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machen, die Thatsächlichkeit der Legende bis in ihre ein-zelnen Züge zu behaupten, während die protestantischensich bis auf verschwindende Ausnahmen negativ ver-halten! (S. 11—12.) Nun, Paul Allard ist Katholik,ebenso Schmid, aber gerade hinsichtlich eines Hanptein-wnrfes gegen die Wahrheit des encherianischen Berichtes,der aus der Zahl von 6600 hingemordeten Legionärengeschöpft wird, halten sie sich keineswegs krampfhaft ander Legende, ebensowenig der Jesuit Grisar (Zeitschriftfür kath. Theologie, Innsbruck 1889, S. 748).
Sehr unangenehm berührt bei Berg, der seinenCharakter als protestantischer Oberpfarrer an der St.Mauritiuskirche in Phritz mit Ostentation zur Schauträgt, die ungerechtfertigte Hcrvorkehrnng des confessionellenStandpunktes. „Dem gesummten Heiligen- und Rcliqnien-cultns der kath. Kirche liegt (nach Berg ) eine dogmatischeUngeheuerlichkeit zu Grunde. Er ist eben die Erneuerung,das Wiederanf- und Fortleben des antiken Heidenthumsin christlichem Gewände. Der Unterschied, wenn er geltendgemacht werden soll, besteht nicht in dem religiösen Werthoder Unwerth der Reliquien, sondern darin, daß die heid-nischen, wie lächerlich immer, so doch viel geschmackvoller,decenter, gewissermaßen poetischer sind, das ästhetischeGefühl weniger verletzen, als die christlichen." (S. 5—7.)Auch der alte Vorwarf „der Anbetung der Märtyrer"(Seite 8), der „Vergottnng der Kreatur" (Seite 10)fehlt nicht.
Oberpfarrer Berg mag sich für diese dogmatische undhistorische Verunglimpfung der katholischen Heiligen- undNeliquienverehrnng auf die symbolischen Bücher seinesBekenntnisses: auf die Apologie der Augustana Art. XXI>)und auf die Schmalkaldener Artikel (Abth. II, Art. II) °)berufen, aber schriftsgemäß ist diese Art von Confirmanden-uuterricht sicherlich nicht, wie schon Jansscn gegen Ebrardnachgewiesen hat (Janssen, „An meine Kritiker" S. 32bis 33). Was nun die Dcccnz der heidnischen Reliquienbetrifft, so hätte Berg gar leicht im Octavins des Mi-uucius Felix (Kap. 22 u. 28), in der Mahnrede an dieGriechen des Clemens von Alexandrien (Kap. 2), imGoitesstaate des hl. Augustinus (1. VI o. 7, 9) die völligeHaltlosigkeit seiner unbesonnenen Behauptung erkennenkönnen. (Vergl. Döllinger, „Judenihum und Heideu-thum" S. 151, 153, 168, 179, 400, 509.) Aber derHaß gegen die katholische Kirche trübt den historischen Blick.
sagt: „cö ist jedoch überaus schwer, den wirklichen historischenKern, der sicher darin verborgen liegt, überzeugend herauszu-schälen", aus den Index gesetzt worden seien. Berg scheint dieseAnincrknng nur geschrieben zu haben, um vor der katholischen Geschichtsschreibung, speziell vor Janssen, warnen zu können.Doch welch' protestantischer Historiker bat über Luther so offenund rückhaltSloS geschrieben, wie z. B. Pastor über Alexander VI. im III. Bd. seiner PapstgeschiLtc?
") In der Apologie der Augustana heißt es Art. XXI:„Auch so predigen ihre (der Katholiken) Gelehrten unverschämt,daß jeder untern Heiligen ein sonderliche Gabe könne geben,als S. Anna behüt für Armuth, S. Sebaftiannö snr die Pestilenz,S. Balten für die fallende Seuche, den bl. Ritter S. Jörgenhaben die Reiter angeritten für Stich und Schoß und allerleiFahr zu behüten und daö alles iin Grunde >st von Heiden her-kommen." (Müller, Die symbolischen Bücher, 7. Auflage,Seite 228.)
5) Anrufung der Heiligen, heißt cS in den SchmalkaldenerArtikeln, ist auch der cndcchrisilichcn Mißbrauchen einer undstreitet wider den ersten gaanptartikcl und tilget die ErkenntnißChristi, ist auch nicht geboten noch gerathen, hat auch keinExempel der Schrift. (Müller, I. o. 305.) Ueber die Nc-liquicnverebrung. worin „w manche ösfcnilichc Lügen undNarrcnwcrk erfunden", drücken sich die schmalkaldener Art kelnoch schärfer aus (Müller. I. o. SOI).
Ein Mann nach dem Herzen des Oberpsarrers vonPhritz ist unzweifelhaft Armand Dnbourdicu, dessen Ver-anlassung und Beweggründe zur Abfassung einer heftigenStreitschrift gegen die Thebäcr mit behaglicher Breite er-zählt werden, obwohl dieselben mit dem eigentlichen Themain sehr losem Zusammenhange stehen. (Seite 32—34.)Wenn auch manche Behauptungen dcS kalvinischen Pre-digers vor einer ruhigen Forschung nicht Stand halten,wenn auch gar manches bestrittea wird, was unbestreitbarist, wie Berg zugesteht, so kann ihm „gleichwohl dank-bare Anerkennung nicht versagt werden. Er hat immer-hin den Finger schonungslos aus manche Wunde desKatholizismus gelegt und den Nimbus, den dieser umsich zu verbreiten sucht, für den, der sehen kann undwill, zerrissen." (S. 37.)
Nun, diese Phrase ist belanglos; denn der Katholi-zismus besteht nicht in der Festfeicr zu Ehren der the-bäischen Soldaten Solnior, Advcntor und Octavius,welche Turin als Sladtpatrone verehrt, besteht auch nichtin den schwülstigen, dem Stile des 17. Jahrhundertsentsprechenden Lobreden eines Jesuiten auf die genanntenSoldaten. Trotz der Kritik Dnbourdicus °) ist der Ka-tholizismus bis auf den heutigen Tag nicht untergegangen,ja es hat den Anschein, als habe sich sein Nimbus allent-halben sogar gesteigert.
(Schluß folgt.!
Ueber Glasmalerei im Fraukenlande nnd dieGlaSgemälde der St. Jakvbskirche zu RoLleu-lmrg o. d. Tauber.
Von Dr. H. Oidimcinn in Limttch (Rheinland ).
Es ist eine ausfallende und befremdende Thatsache,daß in den Kirchen des Frankenlandcs einer der schönstenZweige mittelalterlicher Kunst, die Glasmalerei, so wenigeoder vielmehr gar keine Werke hinterlassen hat; heutewenigstens weisen die Krcnzgänge nnd Kapellen, die Kirchenund Dome keine alten Glasgemülde mehr auf; grell undkalt beleuchtet das helle Tageslicht die weißen, mit Goldverzierten Stuckornamcntc der Gotteshäuser in der alt-ehrwürdigen Bischofsstadt Würzburg ; die mit einfachblankem Glase geschlossenen Fensteröffnungen starren unsals kahle Löcher aus der Architektur entgegen, ohneirgendwelchen vermittelnden Ucbergang, ein Vermächtnißder „Aufklärung" im 17. nnd 18. Jahrhundert. Ob eswohl immer so gewesen ist? — Das ist kaum anzu-nehmen; denn es wäre geradezu unbegreiflich, daß amHauptLirknngsplatze eines Tillmann Nicmcnschneidsr,dieses großen, vielbewnndertcn Meisters fränkischer Kunst,daß in der Residenzstadt der knnst- nnd prachilicbendenWürzburger Fürstbischöfe dieser herrliche Zweig mittel-alterlicher Kunst so stiefmütterlich behandelt, ja sogargänzlich vernachlässigt worden sein soll. Es ist undenk-bar, daß die Baumeister der Dorne zu Bamberg und zuWürzburg auf dieses unentbehrliche Schmuckmittel derArchitektur sollten verzichtet haben. Einzelne Nachrichtenbestätigen denn auch, daß es ehedem anders gewesen ist.So wurde um das Jahr 1400 die romanische KircheSt. Burkard im Mainviertel zu Würzburg mit Glas»
<9 Die Angabe BcvgS, baß Dubcurdicn 1731 (S. 32) ge-boren sei, kann unmöglich richtig sein, da derselbe schon 1691im Gckolgc dcS Herzogö v. Schombcrg nach Tnrin gekommennnd die kritische Untersuchung über den hl. Mauritius undseine Genossen schon 1705 (wie Berg S. 31 Anm. 4 selbst an-gibt) im Buchhandel erschienen ist.