Bundes ange-führt, „die schwarzen Magier an allen Orten und zujeder Zeit zu bekämpfen und zu vernichten". Es ist wohlnoch eine längere Coutroverse zu erwarten, ehe das Wahrevon dem Falschen und Phantastischen in allen diesen Be-hauptungen geschieden ist. Alan wird übrigens im All-gemeinen mit Spannung dem Fortschritte einer Bewegungentgegensehen, deren Entfaltung am Ende eines vollständigdem Materialismus ergebenen Jahrhunderts man wohlnicht für möglich gehalten hätte.
Jahresbericht des Historischen Vereins Dillingen.
(VIII. Jahrgang 1895. Mit 5 Tafeln Abbildungen und2 Plänen. 205 Seiten, gr. 8°.)
R. 13. Der bistoriscke Verein Dillingen versendete vorkurzem feinen 8. Jahresbericht. Obwohl der Inhalt über-wiegend in Quellcupublikativnen und wissenschaftlichen Ab-handlungen besieht, ist noch immer der Titel Jahresbericht bei-behalten; richtiger wäre wobl Jahrbuch oder Zeitschrift.
An der Spitze der „Quellenmäßigen Beiträge"berichtet Pros. vr. Speckt über die Privilegien der ehe-maligen Universität Dillingen . Derselbe bringt unterden -blisesllanea- auck eine Notiz über die für verloren ge-haltenen Matrikel der Universität Dillingen , dieauf der dortigen Bibliothek vor einiger Zeit gefunden wurden;leider sind die von 1607—1774 reichenven Verzeichnisse nichtvollständig. Von Dr. Sp-cht, der sich schon in früherenJahresberichten mit der Dillinger Universität beschäftigt hat(vgl. V, 135; VI. 116; VII, 56). ist vielleicht die Ausführungdes von ihm (V, 140) ausgesprochenen Wunsches nach einerGesammidarstellnng der Geschichte der ehemaligen Universitätzit erwarten. — Der bischöfliche Archivar Dr. Schröder ver-öffentlicht das Protokoll in der Untersuchung gegen Mag.Kasvar Haslach, Prediger in Dillingen , wegen Verdachtesder Häresie (1522). Darnach sind die Angaben von Keim(Reform, der Reichsstadt Ulm) und Rohling (Die ReichsstadtMemmingcn in der Zeit der cvang. Vollsbeivegnng) über einendurch Kerkerhaft erzwungenen Widerruf HaSlacks falsch. — AnSder Handschrift 12 der Dillinger «studienbibliothck liefert I.Fille einen Beitrag zur Netormationsgeschichte Augs-burgs. — A. Wagner schreibt über den AugustincrpaterKaspar Amman in Launigen, einen bedeutenden Hebraistender Huuiauisteuzcit (ff 1524). Unter den llliseelianea publicirtWagner eine Liste der Prioren deS Launiger Augnstiner-kl öfters bis 1540, nachdem schon Dekan Schild im vorigenJahresberichte die Ncihcnsolge der dortigen Prioren seit Wieder-einführung des Ordens 1656—1802 und ebenso den Personal-stand des Klosters unmittelbar vor der Säcnlarisation ver-öffentlicht hat (VII, 121 ff.). Aus die Reformation des LaningerKonvents durch Herzog Ludwig von Nicderbayern beziehen sichdrei von Dr. Schlecht aus dem Laninger Stadtarchiv zum Ab-druck gebrachte Briese aus den Jahren 1472—1476. — Einequellenmäßige Darstellung der durch den Nuntius FelicianNinguarda 0. 8. I). am 26. Februar 1583 vorgenommenenUntersuchung der drei bl. Hostien in Andechs gibt Pros.vr. Schlecht. Die Entscheidung des Nuntius, welche mit einerausführlichen theologischen Begründung verscben ist und auf dieim Laufe der Verhandlungen vorgebrachten Schwierigkeiten ein-geht und sie zurückweist, lautet: HUI sess innovanäum. DieseEntscheidung scheint in Nom bestätigt worden zu sein. ^
Der zweite Theil handelt über die im Jahre 1595 vorge-nommenen Ausgrabungen, ein Arbeitsfeld, auf welchem derVerein wie in früheren so auch in diesem Jahre Großes ge-leistet hat. Es wird hier berichtet über die Ausgrabungen beiZöschingen , die Hügelgräber bei Kicklingcn, überTöPscr-stempel von Faimingen und Schretzheim , die Aus-grabungen bei Faimingen und über das Reibengräberfcldbei Schretzheim , welch letzteres, nach dem Urtheile desDirektors Lindenschmit am römisch-germanischen Centralmuieum