Ausgabe 
(3.7.1896) 27
 
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Auf diese Art und Weise gelingt es, die Fensterwieder ganz rein zu bekommen.

Bei der oben erwähnten Behandlung des GlasesMit Kalinmcarbonat zeigte sich bei längerer Einwirkungdes letzteren, daß die schwarzen Theile des Glases (Kon-turen und Schattirung) nach und nach verschwanden. Beiweiterer Untersuchung stellte sich nun heraus, daß dieschwarze Farbe kein Glasfluß (Schwarzloth)war, sondern daß dieselbe aus Kienruß undLeinölfirniß bestand.

Es mag dies als Beweis gelten, daß es auch dieAlten nicht verschmähten, aus Ersparnißrücksichten Täusch-ungen zu begehen."

Nähere Betrachtungen anzuknüpfen und Vergleichezu ziehen, würde uns heute zu weit führen.

Im Jahre 1571 noch wurden für die Würzburger Zunft Bestimmungen über die Anfertigung der Meister-stücke erlassen. Von allen Werken dieser alten Meisterdes Frankenlandes ist nichts erhalten geblieben. Vielesmag derAufklärung" der vergangenen Jahrhundertezum Opfer gefallen sein, vieles wird auch der Bauern-und der Schwedenkrieg vernichtet haben. Noch heutehört man in der dortigen Gegend die bezeichnendenVerse:

Die SLweden sind kommen,

Hab'n alles mitg'nommen,

Hab'n d'Fenster neig'schlag'n,

Hab'ns Blei davontrag'n,

Hab'n Kugeln d'raus gössenUnd d'Bauern erschossen."

Heute ist das Würzburger nud Bamberger Landarm au Denkmälern unserer schönen Kunst. Dies zeigterecht auffallend diefränkische Ausstellung von Alter-thümern in Kunst und Knnstgewerbe" in Würzburg ,welche in ihren für eine derartige Kunstsammlung vor-züglich geeigneten Ausstellungsräumen so viel des Inter-essanten und Schönen bot, aber nur einige wenige Er-zeugnisse spätmittclalterlicher Glasmalerei auszuweisen hatte.

(Fortsetzung folgt.)

Was ist Instinkt?

Von H. von Nemagen.

(Schluß.)

Dazu kommt noch anderes. Wir nehmen eine Reihevon Lebenserscheinungen bei den Thieren wahr, welche unszwingen, ein ganz eigenthümliches Maß der Seelenthätig-kett anzunehmen, ja, die geradezu über unser Fassungs-vermögen hinausgehen.

Ich nahm einst eine meinem Freunde gehörige Brief-taube an einem Tage, wo dichter Nebel über Berlin ge-lagert war, zur Mittagszeit mit mir in einen weit ent-legenen Stadttheil, um sie dort fliegen zu lassen. Wirhatten unsere Uhren übereinstimmend gestellt. Ich bandder Taube einen Zettel an den Fuß mit der Notiz:Punkt ein Uhr. Um diese Zeit sollte ich sie, der Ver-abredung gemäß, loslassen. Nach zwei Minuten fünf-zehn Sekunden kam sie vor ihrem Schlage an. Wiekonnte das Thierchen sich in dem Häusermeer, wie konnte

schiedencn anderen allgemeinen Vorschriften: Von lleu Klarern:^Velck gla^er otk §Ias malst null llas nickt )n elom lsevrzmkrsnnet eins )'s teste ller Mlls ii,j ( 3 ) g-r, Kusse seevKarussell 20 ker keZritkeu rvirt null rvorlls zmanllt okrllrsze mal lle§riüsu lleu rat wau uns rotknumueu'su-karn.

dlz'manät 2al mit krots aller mit rvackss lockor ver-kleben kvz? ij ( 2 ) uknut rvaeks Kusse snnller man ?al arbeitnmit crin null mit bls^ null sust als reckt ist.«

es sich in dem Nebel, durch den man nicht hundertSchritte weit sehen konnte, orientiren? Man wird sagen:wer kann wissen, wie oft diese Taube schon über derStadt hin und her geflogen war! Wohlaw; wenn aberdie Brieftauben in ihrem Käfig im verschlossenen Eisen-bahnwaggon, Tag und Nacht unterwegs, von Berlin nachAachen gebracht werden und dort, sobald sie freigegebensind, völlig orientirt sind, nach welcher Richtung ihreHeimath liegt; wenn sie nur in einigen schnellen Kurvensich in hohe Luftschichten erheben, um darauf mit dermehr als doppelten Schnelligkeit eines Eisenbahnzugesdirect heimwärts zu eilen, wie dann ? Freilich kann derAnatom uns durch Vergleichung des Knochenbaues unddcS Muskelapparates dieses Vogels mit anderen seinebesondere Begabung für schnelles Fliegen augenscheinlichbeweisen; aber wo ist denn der Magnet verborgen, derdiese unerklärte Thatsache begreiflich macht, den unaus-löschlichen Zug zur Heimath; wo ist der Kompaß, derdie untrügliche Sicherheit verschafft, die Heimath aufzu-finden? Oder sollte wirklich die Taube von Aachen bisBerlin sehen können? Würde nicht diese enorme Gabedes Fernsehens noch räthselhafter sein, als der Heimaths-sinn selber? Uebrigens berechne ich, daß, wäre die Erd-oberfläche eine gleichmäßige Kugelfläche, eine Erhebungvon 30/4 Meilen nöthig sein würde, um von Aachen aus das achtzig Meilen entfernte Berlin am Horizont auf-tauchen zu sehen. Aber nur der Kondor kann zu einerHöhe von nahezu einer Meile sich erheben. Dazu kommtnoch, daß das Thierchen seinen Flug bei trüber wieklarer Luft gleich sicher ausführt. Hier stehen wir alsovor einer Erscheinung, die über unsern Horizont hinaus-geht. Unsere Seele ist eben mit keiner analogen Kraftbegabt, von der wir auf die Kraft des Heimathfinnesbei den Thieren schließen könnten. Wir stehen hier, wiebei dem Heimaths- und Wandersinn so vieler Thiereüberhaupt, vor einem schöpferischen Original, das wirvernünftigerweise nur als die Gabe eines bewußtenGebers anzuerkennen haben.

Nicht weniger als das eben beleuchtete Beispiel tragendie sogenannten Verirrnngen des Instinkts das Geprägedes Wunderbaren. Bekanntlich ist die Königin im Bienen-stock das einzige Wesen, welches jene Eier legen kann,aus denen Arbeitsbienen entstehen. Zwar können auchgewöhnliche Arbeitsbienen Eier legen, und auch aus diesenentstehen wunderbar genug ohne Paarung lebendigeWesen; aber diese sind ohne jedwede Ausnahme Männchen,sogenannte Drohnen, die wohl fressen, aber nicht arbeitenkönnen. Nun wird ein Volk seiner Königin und zugleichder Möglichkeit beraubt, sich eine neue zu erbrüten.Beides kann leicht geschehen, und geschieht oft genug.Was erfolgt nun? Es geht eine ganze Reihe von Ar-beitsbienen daran, möglich viele Eier zu legen. ES treibtsie der Instinkt, den Stock vor dem AnSsterben zu retten;aber e§ ist ein verirrter Instinkt; denn durch die Er-zeugung einer Unzahl von Drohnen geht der Stock umso sicherer seinem Ruin entgegen. Nun kommt im Augustdie Zeit, wo die weiselrichtigen Völker ihre Drohnentödten. Unser Stock aber tödtet keine; im Gegentheil,die wenigen Arbeitsbienen, die noch vorhanden sind,fliegen sich fast zu Tode, um ihren Drohnen das nöthigeFutter herbeizuschaffen. Es treibt sie abermals derInstinkt, diejenigen am Leben zu erhalten, welche zurPaarung dienen sollen für die Königin, die nach ihrerMeinung (daß ich so sage) doch noch irgendwoher kommenkönnte. Es liegt anf der Hand, daß an dieses Beispiel