Ausgabe 
(17.7.1896) 29
 
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dern der seiner natürlichen Bestimmung zurückgegebeneGrund und Boden, die gesellschaftliche Ordnung und diegesellschaftliche Solidarität das Fundament des allge-meinen materiellen Wohles sind, dann und erst dannwerden auch für unser arbeitendes, christliches Volk wiederschönere und bessere Tage erblühen.

Ueber Glasmalerei im Frankenlande und dieGlas-gemälde der St. Jakobskirche zn Rothen-bnrg o. d. Tauber.

Von Dr. H. Oidtmann in Linnich (Rheinland).

(Fortsetzung.)

st. Außer 6, mit Wappen von Domherren versehenen,nach Art der Schwcizerwappen ausgeführten, kleinenFeldern, welche in dem unteren Ausstellungsraum, inden Fenstern der Scpulturkapelle eingesetzt sind, warennoch einigeGlasscheiben", abgesehen von einer Ma-donna, meist Wappen aus dem Ende des 16. und ausder ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, an den Fensternder verschiedenen Ausstellungsräume angebracht: zumgroßen Theil mittelmäßige Arbeiten dieser späten Periodeder Glasmalerei. Ein hervorragendes Stück befand sichunter denselben nicht. Auch das Scheibchcn Nr. 832 desKatalogs:Symbol des Evangelisten Lukas ; einst imBesitz der Lukasgilde der Maler, Glaser u. s. w., sehralt, Besitzer der histor. Verein Würzburg", verdient dieobendrein etwas sehr ungenaue und unbestimmte Bezeich-nungsehr alt" doch wohl kaum. Abgesehen von demvorhandenen Silbergelb, einer erst in der zweiten Hälftedes 14. Jahrhunderts erfundenen und anfangs noch rechtselten und spärlich in Anwendung kommenden Malfarbe,abgesehen auch von der gothischen Minuskelschrift, ver-weisen die Stilisirung des angebrachten Blattornaments,ferner die Ausführung grau in grau auf eine vielspätere Zeit, wohl frühestens auf die erste Hälfte des15. Jahrhunderts.

Hätte noch die Sammlung des Freiherrn v. Bibraauf Schloß Schwebhcim bestanden, dann würde dieseAbtheilung der fränkischen Ausstellung sicherlich ein an-deres Bild geboten haben. Leider ist aber die bedeutendeSammlung alter Glasmalereien, welche der Freiherr vonBibra besaß, im Anfange der fünfziger Jahre durch ihngegen Pergamentmalereien vertauscht worden. So gingeine Sammlung verloren, welche schon Bessert in seinemvorzüglichen Werke über die Glasmalerei als eine derbesten erwähnt, die ihm bekannt waren, und deren reichen,alle Perioden und jede Art unserer Kunst umfassendenSchatz er als ausgezeichnete Quelle für das Studiumder Geschichte der Glasmalerei bezeichnet.

Nach der Bavaria ?) und nach Sighart sollen sichnoch in vielen kleineren Kirchen und Sammlungen desFrankenlandes alte Glasmalereien befinden, so unteranderem auf der Karlsburg , deren Ruine kaum noch dieFensteröffnungen erkennen läßt, also sicherlich keine Glas-gemälde mehr bergen kann. Auch die von denselbenWerken angeführten Sammlungen des historischen Vereinsfür Unterfranken und Aschaffenburg im kgl. Residenz-schlosse zu Würzburg bieten nichts Bedeutendes in ihrerGlasgemäldesammlung; einige ovale Scheiben sind noch

') Bavaria, Landes- und Volkskunde des Kgr. Bayern .5 Bde. 18601867.

°) Sigbart, Dr. I., Geschichte der bildenden Künste imKönigreich Bayern von den Anfängen bis znr Gegenwart.München , 1863.

weniger als mittelmäßig; ein kleines Wappen, schwarzund grau, ist ziemlich gut durchgeführt, während einerunde Scheibe, aus der zweiten Hälfte des 17. Jahr-hunderts, gänzlich mit undurchsichtigem Email bemalt,ein recht krasses Beispiel aus der Zeit des Verfallesunserer Kunst darbietet. Kunstgeschichtlich interessant sindzwei für die erste Hälfte unseres Jahrhunderts gut durch-geführte Flügel mit den Darstellungen einer betendenMaria und eines auferstandenen, segnenden Christus.Das zu diesen Flügeln gehörige Maßwerk zeigt Vögcl,Früchte und Blumen, gelb in schwarz, sowie den hl.Geist in gelbem Glorienschein auf blauer Wolke. DiesesFenster ist einer der ersten größeren Versuche des um dieWiederaufnahme oder vielmehr um die Verbreitung derGlasmalerei so hochverdienten Ernst Freiherrn v. Bibraund deßhalb kunstgeschichtlich interessant. Die Ausführungist für die damalige Zeit gut zu nennen; die farbigenGläser, zum Theil mit Schwarzloth damascirt, sind scbönund kräftig in der Farbe; die Schattirnng ist in Schraffir-manier durchgeführt, das Glas selbst ist schön durchsichtigund klar gelassen, nur die Fleischtheile und das weißeKopftuch der hl. Maria sind matt überzogen. EinigeFehler in der Technik verrathen den Versuch des An-fängers, so vor allem die ungeschickte Anbringung derBleie, welche besonders an der Fahne, an dem Glorien-schein und an einem Stücke des Stabes auffällt: aneiner Seite Bleiruthe, an der andern viel zu dünnerund schwacher Kontur; weßhalb man die Stücke nichtganz ausgeschnitten hat, ist heute unverständlich. DieKonturen sind überhaupt zu schmal, zu dünn aufgetragen,etwas ängstlich angebracht. Diese Mängel des Gemäldessollen aber keineswegs das Verdienst des kunstsinnigenFreiherrn herabsetzen; diese Fehler liegen eben an dendamaligen Verhältnissen. Die Arbeiten jener Zeit wareneben noch die Lehrlingsarbeiten der wiedcranflebendenGlasmalerei. Das Verdienst des kunstliebenden undkunstfertigen Freiherrn, in dieser Zeit unter Anleitungdes Nürnberger Glasmalers M. Trost thatkräftig an derVerbreitung der edlen Kunst mitgearbeitet zu haben, wirdsein Andenken in der Geschichte der Glasmalerei unver-geßlich machen.

Von den in den oben angeführten Werken ange-gebenen Glasmalereien in Ochsenfnrt, Apostel in derMichelskapelle, ist nichts mehr vorhanden; auch inHeidingsfeld, wo sich alte Glasgemülde befinden sollen,ist nichts erhalten.

Von sämmtlichen Kirchen des Frankenlandes bietennur noch zwei Kirchen Reste von Glasmalereien, nämlichdie gothische Kirche zu Mariasondheim bei Arnstein unddie gothische Pfarrkirche zu Münnerstadt . In erstererhaben sich in zwei Fenstern mehrere Rosenkranzdarstell-ungen erhalten. In letzterer zeigen die ChorfensterScenen aus dem Leben des Heilandes und Einzelfiguren.Die Fenster, heute willkürlich zusammengesetzt, mögenwohl früher ein farbenprächtiger Schmuck der Kirche ge-wesen sein. Ueber den früheren Zustand weiß auch dasvon LotzO) angeführteUnterfränkische Archiv, Band 7"nichts Näheres anzugeben.

Auch die Wappenscheiben und Fragmente in denFenstern der 1834 restaurirten Burgkapelle auf derAltenburg bei Bamberg sind ohne besondere Bedeutung.

! Lotz spricht noch von spätgothischen Glasmalereienim Chor der Wallfahrtskapclle St. Johannes auf dem

H Lotz, Dr. W-, Kunsitopographie Deutschlands ; 2 Bde.,1862 u. 1863.