Ausgabe 
(3.7.1896) 27
 
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führen, so sind, wenn der Nachschwarm auswandert, oftzehn und mehr reife Königinnen in ihren Zellen. Jedehat Mit ihren scharfen Schneidezangen den Deckel so ab-geschnitten, daß er wie an einem kleinen Scharnier hängt,jede hält den Deckel von innen zu. Jetzt kommt es aufden Moment an, wo die bisherige Königin den Stockverläßt. Die nun zuerst aus ihrer Zelle stürzt, ist dieneue Herrscherin. Sie eilt sofort in fliegender Eile durchdie Gassen ihres Reiches, und wehe einer Nebenbuhlerin!Sie würde sofort erstochen werden. Sie findet aberhöchst selten eine; denn jene andern, die den entscheiden-den Moment versäumt haben, bleiben ganz still in ihrenZellen; sie halten den Deckel von innen Zu und steckennur dann und wann den Säugrüssel aus der Spaltehervor, woraus sie sofort von den Arbeitsbienen ver-mittelst des Rüssels mit Honig gespeist werden. Siewarten aus den Abzug eines neuen Nachschwarms, umdann den günstigen Moment besser wahrzunehmen. Welcheine Rivalität, welch eine Vorsicht!

Ich glaube nicht zu irren, wenn ich sage, daß auchbei andern Thierartcn das Weibchen ausgesprochene in-struktive Vorzüge vor dem Männchen hat. Die Kennerder Pferde und der Jagdhunde werden dies bestätigen.Das steht jedenfalls fest, daß überall bei der Fürsorgefür die Jungen das Weibchen dem Männchen in jederHinsicht es weit zuvorthut. Der Fuchs wenigstens, dersonst doch so scharfen Instinkt hat, bekümmert sich absolutgar nicht um seine Familie, sondern überläßt Pflege undSchutz gänzlich der Füchsin, die ihrerseits allerdings daskaum Begreifliche leistet.

Würde es nun irgend einen Werth haben, die In-stinkte der Thiere als Anfänge oder Keime der analogengeistigen Fähigkeiten deS Menschen anzusehen? Bekannt-lich hat dies Darwin gethan in der Absicht, zu zeigen,daß schließlich die Fähigkeiten der Mcnschenssele sich durcheine allmählich gewordene Steigerung des thierischenInstinkts herausgebildet haben. Dieser Grundfehler führtaber schließlich zu jenem drastischen Unsinn, den Wigandverspottet, wenn er sagt:Die Menschen bauen Wiegen,die Bienen bauen auch Wiegen; die Weiselwiegen derBienen werden gelegentlich zu Vorrathskammern benutzt;auch die Kindcrwtegcn können gelegentlich als Vorrats-kammern dienen; folglich wird Hnckcl sagen istder Mensch nur eine Art vollkommener Biene." Nein,Taube und Thauwurm, Fuchs und Fisch, Infusoriumund Mensch sindein jegliches in seiner Art" originaleSchöpfungen eines und desselben Gottes, der eine jedeGattung mit ihren ihnen eigenthümlichen Gaben ausge-stattet hat. Wir reden wohl von einer Thierseele, undthun es auf Grund gewisser analoger Erscheinungen desthierischen LebenöprincipS mit der menschlichen Seele.Aber wer kann es sagen, ob nicht der ganze Begriffder Thiersccle ein irriger, ob nicht die Seele des Thiereseine von dem menschlichen Lebensprincip doch gründlichverschiedene Schöpfung ist, sowie, trotz vieler Achnlichkeit:in Lampenlicht verschieden ist vom Licht der Sonne.Jedenfalls stellt das Wort der hl. Schrift, Pred. 3, 21,wie es auch verstanden werde, einenhimmelweiten"Unterschied fest zwischen Menschen- und Thierseels, undspricht der letzteren die Fortdauer ab. Erkennen wirstets nur die unendliche Mannigfaltigkeit und Fülle derSchöpfungen Gottes an, so haben wir das wahre Zielvernünftiger Naimbetrachtnng erreicht.

Recensionen und Notizen.

* Erbauungsliteratur: Nazareth , Audachtsbuchfür christliche Mütter, die sich eine glückliche Entbindung erbittenwollen. Von Pfarrer D. I. Faustmann. Verlag der F. X.Buchcr'schcn Verlagsbuchliandlung. 5. Auflage. Preis 75 Pf.,gebd. 1 M.Jesus , Bräutigam reiner Seelen. Lehr-undGebetbuch für Jungfrauen, die in der Welt oder im Klosterleben. Von Pfarrer vr. I. A. Keller. Verlag der Alsousus-Buchhaudlung in Münster in Westfalen . Preis geb. M. 1,30'bis 4,50. Kleines Ablaß buch. Auszug äuS ?. Fr.Beringcr'sDie Ablässe, ihr Wesen und Gebrauch" von I.Hilgers, Priester der Gesellschaft Jesu . Verlag von Fcrd.Schöuingh in Paderborn . Preis 3 M. (Zur Belehrung undzum Gebrauch sehr nützlich.) Gehet zum hl. AntoniuS.Gebet- und Erbauungsbüchlcin für die Verehrer des hl. Antoniusnebst einer Lcbciisskizze von ?. Arsenius Dotzler, Franziskaner-Priester. Verlag von A. Eöbel in Würzburg . 172 S, Preis50 Pf., geb. 75 u. 90 Pf.

Grnndzüge der Philosophie. Von Dr. Braig. Verlagvon Herder in Freiburg .

s der stattlichen Zahl von Lehrbüchern der PhilosophiefürStudirende tritt die Edition des Herrn Dr. Braig, welcherals Vertreter der kathol. Philosophie an der Universität Fret-burg i. B. wirkt. Das ganze Werk soll aus 10 Theilen bestehen,und in den nächsten 3 Jahren vollendet sein; sie werden Pro-pädeutik, Logik, Noötik, Ontologie, Physik, Psychologie, Psyche-physik, Ethik, Aesthetik, Theologie (d. h. Neligiousphilosophie)behandeln. Die Logik ist bereits erschienen (gr. 8° VIII, 141S.Preis 2 M.). Das Buch weist eine für den Zweck als Lehr-buch sehr geeignete Anordnung des Stosses auf und wird hic-durch, sowie durch seine Präcision und Klarheit der Darstellungsich ohne Zweifel viele Freunde crweebcn.

Nirschl, I)r. Joseph, Domdechant in Würzburg . Das Grabder heiligen Jungfrau Maria . Eine historisch-kritische Studie. Mit 3 Abbildungen, gr. 8°. (XII u.118 S,) 1,80 M. Mainz , Franz Kirchheim, 1896.b Nach alter Tradition ist die sel. Jungfrau Maria inJerusalem begraben worden. Nach einer andern Meinung,welche die fromme Anna Katharina Emmerich in ihrem LebenMariä vorträgt, wäre das Grab der Gottesmutter auf einemBerge bei EphesuS zu suchen, wo in neuester Zeit Nachgrab-ungen und Forschungen angestellt wurden. Die Ilnhaltbarkcitdieser Meinung weist der gelehrte Verfasser mit durchschlagendenGründen nach. In Betreff der frommen Dulderin von Dülmen wird ausgeführt, daß ihre Betrachtungen historische Nichtigkeitweder beanspruchen wollen, noch können. Nach diesem polem-ischen Theil wird unter Herbciziehnng aller zugänglichen Zeug-nisse der positive Beweis für das Grab Mariä in Jerusalem mit einer Schärfe und Sicherheit erbracht, welcher wohl zurdefinitiven Erledigung dieser Streitfrage genügen dürfte.

Heft 13 des Deutschen Hausschatzes führt die er-greifende Erzählung von Helene Erhardt: VerschiedeneWege, zu Ende und beginnt den meisterhaften Noman vonMelati von Java: Das Düberlh-Geheimniß, der ebensosehr wie Prada allgemein fesseln wird. Der Noman vonKarl May : Die Jagd anfdcnMillionendieb, findetseine Fortsetzung. Außerdem enthält das Heft die fesselndekleine Erzählung von Flodatto: In GotteS Hand. VondcnArtikcln erwähnen wir namentlich den Besuch in KruppsEtablissements von Karl Kollback, der nmsomehr iutcr-essiren wird, als nur sehr wenigen vergönnt ist, Einblick indas großartige Werk zu erhalten; dann den sehr lehrreichenAufsatz über die Lebensdauer des Menschen von vr. A.Kellner, die inhaltreiche Erörterung über das bulgarischeSchisma von Otto von Schaching und die humorvolle Schil-derung der Hofnarren von M. Schüler. Von der An-führung der zahlreichen kleinen Beiträge müssen wir absehen.Die Illustrationen sind zahlreich und geschmackvoll.

Litterarischer Hanbwciser, begründet, herausgegeben undredigirt von Msgr. Dr, Franz Hnlskamp i» Munster .24 Nrn. ä 2 Bogen Hochgnart für 4 M. P. Jahr.

1896. Nr. 5. Inhalt. Kritische Rcferare über:Haiuvol lles controeens didlignsg üs8 xroilicateurs (Dcppe),Fonrer Korca'S Märtyrer und Missionäre und NenmannLeo Dupout (Dcppe), Acz. Müller DaS Marterthnm derthcbäischen Jungsraucn (Steffens), v. Posson-IVosierstzl,